bedeckt München 11°
vgwortpixel

Lebenslauf von John Demjanjuk:Sobibór, Cleveland, Jerusalem, Rosenheim

Geboren als Sohn ukrainischer Bauern, Handlanger der deutschen Massenmörder - untergetaucht, freigesprochen und schließlich erstinstanzlich verurteilt. Lebensstationen des John Demjanjuk auf einen Blick.

[] 3. April 1920: Der Bauernsohn Iwan Demjanjuk wird im ukrainischen Dorf Dubowi Macharynzi geboren.

US-Anwalt: Demjanjuk-Abschiebung weiter in der Schwebe

John Demjanjuks Dienstausweis als KZ-Wachmann während der NS-Zeit.

(Foto: dpa)

[] Mai 1942: Der Rotarmist Demjanjuk wird nach der Schlacht von Kertsch von der Wehrmacht gefangen genommen. Anschließend wird er im SS-Ausbildungslager Trawniki als Helfer ausgebildet.

[] 27. März 1943: Demjanjuk wird als Wachmann ins Vernichtungslager Sobibór abkommandiert.

[] 16. September 1943: Demjanjuk wird ins KZ Flossenbürg versetzt.

[] Sommer 1945: Demjanjuk meldet sich in einem Auffanglager in Feldafing bei München.

[] Februar 1952: Demjanjuk kommt als Auswanderer per Schiff von Bremerhaven in New York an und findet Arbeit bei den Ford-Werken in Cleveland.

[] 1958 wird er US-Bürger, heißt nun John Demjanjuk.

[] Mai 1976: US-Behörden ermitteln. Holocaust-Überlebende meinen, in Demjanjuk einen Wachmann aus Treblinka wiederzuerkennen. Er verliert die US-Staatsbürgerschaft.

[] Februar 1986: Demjanjuk wird nach Israel ausgeliefert.

[] April 1988: Demjanjuk wird wegen Mordes zum Tode verurteilt.

[] Juli 1993: Nach der Öffnung sowjetischer Archive stellt sich heraus, dass ein anderer "Iwan der Schreckliche" in Treblinka war. Das Todesurteil wird aufgehoben, Demjanjuk zurück in die USA geschickt.

[] 2002: Die USA verdächtigen Demjanjuk, Wachmann in Sobibór gewesen zu sein. In einem jahrelangen Verfahren wird ihm die Staatsbürgerschaft erneut entzogen.

[] 12. Mai 2009: Demjanjuk wird nach München abgeschoben und ins Untersuchungsgefängnis Stadelheim gebracht.

[] 13. Juli 2009: Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage wegen Beihilfe zum Mord in 27.900 Fällen.

[] 30. November 2009: Der Prozess beginnt. Es werden 41 Verhandlungstage bis zum 6. Mai 2010 angesetzt.

[] 2009 bis 2011: Der Prozessverlauf verzögert sich mehrfach. Zu den Gründen zählen Demjanjuks schlechte Gesundheit und eine Fülle von Beweisanträgen durch die Verteidigung.

[] 22. März 2011: Die Plädoyers beginnen. Die Staatsanwaltschaft fordert sechs Jahre. Nebenkläger fordern höhere Strafen.

[] 11. Mai 2011: Nach einem fünftägigen Plädoyer fordert die Verteidigung Freispruch.

[] 12. Mai 2011: Das Landgericht München II verurteilt Demjanjuk wegen Beihilfe zum Mord an mindestens 28.060 Menschen zu fünf Jahren Haft. Das Urteil wurde nicht rechtskräftig.

[] 17. März 2012: Demjanjuk stirbt im Pflegeheim von Bad Feilnbach in Oberbayern.

[] 19. Januar 2020: Im Nachlass eines früheren stellvertretenden Kommandanten des Vernichtungslagers Sobibor sind nach Angaben des Berliner NS-Dokumentationszentrums Fotos Demjanjuks aufgetaucht.

© Süddeutsche.de/dapd/mkoh/lala
Zur SZ-Startseite