Ortsentwicklung in Hohenbrunn Ein Marktplatz und andere Wünsche

Die Ortsmitte von Hohenbrunn ist genau genommen eine Kreuzung.

(Foto: Claus Schunk)

Beim zweiten Workshop-Abend des Bürgerdialogs wird deutlich, dass es in Hohenbrunn an Treffpunkten mangelt.

Von Helena Ott, Hohenbrunn

Fünf Frauen und ein Mann sitzen in der Arbeitsgruppe "Lebendige Dorfgemeinschaft" in Halle K im ehemaligen Munitionsdepot. Im Fernsehen zu Hause läuft gerade das erste Halbfinale der Fußballweltmeisterschaft. Betreut werden sie von einem Moderationsprofi der Firma Hendricks und Schwartz und einem Gemeinderatsmitglied. "Es wäre toll, so etwas wie einen Marktplatz zu haben, da könnten die umliegenden Bauern ihre frischen Sachen verkaufen", sagt eine Frau. "Bei uns kann man sich eigentlich nur neben das Kriegerdenkmal auf dem kleinen Grünstreifen setzen, aber da sitzt man nicht gern." "Vor dem Rathaus ist alles zubetoniert." Solche Beschwerden sind immer wieder zu hören.

Verwunderlich ist das nicht: Die Ortsmitte von Hohenbrunn ist genau genommen eine große Kreuzung mit Durchgangsverkehr und einem Maibaum, der an den Gehweg gequetscht ist. Das und einige andere Dinge sollen sich ändern.

Deshalb haben Bürgermeister Stefan Straßmair (CSU) und seine Gemeinderäte zum Bürgerdialog eingeladen. Im Juli wird diskutiert. Im August werden Vorschläge präsentiert und weiter diskutiert. Im September oder Oktober bekommt die Verwaltung laut Daniel Schreyer von der auf solche Beteiligungsverfahren spezialisierten Firma Hendricks und Schwarz eine grafisch anspruchsvoll aufbereitete Handreichung, was die Bürger wollen.

Trotz des WM-Halbfinales sind 60 Hohenbrunner in die Halle K gekommen. Es ist der zweite Workshop-Abend. Vier Diskussionsabende, eine eigens aufgesetzte Website, Beteiligungskarten, Stände am Dorffest. "Circa 55 000 Euro kostet ein Komplettpaket in diesem Ausmaß", sagt Schreyer.

Es haben sich in den vergangenen 20 Jahren viele Wünsche angestaut bei den Hohenbrunnern. Aber es sind nicht die erwartbaren Themen, wie der Mangel an Kitaplätzen oder der fehlende Supermarkt. Letzterer ist zwar bisher nicht vorhanden, aber im nächsten Jahr soll ein Rewe-Markt auf der Freifläche an der Putzbrunner Straße gebaut werden. Ein Privater Investor hat den Grund gekauft und will dort auch ein Ärztehaus und Wohnungen bauen. Bezahlbar sollen sie sein, und zum Teil auch barrierefrei, wünschen es sich die Bürger.

Woran es aber noch gänzlich fehlt, ist eben der Wohlfühlfaktor in der Ortsmitte. In der Arbeitsgruppe kommt der Vorschlag auf, einen Begegnungsraum im Freien eher in Richtung S-Bahnhof zu planen. Denn viele Hohenbrunner bezweifeln, dass ihre Ortsmitte gemütlich werden kann - selbst wenn es gelingt, den Durchgangsverkehr zu verringern.

Der Bürgermeister ist skeptisch

Bürgermeister Straßmair stimmt dem bedingt zu: "Einen Wochenmarkt könnte ich mir dort sehr gut vorstellen, dazu würde ich auch die Anschlüsse, also Wasser und Strom, bauen lassen." Aber in näherer Zukunft sieht er nicht, dass man das Areal zum Marktplatz umgestalten kann, weil auch noch Raum für den bestehenden Park-and-ride-Platz bleiben müsse.

Ein weiterer Punkt, an dem die Wünsche der Bürger mit denen der Verwaltung über Kreuz liegen, sind Räume für private Veranstaltungen. "Im gesamten Gemeindegebiet gibt es nichts, was man mieten kann, wenn man einen Polterabend feiern will oder einen runden Geburtstag", sagt eine Teilnehmerin der Dialogrunde. Der Bürgermeister sagt dazu auf Nachfrage, dass es auch nicht seine Aufgabe sei, solche Räume zu schaffen.

Ähnlich auseinander gehen die Meinungen beim Angebot für Jugendliche. Die Vorschläge reichen vom Skatepark über einen Pump-Track mit Outdoor-Fitnessgeräten, einen Treffpunkt zum Computerspielen bis zu einer Lagerfeuerstelle. "Wir haben einen Jugendtreff, der gut besucht ist, und sind gegen einen Ort, an dem Jugendliche vor Bildschirmen sitzen", sagt Straßmair. Er will aber abwarten, was diese Altersgruppe sich wünscht. Beim Dialogabend jedenfalls ist kaum jemand unter Fünfzig. Die Organisatoren von Hendricks und Schwartz wollen Jugendliche deshalb gezielt beim Dorffest und über Facebook ansprechen.

Insgesamt sind die Bürger interessiert, freuen sich, gefragt zu werden. Aber es gibt auch Kritik: "Ich hätte erwartet, dass vor so einer Dialogveranstaltung mehr konkrete Vorschläge der Gemeinde angeboten werden, über die man diskutieren kann und man nicht beim weißen Blatt Papier anfängt", sagt etwa Manfred Haucke.

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