Vorausgeschaut: Das wird diese Woche wichtig:Kleine Kirche mit großer Tradition

Vorausgeschaut: Das wird diese Woche wichtig: Der Heilige Leonhard links und der Heilige Sebastian rechts: Die St.-Anna-Kapelle in Oedenstockach ist ein symbolträchtiger Ort.

Der Heilige Leonhard links und der Heilige Sebastian rechts: Die St.-Anna-Kapelle in Oedenstockach ist ein symbolträchtiger Ort.

(Foto: Claus Schunk)

Gläubige feiern an diesem Montag an der St.-Anna-Kapelle Patrozinium. Das Fest existiert heute noch dank des Engagements von einigen wenigen

Von Angela Boschert, Putzbrunn

Ein Schmuckstück ist es unzweifelhaft, das Kirchlein mit Holzturm an der Keferloher-Markt-Straße im Putzbrunner Ortsteil Oedenstockach. An diesem Montag wird die St.-Anna-Kapelle zur Feier ihrer Namenspatronin im Mittelpunkt stehen. Unter freiem Himmel wird das Patrozinium zum Namenstag des heiligen Joachim und der heiligen Anna, also der Eltern der Gottesmutter Maria und damit der Großeltern Jesu, gefeiert.

Wie schon seit mehr als 20 Jahren wird Prälat Józef Pick aus der Nähe des polnischen Gdańsk die Eucharistiefeier am Montag, 26. Juli, halten (Beginn 19 Uhr). Er habe in Putzbrunn gewohnt, als er Deutsch gelernt habe, und komme daher auf seiner Urlaubsfahrt gen Österreich alljährlich in die Gemeinde, erzählt Anna Bauer, die sich auch dieses Jahr wieder um das Fest kümmert. Wenn Monsignore Pick ankommt, hat Bauer das Kirchlein mit dem Satteldach bereits geputzt und ihre Schwester, eine Floristin, hat es mit Blumen geschmückt. Dann sind auch die Absprachen mit allen Teilnehmern, etwa dem Gesangsduo Eschbaumer- Sandner, per Telefon geführt und alles ist organisiert. Bauer, die zehn Jahre in der Putzbrunner Pfarrei den Organisationsausschuss geleitet hat, ist peu à peu in die Aufgabe hineingewachsen. Als die ehemalige Wirtschaft "Beim Pöschl" nicht mehr existierte, hätten sie selbst zu Weiß- und Bockwurst eingeladen, damit "das St.-Anna-Fest nicht den Bach runtergeht". Eine Bewirtung gibt es heuer nicht und gefeiert wird am festlichen Freialtar auf der Wiese hinter der Kirche. Dort ist viel Platz zwischen den Bäumen, wie man ihn angesichts der Corona-Vorschriften benötigt.

Das Kirchlein an der Ortsdurchgangsstraße gegenüber dem Wasserturm (1906) ist als "schlichter einschiffiger Bau mit leicht eingezogener Apsis, aus dem 19. Jahrhundert, im Kern wohl älter, und mit hölzernem Turm des 20. Jahrhunderts" in die Bayerische Denkmalliste eingetragen. In das Kirchlein mit der Flachdecke gelangt man durch den dreistöckigen Turm, dessen zwei Glocken noch heute bei besonderen Gelegenheiten per Seilzug geläutet werden. Vier Holzbänke zu beiden Seiten des Mittelgangs bieten etwa 20 Besuchern Platz und reichen bis unmittelbar an die Altarmensa, die die gesamte Breite des Raumes einnimmt. Auf ihr stehen der Gekreuzigte, umgeben von Putti, sowie zwei Heilige; rechts der von Pfeilen durchbohrte Sebastian und links Leonhard mit dem Krummstab. Zwei hölzerne Marienfiguren, je ein Kreuz sowie kleine Kreuzwegtafeln an den zwei Langhauswänden zeugen von der Gläubigkeit der Bauern, die die Kirche als Privatkapelle dereinst einmal erbaut haben.

Zur Vorgeschichte des heutigen Baus mit seiner halbrunden Apsis ist wenig bekannt. In einem Schreiben vom 28. Mai 1821 "von hochwürdigem Generalvikariat des Erzbisthums München und Freising" an Pfarrer Michael Berghamer, Ottendichl, wird die kleine Kirche erstmals erwähnt. Darin "wird gebilligt, dass die zu der Kapelle in Edenstockach hergeschenkten Kreuzwegtafeln (...) benediziert und unter einer angemessenen Andacht in der genannten Kapelle ausgehängt werden mögen". Diese Kreuzwegbilder wurden Mitte des 19. Jahrhunderts durch neue ersetzt.

Die Kirche und das St.-Anna-Fest liegen Bauer spürbar am Herzen. Traurig macht die Alteingesessene, dass an der Kirche der Zahn der Zeit nagt. Zuletzt wurde die Kirche 2002 von der Gemeinde Putzbrunn saniert. Doch die Wände sind erneut feucht und der Putz bröckelt. Die Bauern hätten bei Bedarf früher einfach neuen Putz auf die Wände gestrichen, sagt Bauer. Nun wäre eine grundlegende Behebung der Schäden wünschenswert. Daran denkt Bauer jetzt aber nicht, sie freut sich aufs Patrozinium und hofft, dass dieses von einem Gewitter verschont bleibt.

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