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Unterschleißheim:Martyrium einer Mutter

Gewalt gegen Kinder

Der 25-Jährige soll seine Mutter mit dem Tod bedroht haben.

(Foto: dpa)

Ein Sohn steht vor Gericht, nachdem er mehrfach unter Drogen ausrastete.

Es war sicher keine harmonische Beziehung, die ein 25-Jähriger und seine Mutter im gemeinsam bewohnten Haus in Unterschleißheim pflegten. Im Gegenteil muss es ein Martyrium für die Mutter gewesen sein. Laut Anklage der Staatsanwaltschaft München wurde sie allein im Zeitraum zwischen Oktober 2015 und Juli 2016 sechs Mal von ihrem Sohn geschlagen, elf Mal mit dem Tode bedroht und musste mehrere Male hilflos dabei zusehen, wie ihr Sohn im Haus randalierte, selbst nachdem ihm gerichtlich das Betreten des Grundstückes und das Annähern an seine Mutter untersagt worden war. Seit Montag muss sich der 25-Jährige, der sei 22. Juli 2016 in der Justizvollzugsanstalt Stadelheim in Untersuchungshaft sitzt, vor dem Landgericht München I verantworten. Für das Verfahren wurden insgesamt vier Verhandlungstage angesetzt.

Vier Verhandlungstage sind angesetzt

Insgesamt 26 Straftaten legt die Staatsanwalt dem Angeklagten zur Last, die er im Zustand verminderter Schuldfähigkeit begangen haben soll. Er sei drogenbedingt von der Rolle gewesen, sagte der 25-Jährige vor Gericht. "Ich bring' dich jetzt um, du alte Hure", hat er laut Anklageschrift am 10. November 2015 seiner Mutter gedroht und ihr anschließend mit dem Fuß gegen den linken Oberschenkel geschlagen, ehe er im Garten mit einem Besenstiel auf die Jalousien der in den Garten blickenden Fenster und auf eine Lampe auf der Terrasse einschlug.

Ein anderes Mal soll er die linke Hand seiner Mutter verdreht haben, nachdem er zu ihr gesagt hatte: "Du brauchst eine Teufelsaustreibung, du bist besessen von Dämonen." Nicht gerade zimperlich war laut Anklageschrift auch sein Auftreten gegenüber Polizeibeamten, die ihn am 25. Mai 2016 in Gewahrsam genommen hatten, nachdem er wieder einmal gewaltsam in die einst gemeinsame Wohnung eingedrungen war. Unter anderem mit "Vollidiot", "Volldepp" und "Vollspast" soll er einen Polizisten beleidigt haben. Den Richter am Amtsgericht soll er noch gröber beleidigt haben, unter anderem mit "Arschloch", "Penner" und "Wichser."

Er soll die Frau geschlagen und mit dem Tod bedroht haben

Im zweiten Teil des mehr als fünf Stunden dauernden ersten Verhandlungstages kam die Mutter ausführlich zu Wort. Dabei kristallisierte sich nach Meinung von Verteidiger Roland Autenrieth ihr ambivalentes Verhältnis zu ihrem Sohn heraus, mit dem sie immer wieder in Streit gerate, dessen Ausfälle sie fürchte, den sie aber lieber wieder zu Hause sähe als im Gefängnis. Ihrer Meinung nach sind die tätlichen und verbalen Angriffe ihres Sohnes gegen sie eine Projektion. Wenn er sie ein "Stück Scheiße" nenne, meine er sich selbst damit, glaube sie.

Eine Bewährungsstrafe und eine stationäre Drogentherapie sei das Ziel, sagte Verteidiger Autenrieth zur SZ. Zum zweiten Verhandlungstag am Montag, 24. April, ist unter anderem der Vater des 25-Jährigen als Zeuge geladen.