Carsharing:Ein Auto ist manchmal halt doch praktisch

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Car-Sharing-Verein in Unterschleißheim, der rote Opel Corsa steht am Park and Ride-Parkplatz unter der Les Cres-Brücke

Erkennungszeichen Rot: Auch das neue Auto des Vereins Stadtteilauto Schleißheim ist in der typischen Flottenfarbe gehalten.

(Foto: Florian Peljak)

Der Carsharing-Verein Stadtteilauto Schleißheim hat 40 Mitglieder, die ein Auto aus der Flotte regelmäßig nutzen - als Zweitwagen, für Einkäufe oder Wochenendfahrten.

Von Johanna Mayerhofer, Unterschleißheim

Die Farbe ist geblieben: Wie sein Vorgänger trägt der Neue in der Flotte die Farbe Rot. Nach sieben Jahren ersetzt ein Opel Corsa das in die Jahre gekommene Gründungsauto des Vereins Stadtteilauto Schleißheim. "Unser Toyota hat erste Alterserscheinungen gezeigt", sagt Silvia Schedlbauer, Vorsitzende des Vereins. Neumitgliedschaften, Autopflege, Kundendienst - zusammen mit sechs weiteren ehrenamtlichen Vorstandsmitgliedern ist die Oberschleißheimerin für die ständige Einsatzbereitschaft der drei Vereinsautos zuständig. Seit 2008 wird die organisierte gemeinschaftliche Nutzung mehrerer Autos, genannt Carsharing, in Ober- und Unterschleißheim in kleinem Rahmen praktiziert.

Seit einigen Jahren wittern große Anbieter ein lukratives Geschäft in dieser Form des Autoteilens. In dem wachsenden Angebot an großen Carsharing-Anbietern sieht Silvia Schedlbauer aber keine Konkurrenz, eine zukünftige Vernetzung mit überregionalen Organisationen soll vielmehr Vorteile für beide Seiten schaffen. "Der Bedarf war da", sagt Schedlbauer, "Carsharing gab es bis dato nur in den Ballungsräumen wie in München."

Eigentlich sollte ein großer Anbieter für Oberschleißheim gewonnen werden

Ein Ausschuss in der Gemeinde Oberschleißheim hat das Projekt initiiert. Zunächst war die Idee der Initiative, dass Anbieter in München oder Freising ein Auto in Oberschleißheim zur Verfügung stellen. "Die wollten aber jemanden, der aktiv vor Ort das Ganze koordiniert", sagt Schedlbauer. Die Initiative entschied sich für ein eigenes Projekt. Als sich genügend Mitglieder gefunden hatten, wurde Stadtteilauto Schleißheim zum eigenständigen Verein. Nach der Gründung im August, erwarb man ein erstes Auto bereits im September: Der Toyota fand seinen Platz am Oberschleißheimer S-Bahnhof.

Die Fläche stellte die Gemeinde kostenlos zur Verfügung. "Wir wollten einen Platz, wo das Auto leicht von vielen Leuten gesehen wird", sagt Schedlbauer. Mit Anzeigen und einem großen Aufkleber auf dem gemeinschaftlich genutzten Fahrzeug machte der Verein auf sich aufmerksam. Vor allem durch Mundpropaganda konnte sich Stadtteilauto Schleißheim schnell einen Namen machen. "Heute ist es ein Selbstläufer und wir sind stolz, dass alles kostendeckend läuft", sagt die Vorsitzende. Zu dem Kleinwagen gesellten sich mit den Jahren ein Kombi und ein mittelklassiger Siebensitzer. "Wir wollen eine breite Palette bieten und alle Wünsche erfüllen", sagt die Vorsitzende.

Neben dem Stellplatz am Bahnhof finden die Autos am Park-and-ride-Platz unter der Les-Crès-Brücke in Unterschleißheim Platz. Wenn man per Telefon, Internet oder mobiler Handyapp das Auto reserviert, kann es mit einer Mitgliedskarte und Lesegerät an der Tür an seinem Stellplatz geöffnet werden. Ein Bordcomputer zeichnet die gefahrenen Kilometer und die benötigte Zeit auf. Aufgrund nachfolgender Reservierungen sollte das Zeitfenster eingehalten werden. Neben einer einmaligen Einlage, die jedes Mitglied am Anfang seiner Mitgliedschaft leistet, muss eine allmonatliche Rechnung gemäß der gefahrenen Kilometern beglichen werden.

"Es ist auch nicht jeden etwas"

Mit einer halbjährigen Schnuppermitgliedschaft können Unentschlossene das Projekt für sich testen. "Es ist auch nicht für jeden etwas", sagt Schedlbauer. Viele Leute hätten eine emotionale Bindung zu Autos und möchten nicht immer ein fremdes nutzen. Anderen sage die Werbeaufschrift auf den Autos des Vereins nicht zu. "80 Prozent der bisherigen Schnuppermitglieder sind aber geblieben", sagt Schedlbauer.

Seit seiner Gründung 2008 ist der Verein stetig gewachsen: Am Anfang wollten zehn Mitglieder den Gedanken des Autoteilens voranbringen, heute zählt der Verein rund 40 Vollmitglieder. Dazu kommen 40 Mitnutzer wie Ehepartner oder Familienmitglieder. Die Autos werden als Zweitwagen genutzt, für Ausflüge, Einkäufe oder Wochenendfahrten. "Durch die Nähe zum S-Bahnhof benötigen viele hier kein Auto, manchmal ist es aber halt doch praktisch", sagt die Vorsitzende.

Partnerschaft mit Flinkster

Neben den Vollmitgliedern und Mitnutzern können Quernutzer das Schleißheimer Angebot in Anspruch nehmen: Eine Kooperation mit Flinkster, dem Carsharing-Angebot der Deutschen Bahn, ermöglicht es den Mitgliedern beider Partner die Autos der jeweiligen anderen Organisation zu nutzen. "Wir machen 20 bis 30 Prozent Umsatz mit Flinkster-Kunden", sagt Schedlbauer.

Der Verein möchte die Vernetzung mit anderen Carsharing-Organisationen noch ausbauen - vor allem um das Angebot für seine Schleißheimer Mitglieder zu erweitern. Diese können dann auch in vielen größeren Städten Carsharing nutzen. An der Schleißheimer Gemeinschaft schätzten die Mitglieder vor allem die persönliche Betreuung und den Ansprechpartner vor Ort. "Bei den großen Anbietern läuft ja alles sehr anonym ab, wir sind um die Ecke", sagt die Vorsitzende.

Weniger das Umweltbewusstsein als die Kostenersparnisse seien der Grund für viele Mitgliedschaften des Vereins. Der Gedanke an die Reduzierung der Umweltbelastung schwinge zwar mit, es müsse aber vor allem einen finanziellen Sinn haben, so Schedlbauer. Neben den Ersparnissen durch die Verteilung der Fixkosten der Fahrzeughaltung führe eine Mitgliedschaft oft auf natürliche Weise dazu, den Fahrzeugbedarf auf das Notwendigste zu reduzieren.

"Es ist ja doch mit Aufwand verbunden, ein Fahrzeug zu buchen", sagt die Vorsitzende. Viele Mitglieder kalkulieren deshalb, wann öffentliche Verkehrsmittel für sie günstiger sind. Ob sich die Flotte des Vereins noch erweitern wird, entscheidet die Nachfrage: Der Vorstand beobachtet, ob es mehr Reservierungen gibt, als Autos verfügbar sind. Sollte diese Zahl anwachsen, werde der Verein das Angebot erweitern. "Wir sind ein kleiner Verein, wir können uns flexibel anpassen."

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