Unterhaching:König sanftmütiger Völker

Unterhaching: Es läuft zäh, und das ist gut so. Claudia Köhler, Mitinitiatorin des Krautgarten-Projekts, assistiert Imker Johannes Fagner beim Honigabfüllen.

Es läuft zäh, und das ist gut so. Claudia Köhler, Mitinitiatorin des Krautgarten-Projekts, assistiert Imker Johannes Fagner beim Honigabfüllen.

(Foto: Claus Schunk)

Der Hobbyimker Johannes Fagner hat drei Bienenstöcke im Unterhachinger Krautgarten aufgestellt. Jetzt hat er die "Ernte" eingefahren: 30 Kilogramm Honig

Von Franziska Bohn, Unterhaching

"Honig wird nie schlecht", sagt der Hobbyimker Johannes Fagner aus Oberhaching. Über den Sommer hat er 30 Kilogramm Honig geerntet, den er jetzt in Gläser abfüllt. Es ist die erste Honigernte, die er im Krautgarten generiert, einem Projekt der Unterhachinger Grünen. Auf einem Feld am Ende des Finsinger Weges werden seit gut einem Jahr Beeren, Gemüse und Kräuter angebaut und von etwa 40 Mitgliedern des Projekts gegossen und geerntet. Das Schmuckstück des Krautgartens ist dabei die Veitshöchheimer Bienenweide, auf die nicht nur die Bienen fliegen. Auch Imker Fagner hat sich davon anlocken lassen. Jetzt lässt er etwas Honig in einen Teelöffel fließen und probiert: "Der Honig hat einen leichten Zitronengeschmack, da viele Heidelbeer- und Himbeersträucher in der Nähe wachsen", sagt er. Drei Bienenvölker leben zur Zeit am Rande des Krautgartens, ein Volk besteht aus bis zu 40 000 Bienen. "Ich habe brave Bienen", sagt Fagner. Im Krautgarten leben sogenannte Carnica Bienen, bekannt für Sanftmut und Fleiß. Der Imker hält ein dunkles Gerät vor das helle Fenster und schaut durch eine kleine Öffnung: "Das ist ein Refraktometer, damit kann ich den Wassergehalt des Honigs messen." Die Skala zeigt: unter 16 Prozent. Hätte der Honig einen Wassergehalt von über 18 Prozent, würde er zu gären beginnen.

Zusätzlich zu den drei Bienenvölkern im Krautgarten besitzt Fagner noch acht Bienenstöcke in seinem Garten in Oberhaching. Mitte Juli hat er das letzte Mal Honig geschleudert, danach bekommen die Bienen fünf Liter Zuckerwasser, ehe er sie mit Ameisensäure behandelt, um die Varroamilbe zu bekämpfen. Nach zwölf Tagen ist alles verdunstet und die Bienen bekommen noch einmal 15 Liter Zuckerwasser, um durch den Winter zu kommen. Unter anderem wohnt in Fagners Garten die Buckfast Biene: "Die einzige Biene, die tatsächlich gelb ist", sagt Fagner. Zurzeit müssen die Bienen allerdings kämpfen. Durch das Zuckerwasser in ihren Stöcken werden Wespen angelockt, kleine Räuber. Fagner hat deshalb die Einfluglöcher besonders klein gemacht, so fällt es den Wespen schwer, in den Bienenstock zu gelangen. "Die Wespen gehen ihnen sauber auf die Nerven", weiß Fagner. Und tatsächlich: Vor den Einfluglöchern tummeln sich einige Wespen, die versuchen, in den Stock zu gelangen, bekämpft von Bienen, die ihr Volk verteidigen. Einige Bienen, die durch die Einfluglöcher krabbeln, haben eine weiße Haube auf: "Das sind die Pollen des Springkrautes, das sie gerade sammeln", erklärt Fagner, der jeden Tag Honig genießt. "Wichtig ist, das man den Honig nie in heißen Tee rührt, sonst werden die gesunden Inhaltsstoffe zerstört." Besser sei es, den Tee vorher abkühlen zu lassen, so wirke der Honig entzündungshemmend und gegen Erkältung oder Schlafprobleme, erklärt Fagner. Gestochen wurde er bisher nur einmal: "Das war mir aber Wurst ", sagt er und lacht.

© SZ vom 07.09.2017
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