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Unterhaching:Dicke Luft im Gemeinderat

Die Tische stehen auseinander, auch müssen im Kubiz inzwischen FFP2-Masken getragen werden.

(Foto: Claus Schunk)

Weil die Lüftung saniert wird, werden im Kubiz während der Sitzungen ausgiebig die Fenster geöffnet

Von Iris Hilberth, Unterhaching

Früher gab es bei Gemeinderatssitzungen höchstens mal eine Pause zwischen dem öffentlichen und dem nichtöffentlichen Teil. Wollte man also keine wichtige Abstimmung oder relevanten Diskussionsbeiträgeverpassen, musste man einen guten Zeitpunkt abpassen, um mal kurz den Saal zu verlassen. In Pandemiezeiten gibt es in Unterhaching jetzt stündlich eine verordnete Sitzungsunterbrechung, bei der die Fenster weit geöffnet werden. Denn die Lüftung im Saal des Kultur- und Bildungszentrums (Kubiz), in dem das Gremium tagt, wird derzeit saniert. Bis die Arbeiten abgeschlossen sind, gibt es über die Anlage keine Frischluftzufuhr.

Das hatte einige Gemeinderäte in der jüngsten Sitzung dann doch überrascht, als Amtsleiter Simon Hötzl in einem Nebensatz erwähnte, dass die Sanierungsarbeiten Anfang März abgeschlossen seien und dann auch wieder ein Lüftungsbetrieb mit Frischluftzufuhr möglich sei. "Es handelt sich um eine energetische Sanierung, das heißt die Anlagen haben denselben Funktionsumfang wie die alten, arbeiten aber effizienter", hieß es in der Beschlussvorlage der Verwaltung, in der es eigentlich darum gegangen war, ob die Sitzungen zukünftig in der Turnhalle am Utzweg stattfinden sollen. "Heißt das, wir sitzen hier die ganze Zeit ohne Lüftung?", hörte man es aus verschiedenen Ecken des Gremiums raunen. Hötzl versucht zu beruhigen: "Die Lüftung stand schon längere Zeit zur Erneuerung an, die Reparaturen haben den Unterhalt nicht mehr wirtschaftlich darstellen lassen. Nachdem wir bereits im Dezember 2020 gesehen haben, dass die Kultur wohl absehbar keine Öffnungsperspektive haben wird, haben wir die Sanierung vorgezogen." In der Zwischenzeit habe es tatsächlich keine Lüftung mir Frischluftzufuhr gegeben, "aber mit Umwälzung, deshalb waren uns die längeren Lüftungspausen so wichtig." Er verweist zudem auf die seit einigen Monaten geltende Vorschrift, FFP2- Masken in der Sitzung zu tragen.

Nun dachte sich Bürgermeister Wolfgang Panzer vor einiger Zeit noch: "Vielleicht kommen wir ja schnell durch die Tagesordnung, dass wir nur einmal oder gar nicht lüften müssen." Was ja auch im Sinne des Innenministeriums wäre, das zwar noch immer auf Präsenzveranstaltungen setzt, aber anmahnt, dass "Sitzungen der kommunalen Gremien mit Blick auf das aktuelle Infektionsgeschehens nach wie vorauf unverzichtbare, unaufschiebbare Entscheidungen beschränkt werden." Doch was nützt das, wenn unverzichtbare Entscheidungen nicht rasch getroffen werden? Wenn der Redebedarf richtig groß ist? Während der jüngsten Gemeinderatsitzung waren vier Pausen notwendig.

Eine Verlegung in die Sportarena hätte die Sache übrigens nicht besser gemacht. Denn zur Durchlüftung der Dreifach-Halle müssten neben der aktiven Belüftungsanlage zusätzlich die Dach- und die Seitenfenster im Erdgeschoss geöffnet werden, führte die Verwaltung nach einem Antrag der Grünen-Fraktion aus. Auch müsste der Hallenboden vor den Straßenschuhen der Gemeinderäte geschützt werden.

So bleibt im Moment alles, wie es ist: Sitzungen im Kubiz mit Masken und Lüften. "Sollten die Infektionszahlen weiter raufgehen, müssen wir reagieren", sagte der Bürgermeister, der erst einmal abwarten will, ob der Landtag Ende März Hybridsitzungen ermöglicht, bei denen nur der Bürgermeister im Saal sitzen muss und alle anderen online zugeschaltet werden.

© SZ vom 02.03.2021
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