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Unterföhring:Wohnen am Biergarten kommt schlecht an

Abgeräumt: Die Gebäude auf dem Grundstück an der Birkenstraße sind bereits abgerissen worden.

(Foto: Robert Haas)

Gemeinderäte wehren sich weiter gegen aus ihrer Sicht zu massive Bebauung neben dem Neuwirt

Das alte Gebäude ist bereits abgerissen, einer der alten Bäume der Säge zum Opfer gefallen und rund um das Gelände an der Ecke Münchner/Birkenstraße stehen Bauzäune: Schlussendlich genehmigt ist das Vorhaben eines privaten Investors allerdings nicht, der an dieser exponierten Stelle ein massives Gebäude mit teuren Wohnungen errichten möchte. Der Bauausschuss des Unterföhringer Gemeinderats hat in seiner jüngsten Sitzung mehrheitlich seine Ablehnung kundgetan und auch die abgespeckte Version der RS Wohnbau durchfallen lassen.

Bereits vor einem Jahr hat das Gremium gegen den Plan votiert, das Areal, auf dem früher die Firma Videocation beheimatet war, mit Wohnungen gehobener Preisklasse zu bebauen. Nach einem Rüffel aus dem Landratsamt wurde das Nein Ende März untermauert, obwohl die Kreisbehörde die Kommune aufgefordert hatte, ihr Einverständnis zu einem Bauvorhaben zu erklären, gegen das Anwohner Sturm laufen und von dem auch die örtlichen Lokalpolitiker nichts halten.

Der Bauausschuss bewertete das Vorhaben der Firma RS Wohnbau GmbH, die auf einem Grundstück an der Ecke Münchner Straße/Birkenstraße ein Gebäude mit 22 Wohnungen und Tiefgarage errichten möchte, seinerzeit an dieser Stelle für ungeeignet. Die direkte Nachbarschaft zum Biergarten der Gaststätte Neuwirt berge Konfliktpotenzial, noch dazu weil Schlaf- und Aufenthaltsräume der Wohnungen nach Norden hinausgehen. Die geplante Bebauung erschien dem Ausschuss als zu massiv, da in der Umgebung im rückwärtigen Bereich an der Birkenstraße kleinere Häuser stehen. Auch die Freiflächen stoßen bei den Lokalpolitikern nicht auf Wohlwollen, sie finden sie zu gering. Außerdem müsste wohl die Bushaltestelle weichen, um das Grundstück zu erschließen. Für die Unterföhringer ein absolutes Unding.

Der Investor hat nun eine reduzierte Planung vorgelegt: So sollen nur noch 19 Wohnungen entstehen, das Gebäude wird nur noch mit Erdgeschoss, erstem Stock und Dachgeschoss geplant. Um zum nahen Biergarten einen umfassenden Schutz zu gewährleisten, würden Schallschutzmaßnahmen ergriffen und in allen Aufenthaltsräumen Fenster eingebaut, die sich nicht öffnen lassen. Auch die Müllcontainer sollten so eingehaust werden, dass die Biergartenbesucher sich nicht an Abfallgestank stören sollten, wie es in der Vorlage der Verwaltung hieß.

Den Bauausschuss stimmte all das nicht milde. Gegen die Stimmen von Jutta Schödl und Thomas Weingärtner (SPD) erteilte das Gremium dem Projekt eine neuerliche Absage. Letzterer hatte zuvor vergeblich darum geworben, mit dem Bauwerber "in Dialog zu treten". Immerhin habe dieser sich mit seinem jetzt vorliegenden Antrag bereits auf die Gemeinde zubewegt, so Weingärtner, und: "Wir haben rechtlich schlechte Papiere", sagte er und erinnerte daran, dass das Landratsamt auch die erste Version mit mehr Wohnungen für genehmigungsfähig gehalten hat. Die Mehrheit aber folgte den Ausführungen von Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (Parteifreie Wählerschaft, PWU), der nicht nur die Größe des Wohnblocks kritisierte, sondern auch die verkehrliche Erschließung. Nun liegt es wieder am Landratsamt.