Unterföhring Konkurrenz fürs künftige Rathaus

Die Gemeinde will ihre Verwaltung künftig in einem fünfstöckigen Solitär am Bahnhof unterbringen. Nun plant der private Eigentümer auf seinem Teil der neuen Ortsmitte ebenfalls massive Gebäude.

Von Sabine Wejsada, Unterföhring

In der neuen Unterföhringer Ortsmitte tut sich was: Das neue Gebäude für Volkshoch- und Musikschule ist fast fertig, mittelfristig werden das Rathaus, Geschäfte, Praxen und eine Gaststätte folgen. Zwischen Bahnhof und Föhringer Allee soll ein urbanes Zentrum entstehen - auf einer Fläche von 37 000 Quadratmetern, die früher von einer Holzhandelsfirma genutzt wurde. Knapp die Hälfte des Grundstücks hat die Gemeinde 2010 kaufen können und 2015 einen städtebaulichen Wettbewerb ausgelobt - mit einem Realisierungsteil für das eigene Gelände und einem sogenannten Ideenteil für das in Privatbesitz befindliche Areal. Auch hierfür gibt es nun konkrete Pläne.

Die Eigentümerfamilie Vaitl-Gloo beabsichtigt eine umfassende Bebauung ihres Grundbesitzes. Laut einem vom Oberbiberger Architekten Dieter Pöhlmann erstellten Entwurf könnte gegenüber dem neuen Rathaus ein Gebäude mit Ärztehaus, betreutem Wohnen samt Palliativstation und einer Bankfiliale errichtet werden. Im östlichen Bereich soll parallel zum neuen VHS- und Musikschulzentrum ein Haus mit Wohnungen und Büros entstehen, im Süden ebenfalls. Entlang der Föhringer Allee planen die Eigentümer ein Hotel mit Biergarten; zwischen den Gebäuden ist angedacht, autofreie parkähnliche Grünflächen anzulegen. Die circa 280 Stellplätze werden dem Entwurf zufolge in einer zweistöckigen Tiefgarage untergebracht.

Die neue Unterföhringer Ortsmitte: Dort, wo derzeit noch alte Hallen stehen und einst die Theaterfabrik zahlreiche Besucher anlockte, sollen nach dem Willen des Grundeigentümers Wohnungen, Büros, ein Hotel sowie ein Ärztehaus entstehen. Vorausgesetzt, die Gemeinde stimmt zu.

(Foto: Google Earth)

Wolfram Vaitl-Gloo hatte in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses die Gelegenheit, den Kommunalpolitikern seine Ideen zu präsentieren. Für ihn sei es naheliegend, "dass die Ortsmitte aus einem Guss entstehen kann". Das Gremium fand überwiegend Gefallen an den Überlegungen, in einigen Punkten aber gab es Klärungsbedarf. So sah zum Beispiel Grünen-Gemeinderat Johannes Mecke, der auch Vorsitzender der Musikschule ist, durchaus Konfliktpotenzial, was die direkte Nachbarschaft von Wohnungen und Musikgärten angeht: Nicht dass sich dann die neuen Bewohner beschweren würden und Kurse nur noch in schalldichten Räumen stattfinden könnten, sagte Mecke, vor allem wenn es sich um Eigentumswohnungen handeln sollte. Vaitl-Gloo versicherte, dass auf den kompletten Areal ausschließlich Mietwohnungen geplant seien. Und: "Leben gehört dazu", sagte er.

Bei dem Hotelprojekt handele es sich nicht um die Ansiedlung eines neuen Beherbergungsbetriebes, sondern um die Verlagerung eines bestehenden, antwortete Vaitl-Gloo auf die Frage von Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (Parteifreie Wählerschaft, PWU). Dem Vernehmen nach könnte es sich um das Comfort-Hotel samt Gaststätte handeln, das nach Ablauf des Pachtvertrages im März 2025 von der Bahnhofstraße weichen muss, weil die Gemeinde auf der Fläche Wohnungen errichten will. Thomas Weingärtner (SPD) hält die aktuelle Entwicklung in Sachen Ortsmitte grundsätzlich für begrüßenswert. Dennoch gebe es für ihn ein paar "Holpersteine", sagte er. Zum Beispiel, dass die Gebäude auf Vaitl-Gloos Areal vier oder fünf Geschosse haben sollen. Weingärtner gab zu bedenken, dass die Gemeinde ebenfalls ein Ärztehaus und eine Gaststätte auf ihrem Teil der Ortsmitte habe unterbringen wollen. "Das müssen wir neu denken", sagte der SPD-Gemeinderat. Die sozialen Einrichtungen seien in jedem Fall wünschenswert, dürften aber nicht "elitär" werden, und auch die Grünflächen sollten keine abgeschlossene Einheit bilden, sondern durchgängig und offen gestaltet werden, regte er an. Zweite Bürgermeisterin Betina Mäusel (CSU) störte sich an der "massiven Bebauung", in erster Linie beim Ärztehaus. Mäusel erinnerte an den fünfstöckigen Rathausneubau, der als Solitär in der neuen Unterföhringer Ortsmitte entstehen sollte. Mit einem "Koloss als Kontrapunkt" würde man den Siegerentwurf des Wettbewerbs städtebaulich abwerten, befand sie.

Fast fertig: Nach den Pfingstferien soll die VHS Nord in ihr neues Domizil in Unterföhring einziehen.

(Foto: Florian Peljak)

Dritter Bürgermeister Johann Zehetmair (PWU) teilte die Ansichten seiner Vorredner nicht: "Wir sollten als Gemeinde froh sein, dass sich etwas bewegt." Er und seine parteifreie Kollegin Simone Spratter waren deswegen auch gegen den Antrag von Mäusel, eine Abstimmung über die Pläne um vier Wochen zu verschieben. Die Mehrheit aus Grünen, SPD und CSU sowie Bürgermeister Kemmelmeyer votierte allerdings für eine Vertagung und gab Antragsteller Vaitl-Gloo, seinem Architekten und Grünplaner mit auf den Weg, die Entwürfe nach den Wünschen des Bauausschusses abzuändern.