Unterföhring:Königliches Bürgerhaus

Lesezeit: 2 min

Unterföhring: Hat in ihrem Heimatort schon Theatererfolge gefeiert: Anschi Prott.

Hat in ihrem Heimatort schon Theatererfolge gefeiert: Anschi Prott.

(Foto: Robert Haas)

Zum Zehnjährigen ist die Aufführung einer Satire geplant

Von Sabine Wejsada, Unterföhring

Sie hat im September 2017 mit jungen Laiendarstellern aus Unterföhring das Theaterstück "Der Kanzler" auf die Bühne gebracht und im Januar dieses Jahres mit "Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch" von Michael Ende einen weiteren Erfolg gefeiert. Kein Wunder also, dass Regisseurin und Theaterpädagogin Anschi Prott auch für die Inszenierung zu zehn Jahre Bürgerhaus 2020 verantwortlich zeichnen wird. Der Jugend- und Kulturausschuss des Unterföhringer Gemeinderats hat diese Entscheidung bereits Ende März hinter verschlossenen Türen getroffen. In der Sitzung am Donnerstagabend stellte Prott ihr Konzept zum ersten Mal öffentlich vor.

Die Theaterpädagogin plant in Anlehnung an das Projekt "Junges Bürgerhaus" eine Bürgerbühne zum zehnten Geburtstag des Kulturzentrums, bei der junge Leute und Ältere, Zugezogene und Eingesessene aus dem Ort gemeinsam spielen. Das Unterföhringer Bürgerhaus sei eines der ersten Häuser, die diesem Format Raum gäben und spiele damit "eine große Vorreiterrolle in der Kulturlandschaft im Landkreis München", sagte Prott im Kulturausschuss. Einen Vorschlag für das Stück hat die Unterföhringer Regisseurin bereits: "Das bayerische Amtsgericht im Königlichen Bürgerhaus". Angelehnt an das Original, die beliebte Fernsehserie "Das Königlich Bayerische Amtsgericht" von Georg Lohmeier, erlaubt das Setting nach Auffassung von Prott, dass ein Urbayer genauso mitspielen kann wie der hochdeutsch sprechende Neubürger. Einfließen können Unterföhringer Geschichten und lokale Anekdoten, und das in einem Rahmen, in dem auswärtige Gäste die Handlung nachvollziehen können, die zum Geburtstagsfest des Bürgerhauses ebenfalls erwartet werden. Das Stück soll als Gesellschaftssatire angelegt werden, in der gestritten wird, und ist im Jahr 2010 verortet, als das Bürgerhaus eröffnet wurde. Man dürfe sicht nicht vorstellen, dass es im Unterföhringer Amtsgericht so zugehen wird wie in der Serie, sagte Prott. Das Original von Lohmeier spielt 1912.

Prott geht davon aus, dass an die 25 Rollen zu vergeben sind; auch eine Kooperation mit ein, zwei Vereinen sei möglich, sagte sie. Mitmachen können Unterföhringer von 16 bis über 60 Jahren. Ein erstes Informationstreffen soll es am 7. Oktober geben; die Aufführungen gehen dann ein Jahr später über die Bühne (24., 30. und 31. Oktober 2020). Im Kulturausschuss stießen diese Ideen auf Gefallen, die Gemeinde wird für die Bürgerbühne 26 500 Euro bereitstellen, abzüglich der Einnahmen aus den Kartenverkauf.

Quasi als Pre-Opening zur offiziellen Eröffnung des mehr als 30 Millionen Euro teuren Bürgerhauses im September 2010 hatte es im Juli davor ein Spektakel mit großer Bürgerbeteiligung gegeben. Der damals noch vor Ablauf der Probezeit ausgeschiedene Kulturamtsleiter Wolfgang Ramadan hatte die Orchesterprobe von Karl Valentin, "ziemlich frei, aber ganz im Sinne" des Münchner Originals inszeniert. Hundert Frauen und Männer eroberten sich damit ihr neues Bürgerhaus.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema