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Unterföhring:In Gondeln über den Stau

Unterföhring hofft auf eine Anbindung an die mögliche Seilbahn im Münchner Norden

Könnten Seilbahnen eine Lösung für die Verkehrsprobleme von Kommunen sein? Die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage der Bundeswehr-Universität in Neubiberg bescheinigt ihnen jedenfalls eine hohe Akzeptanz als Verkehrsmittel. Und auch die Gemeinde Unterföhring kann sich das gut vorstellen und hat bereits den Wunsch geäußert, sich an die Überlegungen der Stadt München anzuhängen, wonach vielleicht schon im Jahr 2025 eine Seilbahn über dem chronisch staugeplagten Frankfurter Ring schweben könnte.

"Wir haben Interesse bei Stadtbaurätin Elisabeth Merk angemeldet, die Seilbahn über die Isar bis nach Unterföhring zu planen", berichtete Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (Parteifreie Wählerschaft) jüngst in der Bürgerversammlung von einem Schreiben an die Stadt München. Der Rathauschef erhofft sich "von dieser innovativen Idee" auch eine Entlastung der Unterföhringer Straßen, sagte er: "Vielleicht könnte die Seilbahn ja sogar bis in unser Gewerbegebiet führen." Wie Kemmelmeyer sagte, haben Staus und Behinderungen durch Bauarbeiten in den vergangenen zwölf Monaten den Einwohnern und Mitarbeitern im Gewerbegebiet wieder einiges abverlangt. So habe die Sperrung der Brücke über die S-Bahn-Gleise an der Kreisstraße M 3 große Probleme verursacht.

Gemeinsam mit den großen in Unterföhring ansässigen Unternehmen fordere die Gemeinde, "dass die einzelnen Planer von Bund, Land und Landkreis ihre notwendigen Maßnahmen, die ja meiste nicht über Nacht bekannt werden, besser koordinieren", so Kemmelmeyer. So sei es absolut nötig, dass das Rathaus "früher und besser" über anstehende Straßenbauprojekte informiert werde, sagte der Bürgermeister. Ende November sei ein Gespräch mit allen Akteuren geplant.

Enttäuschung herrscht im Unterföhringer Rathaus darüber, dass das Versprechen der Staatsregierung, auf der Linie der S 8 Langzüge einzusetzen, immer noch nicht erfüllt worden ist - obwohl Innenminister Joachim Herrmann dies bereits 2017 zugesichert hatte. Nach den Worten von Kemmelmeyer ist erst im Laufe des nächsten Jahres damit zu rechnen, dass um 6 Uhr in der Früh nur dreimal solche Langzüge in Unterföhring Halt machen sollen. Viel zu wenig, sagte der Bürgermeister: "Das werden wir uns definitiv nicht gefallen lassen und das werden wir so nicht hinnehmen."

Unterdessen laufen im Unterföhringer Rathaus die Vorbereitungen für einen Verkehrsgipfel, den der Gemeinderat Ende September beschlossen hat. Bei dem Treffen von Fraktionen, Verwaltung und Planern soll es unter anderem um den Föhringer Ring, ein Verkehrsleitsystem für Busse und den vierspurigen Ausbau der Kreisstraße M 3 gehen. Weitere Themen werden aller Voraussicht nach der von der SPD-Fraktion ins Spiel gebrachte U-Bahnanschluss des Unterföhringer Gewerbegebietes im Zuge der Erschließung des vom Nachbarn München geplanten Viertels am östlichen Stadtrand und eine Optimierung der Radverbindungen sein. Gesprochen werden dürfte auch über die Seilbahn-Idee der Gemeindeverwaltung. Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) und Unterföhrings Bürgermeister Kemmelmeyer sind jedenfalls begeistert, würden in ein paar Jahren Pendler in Gondeln zur Arbeit schweben können - und so dem Stau entgehen.