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Unterföhring:In der Post bleibt es eng

Der Pächter hätte die Räume gerne erweitert, doch der leere Laden am Bahnhof wird nun ein Lokal

Von Sabine Wejsada, Unterföhring

Der Gemeinderat hat sich entschieden: Das leer stehende Ladenlokal im Unterföhringer Bahnhofsgebäude wird nicht für die Erweiterung der daneben liegenden Postfiliale von Ali Çakil freigegeben, sondern geht an den Gastronomen Stephan Matheiowetz von "Das Speise-Syndikat", der im Gewerbegebiet das Restaurant Mace betreibt, und seinen Partner Stephan Fritsch von der Sportcars GmbH Unterföhring. Deren Konzept hat die Kommunalpolitiker am meisten überzeugt, wie Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (Parteifreie Wählerschaft, PWU) in der Sitzung des Gemeinderats am Donnerstagabend berichtete.

Das Gremium hatte sich seinen Worten zufolge von 16 Bewerbern die Ideen für das Ladenlokal, das früher von der Feringa-Bäckerei betrieben wurde, vorstellen lassen und dann hinter verschlossenen Türen den Entschluss gefasst. Sollten die Sieger sich angesichts der Corona-Krise, die vor allem Gastronomiebetriebe vor erhebliche Probleme stellt, zurückziehen, würde die Initiative "Zukunft Unterfairing - Netzwerk für nachhaltiges Leben" als Zweiter den Zuschlag erhalten. Der Zusammenschluss von Frauen und Männern aus dem Ort hatte sich mit seinen Plänen für einen Unverpackt-Laden in den Räumlichkeiten des Unterföhringer Bahnhofsgebäudes beworben.

Bei Ali Çakil, den Betreiber der Postfiliale samt Café, ist die Enttäuschung groß, dass sein Konzept die Gemeinderäte nicht hat überzeugen hat können. "Ich halte das für eine verwunderliche Entscheidung", sagte er am Freitag der SZ und verwies auf die seit Langem bekannten Platzprobleme in seinem Ladenlokal. Rathaus und Gemeinderat wüssten seit bald vier Jahren davon. "So kann man nicht weitermachen", klagt Çakil. "Ich bin ehrlich enttäuscht."

Alle Versuche, die Raumnot zu lindern, sind jedoch gescheitert. So hatte der Gemeinderat aus finanziellen Gründen den Plan verworfen, im Norden der Bahnhofshalle einen Kubus für die Post einzubauen. Diese Investition wäre in die Hunderttausende gegangen. Die Idee, einen Container für die Weihnachtszeit aufzustellen, habe der Betreiber abgelehnt, sagte der Bürgermeister am Freitag rückblickend. Laut Kemmelmeyer ist sich der Gemeinderat darüber im Klaren, "dass wir was für die Post tun müssen". Es müsse eine Lösung gefunden werden.

Wie diese aussehen könnte, davon hat Çakil augenblicklich keine Vorstellung. Er jedenfalls werde nun einen Antrag stellen, möglichst schnell mehr Platz für die Post zu bekommen. Während der Corona-Krise habe der Onlinehandel enorm zugenommen, entsprechend groß sei die Zahl der Päckchen und Sendungen, die sich in seinem Café stapelten. Dieses, so betont Çakil, sei sein "Kerngeschäft", das durch die Pandemie ebenfalls arg betroffen sei. Seine Kunden, die sich während des Teil-Lockdowns dort etwas zu essen oder zu trinken holen, störten sich sehr an den herumstehenden Pakete-Türmen. Und auch all jene, die an den Postschalter kommen, würden dadurch beeinträchtigt.

"Es ist eine sehr, sehr schwierige Situation für uns." In Çakils Worten schwingt auch Ärger mit, er fühlt sich von der Gemeinde allein gelassen. Und das, wo doch die Unterföhringer froh sein müssen, eine Post an dem zentralen Ort zu haben.

© SZ vom 14.11.2020

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