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Unterföhring:Immergrüne Klimaschützer

Die Gemeinde muss die Baumschutzverordnung überarbeiten - Nadelbäume und Sträucher sollen profitieren

Von Sabine Wejsada, Unterföhring

Für die stattliche Kiefer an der Ahornstraße 23/25 kommt die neue Baumschutzverordnung in Unterföhring womöglich zu spät: Denn erst wenn der Gemeinderat der vom Umweltausschuss empfohlenen Neuerung zugestimmt hat, kann das Papier in Kraft treten. Laut gesetzlichen Vorgaben muss die Kommune ihre seit 2009 geltende und 2019 geänderte Verordnung anpassen. Standen bislang nur Laubbäume unter besonderem Schutz, sollen nun auch Nadelbäume und Sträucher nicht ohne Genehmigung gefällt und entfernt werden dürfen, wie Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (PWU) jetzt im Umweltausschuss berichtete. Da nun grundlegende inhaltliche Änderungen an der bestehenden Verordnung vorgenommen werden sollen, hat die Verwaltung einen Neuerlass der Verordnung zum Schutz der Bäume und Sträucher empfohlen.

Nach Angaben der Klimaschutz-Abteilung im Rathaus weisen Nadelbäume Eigenschaften auf, die sich positiv auf den Siedlungsbereich auswirken können. Das immergrüne Nadelblatt der Bäume schaffe im Winter mehr Grün und kann sich positiv auf die Luftqualität auswirken. Besonders im Winter nähmen die Nadeln der Bäume viele Feinstaub- und Schadstoffpartikel auf und speicherten diese. Zudem böten Nadelbäume verschiedenen Tierarten des urbanen Raums einen Lebensraum und Nahrung. Bis auf Fichten sollten alle Nadelbäume unter Schutz gestellt werden.

Also auch Kiefern. Eine solche soll nach einem Mehrheitsbeschluss der Eigentümergemeinschaft an der Ahornstraße weichen, weil sie angeblich zu viel Schatten wirft und dafür verantwortlich sein soll, dass die Fassade des besagten Hauses vermoost, wie Kemmelmeyer sagte. Nicht alle Bewohner sind jedoch mit der Fällung einverstanden. So habe ein Mann im Namen seiner dort wohnenden Schwester bei der Gemeinde beantragt, die Fällung zu verhindern. Die Familie ist dem Brief zu Folge vor allem wegen des Eingriffs ins Straßenbild besorgt. Der fragliche Baum untersteht der Grünordnung des Bebauungsplans 61/95, in welcher festgesetzt ist, dass der vorhandene Baumbestand zu schützen, zu pflegen und zu entwickeln ist.

Obwohl die Kiefer durch die noch bis zum 8. Oktober gültige Verordnung nicht geschützt ist, hat sich der Umweltausschuss mehrheitlich dafür stark gemacht, den mehr als 40 oder 50 Jahre alten Baum zu erhalten. So soll die Verwaltung noch einmal Kontakt mit der zuständigen Hausverwaltung aufnehmen. Gerade im Hinblick auf die immer heißer werdenden Sommer "werden sich künftige Bewohner des Hauses wünschen, man hätte den Baum nicht gefällt", sagte etwa Johannes Mecke von den Grünen.

Der geplante Neuerlass der Baumschutzverordnung im Oktober durch den Gemeinderat stieß jedoch nicht bei allen im Umweltausschuss auf Gefallen. Gertrud Mörike, Manuel Prieler und Udo Guist, die drei Gemeinderäte der PWU, lehnten das Papier ab, weil sie es für kontraproduktiv hielten und darin eine Einmischung in die Angelegenheit von Privateigentümern sahen.

Einigkeit herrschte dagegen beim Erhalt der Obstbäume im Bereich des Einheimischen-Modells nördlich der Aschheimer Straße. Dort hatten Anwohner verlangt, Kirschbäume zu fällen, weil sie das Fallobst nervt. Zwischen einer der Häuserreihen im Bereich des Römer- bis Keltenwegs gibt es aktuell elf Kirschbäume - allesamt vital und verkehrssicher stehend, wie die Ortsbesichtigung mit einer Baumsachverständigen ergab. Dennoch wollte das Rathaus nach Lösungen suchen, um die Belastung der Anwohner zu reduzieren. So hätten die Bewohner vorgeschlagen, die Kronen der Bäume einzukürzen. Doch an der Breite verändere sich dadurch wenig. Auch ein Rückschnitt bringe nichts, denn dann treiben die Bäume stark aus und es gibt noch mehr Kirschen - essbare übrigens. Würden Äste gekappt, dann ginge der Baum über kurz oder lang ganz kaputt. Was selbstredend ausscheidet.

Denkbar wäre laut Verwaltung, Fallobstnetze anzubringen oder einen Baumschüttler einzusetzen. Dabei handelt es sich um ein Gerät, das in der Landwirtschaft genutzt wird und bewirkt, dass sich das Fallobst gesammelter und schneller aus der Krone löst. Diese Möglichkeit wurde jedoch wegen des Aufwands und der Notwendigkeit, die Maßnahme innerhalb einer Saison mehrfach zu wiederholen, nicht weiter verfolgt, wie Stefan Kammermeier vom Umweltamt berichtete. Nach eingehender Diskussion votierte der Ausschuss schließlich für den Erhalt der Kirschbäume und riet Anwohnern, das Obst zu ernten.

© SZ vom 21.09.2020

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