Unterföhring Erste Hilfe auf Instagram

Notfallsanitäter Philipp Stehling zeigt in seinen Videos, wie es geht und erreicht damit Hunderttausende im Netz

Von Sabine Wejsada, Unterföhring

Bei einem Notfall muss alles schnell gehen. Der Rettungswagen ist in der Regel erst in zehn Minuten am Ort des Geschehens. Hätte ein Patient einen Herzstillstand, wäre er da schon tot. Aus diesem Grund sind die Betroffenen auf Erste Hilfe angewiesen - und wie man die richtig leistet, das will Notfallsanitäter Philipp Stehling zeigen: So hätten zwar viele Menschen die erforderlichen Maßnahmen noch im Kopf, sagt der 25-Jährige, aber in den meisten Fällen sei das Einüben schon ganz schön lang her. Nicht selten stammt der Erste-Hilfe-Kurs aus der Zeit vor der Führerscheinprüfung. Er habe jedenfalls die Erfahrung gemacht, dass viele nicht wissen, wann und wie genau die Maßnahmen angewendet werden müssen.

Stehling gibt deswegen Hilfestellung, und das im Netz. Im vergangenen Juni hat er einen Instagram-Account gestartet und begonnen, auf diesem Videos hochzuladen, im Herbst folgte ein Youtube-Kanal. Ihm gehe es darum, vor allem einem jungen Publikum die Maßnahmen der Ersten Hilfe und auch verschiedene Gesundheitsthemen nahezubringen, sagt der Notfallsanitäter. Stehling ist in Lauterbach bei Fulda daheim und hat mit Pro Sieben Sat 1 in Unterföhring einen Partner gefunden. Henning Mielke, der in dem Unternehmen die Abteilung Neue Medien leitet, ist per Zufall auf Stehlings Clips aufmerksam geworden und managt ihn und seinen Kompagnon Thomas Schmidt nun. Der 19-Jährige ist Stehlings Kameramann. Die Videos sind zwischen drei und vier Minuten lang - und haben mittlerweile mehr als 25 000 Follower und bis zu 300 000 Views.

Keine Scheu vor der Herzmassage, will Philipp Stehling vermitteln.

(Foto: Privat)

Die Interaktivität sei enorm hoch, sagt Stehling und freut sich darüber, "dass sich die jüngere Generation offenbar sehr für Erste Hilfe interessiert". Einen analogen Kurs sollen die Videos freilich nicht ersetzen. Dennoch können sie im Ernstfall eine große Hilfe sein, davon sind Stehling und Schmidt überzeugt. Unterstützt werden die beiden in ihrem Bestreben vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, ebenso vom Verein Deutscher Rat für Wiederbelebung. Zur Seite stehen darüber hinaus zwei Mediziner. Für die Videos gilt laut Stehling ein Haftungsausschluss.

Der Notfallsanitäter zeigt im Netz neben Maßnahmen zur Ersten Hilfe aber auch ganz banale Tipps und Tricks, wie der Mensch gesund bleiben oder werden kann: Zu Beispiel wie man nach einer zu feucht-fröhlichen Silvesterfeier den Kater bekämpfen kann oder was bei einer Erkältung helfen könnte. Darüber hinaus wird erklärt, wie etwa ein Blutdruckmessgerät funktioniert oder was bei einem Asthmaanfall zu tun ist. Auf Instagram lassen sich an die 70 Videos finden; alle drei bis vier Tage laden Stehling und Schmidt einen Film hoch. Gedreht wird auch mal in Mailand, Madrid oder London. Ein- bis zweimal pro Woche gibt es Livestreams, in den Fragen beantwortet werden. Und wenn es geht, dann setzen Stehling und Schmidt Vorschläge von Followern um. Ziel ihrer Anstrengungen, die sich unter dem Motto "Erste Hilfe 2.0" zusammenfassen lassen, ist es, dass sich Menschen trauen zu helfen. Viele hätten im Notfall große Angst, etwas falsch zu machen, sagt Stehling. Dabei gibt es nur eines, dass seinen Worten zufolge ein jeder unterlassen muss: nicht zu helfen. "Denn dann ist ohne Reanimation alles aus."

Videos gibt es jeweils unter pstehling auf Instagram und auf YouTube.