Unterföhring Ende einer losen Gemeinschaft

Zu ihrem ersten Vorsitzenden wählten die Mitglieder auf der Gründungsversammlung Thomas Weingärtner.

(Foto: Peljak)

Aus dem Asyl-Helferkreis in Unterföhring wird ein eingetragener Verein - Thomas Weingärtner erklärt warum

interview Von Sabine Wejsada, Unterföhring

Mehr als 230 Ehrenamtliche engagieren sich in Unterföhring für Flüchtlinge. Nun ist aus dem Helferkreis ein eingetragener Verein geworden. An dessen Spitze stehen Vorsitzender Thomas Weingärtner und seine Stellvertreterin Susanne Skuballa. Weingärtner erklärt die Gründe für die Vereinsgründung.

SZ: Ist der eingetragene Verein "Gemeinsam für Flüchtlinge - Helferkreis Unterföhring" der erste seiner Art im Landkreis?

Thomas Weingärtner: Nein, wir sind nicht der erste, der als Verein eingetragen ist, es gibt schon andere. Der Vorschlag zur Vereinsgründung kam vom Landratsamt. Auch die Gemeindeverwaltung war dafür, dass wird uns als Verein positionieren.

Warum haben Sie sich zur Vereinsgründung entschlossen?

Bei uns im Helferkreis ist in den vergangenen beiden Jahren die Überzeugung gereift, den Helferkreis in Form eines eingetragenen Vereins fortzusetzen. Da wir ursprünglich als lose Gemeinschaft unter dem Dach der Gemeinde agierten, was zunächst als Vorteil erschien, zeigte sich in verschiedenen Bereichen die Umsetzung in der Praxis als schwierig, zum Beispiel im Bereich der Spendeneingänge. Der Abruf von Mitteln kann nun schneller und flexibler erfolgen. Wir haben bewusst einen kleinen Kreis als Vorstand gewählt, um schnell Entscheidungen herbeiführen zu können, was in unserem Arbeitsbereich unabdingbar ist. Außerdem hat der Verein als eigenständige Organisation eine bessere Außenwirkung, da der Helferkreis sich nun einreihen kann in die bestehenden sozialen Vereinigungen Unterföhrings, die ebenfalls eigenständig agieren. Ein wichtiger Punkt der Vereinsgründung war die Haftungsfrage des Vorstandes beziehungsweise der Sprecher, die im Fall eines Vorfalles ohne Verein mit ihrem Privatvermögen zu haften hätten.

Sie sagen, man erhoffe sich durch die Vereinsgründung, noch rascher agieren zu können. Wie soll das aussehen?

Bei der An- und Beschaffung von zum Beispiel Lehrmaterial erfolgt die Abstimmung nur noch über den Vorstand. Außerdem kann der Verein nach Bedarf selbst darüber entscheiden, ob und in welchem Umfang Kräfte benötigt werden, die nicht nur ehrenamtlich tätig sein können, etwa Übungsleiter für den Bereich Sport. Auch könnten in der Zukunft weitere Koordinatoren benötigt werden, die derzeit auf ehrenamtlicher Basis die für den Helferkreis unersetzliche Tätigkeit in der Einrichtung leisten. Die Entwicklung wird zeigen, ob entsprechender Bedarf entstehen wird.

Üblicherweise erhebt ein Verein Mitgliedsbeiträge. Soll es diese auch bei Ihnen geben? Oder ist nicht allein der Einsatz der ehrenamtlichen Helfer Beitrag genug?

Gemäß Satzung entscheidet der Vorstand über die Höhe der zu entrichtenden Beiträge. Der neu gewählte Vorstand ist sich bereits darüber einig, dass die Mitglieder beitragsfrei gestellt werden, da davon ausgegangen wird, dass sie sich aktiv einbringen werden und somit ein Beitrag für den Helferkreis geleistet wird. Zudem sollen Mitglieder nicht anders gestellt werden als jene Helferinnen und Helfer, die den Helferkreis ohne Mitgliedschaft unterstützen wollen. Der Beitrag für die fördernden Mitglieder muss noch festgelegt werden.

Wie erklären Sie sich, dass zur Vereinsgründung nur gut 30 Personen gekommen sind, der Helferkreis aber mehr als 230 Ehrenamtliche zählt?

Es lagen in etwa so viele Entschuldigungen vor, wie Anwesende vor Ort waren: Viele Helfende waren verreist oder erkrankt. Diese Zahl entspricht insgesamt somit nicht dem Stand der permanent Aktiven im Helferkreis. Im nächsten Schritt werden alle gemeldeten Helferinnen und Helfer angeschrieben und erhalten einen Aufnahmeantrag. Es wird aber weiterhin auch möglich sein, den Helferkreis ohne Vereinsmitgliedschaft unterstützen zu können. Einige Helfer wollen beispielsweise aktiv tätig sein, aber keine Mitgliedsrechte erwerben. Somit wird sich in der nahen Zukunft zeigen, wie viele Helfende sich in Form einer Mitgliedschaft einbinden wollen und welche den Kreis durch die ebenfalls möglichen und gewünschten reinen Hilfestellungen unterstützen werden. Dadurch erklärt sich auch das unterschiedliche Interesse an der Vereinsgründung, da viele einfach "nur" helfen wollen. Was übrigens von allen Seiten gerne auch so akzeptiert wird. Der Verein soll ja vor allem als Dachverband dienen, unter dem Hilfe schlicht leichter organisiert werden kann.