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Umweltschutz:Lichte Kronen

Der aktuelle Waldzustandsbericht zeigt: Auch wenn es den Bäumen im Landkreis München noch verhältnismäßig gut geht, ist die Lage so ernst wie nie

Von Andreas Teodoru, Landkreis

Der 21. März ist offiziell der Internationale Tag des Waldes. Schon seit 1971 soll dieser auf die Bedeutung und Bedrohung der Wälder aufmerksam machen. Feiern wird man den Thementag dieses Jahr nicht: Den Wäldern in Deutschland geht es so schlecht wie nie. Das geht aus der Waldzustandserhebung 2020 hervor, die seit 1984 alle drei Jahre erscheint. In jährlichen systematischen Stichproben wird der Kronenzustand der Wälder bestimmt und diese Kronen werden immer lichter. Dieses Jahr ist es das schlechteste Ergebnis seit Beginn der Erhebung. Nur 21 Prozent der Bäume in Deutschland verfügt über eine gesunde Baumkrone.

Dabei geht es den Wäldern auf der Münchner Schotterebene noch gut, sagt Manfred Siering, stellvertretender Vorsitzender der Kreisgruppe München des Bundes Naturschutz: "Hier gibt es doch mehr Niederschläge als in Nordbayern, deshalb ist es mit der Trockenheit nicht ganz so schlimm." Stattdessen sei im Landkreis aber die geringe Humusauflage ein Problem, weil die flach wurzelnde Fichte darauf keinen festen Stand finde und anfälliger gegen Dürre und Borkenkäfer sei.

Auch die Buchen kränkeln: "Gerade an Waldrändern oder nach einem Baumschnitt in der Innenstadt neigen die Buchen bei hohen Temperaturen zu Sonnenbrand am Stamm. Darüber dringen dann leichter Pilzsporen ein und sie sterben nach einigen Jahren." Durch die gestiegenen Temperaturen würden viele Buchen nicht mehr ihr normales Lebensalter erreichen. "Als dritter großer Schaden ist das Eschentriebssterben zu nennen, vor allem in den Auwäldern. Jede zweite Esche ist bereits stark gefährdet", sagt Manfred Siering. Die bundesweiten Wälder umfassen etwa 11,4 Millionen Hektar, das entspricht einem Drittel der Landesfläche. Davon sind die häufigsten Baumarten Fichte (25 Prozent) und Kiefer (23 ), gefolgt von Buche (16) und Eiche (11). Im Landkreis München kümmert sich das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ebersberg um 50 000 Hektar. Bei Fichte und Buche wurden in der Waldstudie die deutlichsten Verluste von Laub oder Nadeln in den Baumkronen festgestellt. Von allen Baumarten leiden im Durchschnitt 37 Prozent an einer deutlichen Kronenverlichtung, 42 Prozent werden als gefährdet eingestuft. Das ist in Bayern kaum anders, im Norden mehr als im Süden. Schuld daran sind unter anderem die anhaltende Trockenheit zwischen 2018 und 2020, die zu vorzeitigem Verlust der Blätter führte und die Fichte gegen Borkenkäferbefall schwächte. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Rate abgestorbener Bäume gestiegen, vor allem bei alten Wäldern. An der Kronenverlichtung, also dem Umstand, wie gut eine Baumkrone bewachsen ist, kann die Vitalität des ganzen Baumes und die der umstehenden bestimmt werden. Sie beschreibt, wie dicht, groß und verfärbt Blätter und Nadeln in der Baumkrone sind. Verglichen wird mit voll benadelten beziehungsweise belaubten Bäumen der jeweiligen Art. Auf Basis der Ergebnisse der Waldzustandserhebung sollen Veränderungen erkannt, Risiken bewertet und forst- und umweltpolitische Entscheidungen zum Schutz des Waldes getroffen werden können. Durch den Klimawandel werden die Wälder stark geschwächt. Die Anfälligkeit für Schädlinge und Umweltschäden etwa durch Stürme, die als Folge des Klimawandels häufiger auftreten werden, steigt.

© SZ vom 20.03.2021
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