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Taufkirchen:Von den Jungen lernen

Die Jugendlichen sind den Umgang mit moderner Technik gewohnt. Das will die Volkshochschule nutzen.

(Foto: Claus Schunk)

Die Volkshochschule Taufkirchen engagiert Schüler als Digital-Coaches für Senioren

Horst Blumenthal kramt in der Tasche seines Parkas und legt stolz sein iPhone 8 auf den grauen Tisch, denn der Pensionist hat sich vor sechs Monaten eines der derzeit neuesten Modelle auf dem Smartphone-Markt zugelegt. Er möchte die App "Fotos" öffnen, verwechselt aber das bunte Icon auf dem kleinen Bildschirm und drückt stattdessen mit dem Zeigefinger auf die Taschenrechner-Funktion. Das Mädchen ihm gegenüber lacht, nimmt das Smartphone in die Hand und tippt gekonnt mit ihren manikürten Fingern auf dem Bildschirm herum. Denn die 17 Jahre alte Zoe Dudek ist Smartphone-Beraterin beim Digi-Day der Volkshochschule Taufkirchen.

"Ob man will oder nicht, die Digitalisierung macht auch vor uns als Bildungsinstitut nicht halt. Wir müssen lernen, damit umzugehen", sagt Silvia Engelhardt bei ihrer Rede am Samstag und lächelt ihre Gäste an. Die Leiterin der Volkshochschule Taufkirchen bemüht sich seit Jahren um ein Programm, in dem Kurse zur Einführung und Weiterbildung in Sachen Smartphones und Tablets an der Tagesordnung sind. Auch der thematische Schwerpunkt des laufenden Semesters liegt auf dem Digitalen. Was ist die VHS-Cloud, inwieweit wird künstliche Intelligenz meine Zukunft beeinflussen und wie schütze ich mich vor Internetkriminalität? Drei große Vorträge gibt es am Digi-Day und besonders letzterer von Tom Weinert ist bis zum letzten Platz besetzt. Der Ansprechpartner für Mediensicherheit im Polizeipräsidium München erklärt, auf welchen Homepages man potenzielle Viren überprüfen kann, wie ein sicheres Passwort aussieht und wie viel Geld ein gut gefüllter Facebook-Account der amerikanischen Wirtschaft einbringt. Seinem Publikum will er vor allem eines vermitteln: "Sie öffnen sehr schnell ihren Privatsphärenkreis, zum Beispiel wenn Sie sich in ein öffentliches Wlan einloggen. Und auch wenn Sie es nicht tun: Die Welt ist fies, man kann immer gehackt werden. Dessen müssen Sie sich bewusst sein", betont der Polizist.

Ein Stockwerk tiefer spuckt der vor einem Jahr angeschaffte 3-D-Drucker gerade eine grellgrüne Pokémon-Figur nach der anderen aus. Für die anwesenden Jugendlichen aus der Gemeinde allerdings ist das nichts Neues, sie kennen den Drucker und auch die angebotenen Virtual-Reality-Brillen schon aus diversen Schulprojekten und drucken sich teilweise sogar ihre Lernmaterialien für den Chemieunterricht selbst.

Eben diesen gekonnten Umgang der Schüler mit der Digitalisierung will Engelhardt nutzen. Ihre Idee war es, gemeinsam mit der Sozialen Stadt Jugendliche zu fragen, ob sie den älteren Mitbürgern Nachhilfe in Sachen Smartphone und Computer geben könnten. "Generationsübergreifende Projekte sind wichtig für eine Gemeinde. Ich kann mir sogar vorstellen, dass die Hilfe, die hier angeboten wird, entspannter sein könnte als innerhalb der Familien. Da verliert man ja doch manchmal schnell die Geduld", sagt die Taufkirchnerin und schmunzelt.

Geduld, die hat Zoe. Inzwischen weiß ihr Sorgenkind, oder vielmehr Sorgensenior, wie man nicht alle über Whatsapp empfangenen Fotos automatisch speichert. Das habe ihn nämlich schon seit Monaten gestört. Anschließend haben die beiden noch nach einem alternativen Telefonanbieter für Blumenthal gesucht und jetzt gerade erklärt die Elftklässlerin, wie man über das Internet günstig ins Ausland telefonieren kann. Der Pensionist rückt seine Brille zurecht, runzelt die Stirn und folgt aufmerksam Zoes Erklärungen. Denn bisher hat er sich alles selbst beigebracht, mit mäßigem Erfolg: "Ich habe mir über Amazon ein Buch zur Bedienung von iPhones gekauft. Aber es hat über 100 Seiten und schon bei Seite 17 bin ich verzweifelt mit dem Ding", erzählt der Taufkirchner.

Die Idee der Volkshochschule, eventuell monatliche Smartphone-Nachhilfe durch Jugendliche anzubieten, gefällt ihm. "Es ist ein schönes Konzept. Schließlich sind wir in meiner Generation alle digitale Analphabeten. Ihr beherrscht das hier perfekt, aber ich bekomme ja nicht einmal eine richtige Betriebsanleitung zu meinem neuen Handy, da fühlt man sich schon sehr überholt", sagt er zu Zoe und schüttelt den Kopf.