Taufkirchen:Hausaufgaben für den Architekten

Bauausschuss formuliert Wünsche für neues Wohnquartier am Dorfanger

Von Patrik Stäbler, Taufkirchen

An einer der schönsten Ecken Taufkirchens werden Wohnungen gebaut - das hat der Gemeinderat schon vor Jahren beschlossen. Allein wie dieses Quartier westlich der Dorfstraße und nördlich des Winninger Wegs einmal aussehen soll, darüber hat sich der Bauausschuss auch im zweiten Anlauf nicht einigen können. Vielmehr gab das Gremium Architekt Robert Wieser - wie schon in der April-Sitzung - etliche Wünsche und Anregungen mit. Oder wie es Bürgermeister Ullrich Sander (parteifrei) ausdrückte: "Wir wollen noch mehr Hausaufgabenerledigung sehen."

Gemäß Wiesers Entwurf sollen dort, wo sich aktuell eine Wiese hinter einer Lindenallee erstreckt, Wohnungen entstehen - und zwar in drei rechtwinkligen, zweigeschossigen Häusern mit Satteldach entlang der Dorfstraße, gefolgt von vier länglichen Gebäuden parallel zum Entenbach. Dieser soll im Zuge des Bauvorhabens renaturiert und aufgewertet werden. "Dieser mit Wasser gefüllte Graben wird ein Leben bekommen und erreichbar werden", sagte Landschaftsarchitektin Gunhild Brandhoff. Ihr zufolge könnten dort Sitzfelsen und Wasserbausteine errichtet werden; zudem seien zwischen den Gebäuden Streuobstwiesen und Gemeinschaftsgärten angedacht.

All diesen Ideen gegenüber zeigten sich die Mitglieder des Bauausschusses aufgeschlossen - "aber dazu braucht man Platz", fasste Jutta Henkel den Hauptkritikpunkt zusammen. So beanstandeten sowohl ihre Grünen als auch die CSU in seltener Eintracht die hohe Dichte der geplanten Bebauung. "Wir hätten gerne mehr Freiraum zwischen den Gebäuden", sagte Paul Haberl (CSU). Und Gabi Zaglauer-Swoboda (Grüne) warnte vor einer "Schlucht an der Dorfstraße - das hat dann nichts Dörfliches mehr". Darüber hinaus regten mehrere Ausschussmitglieder an, hinter der Lindenallee einen Weg für Fußgänger und Radfahrende anzulegen, anstatt diese durch das Wohngebiet zu leiten. Bei der Frage nach der Höhe der Gebäude gingen die Meinungen derweil auseinander. So argumentierte Peter Hofbauer (Freie Wähler): "Wenn man hier etwas versiegelt, sollte man auch ein gewisses Maß rausholen - und dann muss man in die Höhe bauen." Unterdessen gab Jutta Henkel zu bedenken, dass der entstehende Wohnraum aufgrund der "Filetlage" ohnehin so teuer werde, "dass er für große Teile der Gesellschaft nicht geeignet ist". Worauf Bürgermeister Sander erwiderte: "Ich bin nicht böse drum, wenn wir hier ein einkommensstarkes Klientel herbekommen."

Nach längerer Debatte formulierte der Ausschuss eine Wunschliste, die Architekt Robert Wieser in sein Konzept einarbeiten soll. Dieses wird dem Gremium dann erneut präsentiert, ehe es an die Erstellung des Bebauungsplans geht. Dass auf diesem Grundstück überhaupt Wohnraum entsteht, liegt an einem Vertrag, den das Rathaus schon vor Jahren mit dem Besitzer abgeschlossen hat. Demnach ermöglicht die Gemeinde eine Bebauung des Geländes und kann dafür im Gegenzug das gegenüberliegende Areal südlich des Winninger Wegs erwerben, das dereinst für eine Erweiterung der Dorfschule benötigt werden könnte. Allerdings wird der Vertrag erst wirksam, wenn auf der Nordseite gebaut werden darf.

© SZ vom 27.07.2021
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