bedeckt München 14°

SZ-Serie: Lichtblicke, Folge 10:Konzerte für die Augen

Auch das Bürgerhaus Unterföhring bringt Robert Risinger zum Leuchten.

(Foto: Edeltraud Obermayr)

Der Ismaninger Robert Risinger und seine Mitstreiter vom Verein "Licht und Kunst" verleihen Bauwerken und Orten mithilfe von Scheinwerfern eine besondere Atmosphäre.

Von Irmengard Gnau, Ismaning

Mit Licht kennt sich Robert Risinger aus. Einst richtete der Ismaninger beruflich Fernsehstudios mit der richtigen Beleuchtung ein, fügte Scheinwerfer und Strahler zusammen für die Aufnahme. Heute vertreibt er ausgefallene Design- und Geschenkartikel. Vorausgesetzt, er tüftelt nicht gerade an einer neuen Idee. Angefangen hat alles mit dem Wasserturm. Vor etwa 15 Jahren, erzählt Risinger, habe er gedacht, man müsse das Ismaninger Wahrzeichen einmal so richtig in Szene setzen und beleuchten. In seiner Partnerin, der Grafikdesignerin Edeltraud Obermayr, fand er eine Mitstreiterin, dank seiner guten Kontakte in die Beleuchterszene auch die richtigen Werkzeuge, um die Idee in die Tat umzusetzen. Bei den Offenen Ateliertagen der Gemeinde 2005 erstrahlte der Wasserturm im Lichte zweier farbiger und eines beweglichen Scheinwerfers so eindrucksvoll, dass viele Passanten stehen blieben. Es war die Geburtsstunde des Vereins "Licht und Kunst", der sich vorgenommen hat, "die Welt ein Stück schöner zu machen", wie es auf der Homepage heißt.

Seither haben Risinger, Obermayr und ihre Kollegen Michaela Stemmer, Stephan Wahler und Dieter Lukas viel Licht nach Ismaning gebracht. Schloss und Schlosspark illuminierten sie, den Innenhof der Kirche Sankt Johann Baptist verwandelten sie in ein Farbenmeer. Von der VHS bis zum Tennisklub gibt es kaum eine örtliche Institution, die sich nicht schon einmal eine Feier hat verschönern lassen. Die wohl größte und denkwürdigste Veranstaltung liegt schon einige Jahre zurück. 2007 veranstaltete Risinger "Ismaning leuchtet": Am Eisweiher installierte er mit seinen Vereinskollegen rund um den See mehr als hundert Scheinwerfer und Strahler, verlegte etwa acht Kilometer Kabel, brachte am Ufer Lichtstäbe und Lichtbuchstaben an und lud ein Wochenende lang zu einem Lichtfestival. Etwa 5000 Besucher kamen, von der Stimmung ist noch heute in Ismaning die Rede.

Dass die Menschen so zufrieden waren, war der Effekt der kunstvollen Beleuchtung, ist Risinger überzeugt. "Licht ist wie Musik", sagt er. "Es geht in den Körper hinein. Ein harmonisches Lichtarrangement geht über die Augen direkt ins Herz. Grelles Licht hingegen, zum Beispiel eine Straßenlaterne, die blendet, ist wie eine Geige, die quietscht." Für ihre Veranstaltungen achten die Lichtkünstler daher darauf, Störlichter so weit wie möglich auszuschalten. Im Zweifelsfall verhandelt Risinger auch einmal mit der Gemeinde, ob helle Umgebungslichter nicht für einen Abend gedimmt werden können. "Erst die Summe des Ganzen macht die perfekte Stimmung", sagt Risinger. "Wie bei einem Konzert auch." Im Idealfall ist die Beleuchtung selbst dabei nur Nebendarstellerin, die Räume oder Objekte in Szene setzt.

Um Säle oder ganze Gebäude gelungen zu beleuchten, bereitet sich Risinger oft wochenlang vor. "Man muss sich mit einem Ort auseinandersetzen, um seine Eigenheiten zu entdecken", sagt er. Welche Effekte heben den Charakter eines Feuerwehrgerätehauses hervor? Wie kommt in einer architektonisch eher funktionalen Umgebung wie einer Turnhalle Weihnachtsstimmung auf? All das erkundet Risinger im Vorfeld. Geht sein Plan auf, setzt am Ende Blaulicht Akzente, wie 2013 auf das Gerätehaus der Freisinger Feuerwehr zu deren 40-jährigem Bestehen; die Fenster des Gebäudes ließ Risinger damals mit 180 selbst gebauten Lichtstäben in verschiedenen Farbtönen erstrahlen.

© SZ vom 11.12.2020
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema