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SZ-Serie "In den Startlöchen":Familiensache

Nico Paufler

Nico Paufler mag den Kanusport, weil es in den Vereinen familiär zugeht und weil er viel in der Welt herumkommt.

(Foto: lukasbarth.com)

Nico Paufler zählt zu den besten Nachwuchs-Kanuten Deutschlands. Mal tritt er allein an, mal im Team und manchmal kämpft er gegen seine Cousins.

Das Paddel sticht ins Wasser, erst rechts, dann links, und gleich wieder rechts. Wie ein Aal gleitet das Kanu über die sonst stille Oberfläche, entfernt sich immer weiter vom Steg der Oberschleißheimer Regattastrecke und wird immer schneller. "Das Schwierigste ist, trotzdem noch konzentriert zu bleiben, auch wenn man irgendwann nicht mehr kann", sagt Nico Paufler. Er ist einer der begabtesten jungen Kanuten Deutschlands - mit 18 Jahren hat er bereits verschiedenste Auszeichnungen erkämpft, darunter erste Plätze bei Deutschen Meisterschaften und im vergangenen Jahr wurde er bei der WM im Kanuwildwasser sogar zum Weltmeister der Junioren gekürt.

"Das erste Mal saß ich mit fünf Jahren im Boot meiner Eltern", erzählt Paufler. "Im Urlaub oder auch hier auf der Regattastrecke wurde ich als Kind oft im Kanu mitgenommen." Schnell ist er dann, wie auch seine Eltern, professionell in den Sport eingestiegen, von seinem Vater Marco wird Paufler seit dem 11. Lebensjahr in mittlerweile drei Disziplinen trainiert: Rennsport, Wildwasser und Marathon.

Begonnen hat seine Karriere dabei mit der Ältesten der Wettkampfdisziplinen des Kanusports - dem Rennsport. Dabei entscheiden besonders Schnelligkeit, Koordination und Kraft darüber, welcher Kanute als Erster die Ziellinie überquert. Bald darauf stürzte Paufler sich auch in das Wildwasser der umliegenden Berge. "Den Weg durch die Wellen zu finden, das war eine neue Herausforderung", sagt er, "man braucht ein ganz anderes Gefühl dafür."

Neben der Renn- und Wildwasserdisziplin hat Paufler mit 14 Jahren dann den Marathon, bei dem auf Distanz Schnelligkeit und Ausdauer an den Tag gelegt werden müssen, in sein Training aufgenommen. Alles drei zusammen sei eine gute Abwechslung, sagt er. Allerdings bringen drei verschiedene Disziplinen nicht nur eine Vielfalt mit sich, sondern erfordern auch großen Zeitaufwand: Sechs mal pro Woche muss Paufler mittlerweile in mehreren Einheiten pro Tag trainieren. Besonders während der Schule war das ein Seiltanz zwischen Ausbildung und Sport. Vor seinem Abitur dieses Jahr habe er dennoch stets versucht, zumindest immer zwei der drei Disziplinen täglich zu trainieren.

Nico Paufler

Nico Paufler trainiert mehrmals am Tag.

(Foto: lukasbarth.com)

Um Erfolge zu erzielen, wird allerdings nicht nur auf dem Wasser geübt, sondern auch zu Hause. "Schnelligkeit trainiere ich zum Beispiel im Kraftraum, in dem ich Übungen mit kleinen Gewichten schnell wiederhole", erklärt der junge Sportler. Auch Ausdauer und Kraft trainiere er viel an Land.

In der Saison, die für gewöhnlich von Mai bis August andauert, tritt Paufler jede zweite Woche bei einem anderen Wettkampf an, als Einzelkämpfer oder auch im Team bei Marathonrennen. Wer sich dafür zusammen in einem Boot wiederfindet, das wird meist danach entschieden, welcher Sportler sich individuell wofür qualifiziert hat. So kann es sein, dass Paufler nicht mit Trainingskameraden aus seinem Oberschleißheimer Verein Kanu-Gemeinschaft München antritt, sondern mit unbekannten Kollegen in einem Boot sitzt. "Es ist aber wie eine große Familie in den Vereinen selbst und auch zwischen den Vereinen", sagt Paufler. In den letzten Tagen vor dem jeweiligen Wettkampf werde deshalb reibungslos das Zusammenspiel in gesonderten Trainingslagern abgestimmt.

Dieser Aspekt, immer neue Leute bei den Wettkämpfen kennenzulernen, gefällt Paufler an seinem Sport. Selbst internationale Sportler treffe man bei weltweiten Events immer wieder, und "man kommt dadurch auch viel in der Welt herum", sagt er. So erkämpfte er sich seinen Weltmeistertitel beispielsweise in Amerika.

Tritt er international an, dann ist jedoch nicht nur die Neugierde im Gepäck. Sobald sich Kameras aufs Wasser richten, "ist das noch mal ein ganz besonderes Gefühl", sagt der junge Kanute. Für seine Oma sind die Kameras ein Vorteil, sie fiebert bei jedem Wettkampf zu Hause vor dem Fernseher mit. Nur wenn der 18-Jährige gegen seine Cousins, auch aktive Kanuten und in der gleichen Altersklasse, kämpfen muss, hat die Oma ein Problem - schließlich kann sie ja nicht nur für einen ihrer Enkel die Daumen drücken.

© SZ vom 19.08.2016/hilb
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