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Streit um Firmenansiedlung:Nachbarn vor Gericht

Der Bauzaun steht, die Zufahrtstraße ist da: Die Arbeiten am neuen Gewerbegebiet in Keferloh laufen. Nun hat der Haarer Gemeinderat beschlossen, die Baugenehmigung anzufechten..

(Foto: Claus Schunk)

Die Gemeinde Haar versucht mit einer Klage gegen die Baugenehmigung für eine Druckerei das Gewerbegebiet in Keferloh noch zu verhindern. Grasbrunns Bürgermeister räumt dem Vorstoß geringe Chancen ein

Von Anna-Maria Salmen, Haar

Die Grasbrunner Pläne für ein Gewerbegebiet an der B 471 im Ortsteil Keferloh stoßen in der Nachbargemeinde Haar weiterhin auf massiven Widerstand: In seiner jüngsten Sitzung am Dienstagabend hat der Haarer Gemeinderat mit 16 zu elf Stimmen beschlossen, Klage gegen die vom Landratsamt München erteilte Baugenehmigung für eine auf dem Gelände geplante Digitaldruckerei einzulegen. Damit sollen die Gewerbepläne in letzter Minute noch gestoppt werden.

Grasbrunn verfolgt klare, aus eigener Sicht vollkommen nachvollziehbare Ziele: Es sollen ortsnah Arbeitsplätze entstehen, eine Neuansiedlung von gewerblichen Betrieben will man ermöglichen, denen bisher aufgrund des fehlenden Angebots keine Perspektive geboten werden konnte - dies soll mit dem neuen Gewerbegebiet in Keferloh gelingen. In Haar stößt das Vorhaben jedoch seit Bekanntwerden vor Jahren schon auf heftigen Widerstand. SPD und CSU waren sich schnell einig, dass eine schützenswerte Kulturlandschaft erhalten werden müsse. Die "Rodungsinsel" Keferloh dürfe als historisch bedeutsamer Ort mit seiner romanischen Kirche St. Aegidius nicht weiter zerstört werden. Schon das, was sich heute dort an Gewerbe dort befindet, hält mancher in Haar für einen Frevel.

Da das Gewerbegebiet direkt an der Ostseite der B471 liegt, rechnet man in Haar zudem mit einer starken Verkehrszunahme. Die Rathausverwaltung schätzt, dass mindestens 1800 zusätzliche Fahrzeugen am Tag unterwegs sein werden, was zu Wartezeiten von fünf bis zehn Minuten an den Ampeln in der Vockestraße und in der Grasbrunner Straße führen würde. Die Auswirkungen des Gewerbegebiets auf den Verkehr habe Grasbrunn in seinen Planungen nicht ausreichend untersucht, bemängelt das Haarer Rathaus.

Insbesondere der landschaftliche Aspekt des Vorhabens bereitet dort Sorgen: Die Gegend rund um Keferloh und den angrenzenden Waldstücken nutzen viele Haarer zur Naherholung. An Sonntagen sind dort viele Spaziergänger aus dem angrenzenden Jagdfeld-Wohngebiet unterwegs. Die Ansiedlung von Unternehmen und der Bau einer großen Druckerei mit Lager, Versand, Büroräumen und Nebenanlagen stelle einen massiven Eingriff in die Landschaft dar, so die Argumentation. Zudem befürchtet man in Haar, dass sich der Grasbrunner Ortsteil Keferloh bis zur eigenen Gemeindegrenze ausdehnen könnte. Die beiden Kommunen würden somit zusammenwachsen, dies verstoße gegen Vorgaben der Landes- und Regionalplanung, eine Zersiedelung zu vermeiden.

Im vergangenen Dezember hat der Gemeinderat schon beschlossen, den Bedenken Nachdruck zu verleihen und Normenkontrollklage einzulegen. Während damals SPD und Grüne die Erfolgsaussichten gering einschätzten und aus Sorge um das nachbarschaftliche Verhältnis gegen den juristischen Weg stimmten, reichte den Befürwortern eine Zufallsmehrheit aus CSU und FDP. In der Zwischenzeit hat jedoch das Landratsamt den Grasbrunnern eine Baugenehmigung für die Digitaldruckerei erteilt - die Normenkontrollklage erlischt somit. Aufgeben will die Mehrheit der Haarer Kommunalpolitiker jedoch nicht, sie entschlossen sich dazu, eine neue Klage gegen die Baugenehmigung des Landratsamts einzulegen.

Grasbrunns Bürgermeister Klaus Korneder (SPD) ist eigener Aussage nach nicht überrascht über die erneute Klage. "Dass wir da mit Haar unterschiedlicher Ansichten sind, ist nicht neu." Die Bedenken der Nachbargemeinde habe man in den Planungen durchaus ernst genommen: Die Bürgermeister hätten sich mehrfach darüber ausgetauscht, "wir haben die Belange der Gemeinde Haar intensiv berücksichtigt". Korneder verweist beispielsweise auf die intensive Eingrünung, die das Gewerbegebiet in Richtung Haar eingrenzen soll. Zudem soll im neuen Gewerbegebiet kein innenstadtrelevanter Handel angesiedelt sein. Man sei den Nachbarn bei der Planung entgegengekommen.

Aktuell hat der Grundstückseigentümer bereits mit kleineren Erdarbeiten auf dem Areal begonnen, wie Korneder berichtet. "Es gibt ja einen gültigen Bebauungsplan und eine Baugenehmigung, das ist also nicht verwerflich." Die Entscheidung über die erneute Klage der Haarer wird Korneder zufolge wohl rasch fallen.

© SZ vom 25.03.2021
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