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Straßlach-Dingharting:Klein, aber wohlhabend

Der Straßlacher Kämmerer blickt auf ein Rekordjahr zurück - und bleibt bescheiden

Wenn Franz Kurz, Kämmerer von Straßlach-Dingharting, von einem Rekordjahr spricht, dann muss man sich - bevor der Herr der Zahlen die Bilanz auf den Tisch legt - klarmachen, dass es sich hier um die Gemeinde des Landkreises München mit den wenigsten Einwohnern handelt. Mehr als drei Millionen Euro an Gewerbesteuer sind im vergangenen Jahr in die Gemeindekasse geflossen. Das ist sensationell für Straßlach-Dingharting. Mit 1,2 Millionen hatte Kurz gerechnet. Aber das liegt auch daran, dass er vorsichtig ist. Immer noch laufen Einspruchsverfahren von drei Unternehmen, die ihre Gewerbesteuermessbescheide angefochten haben. Dennoch ist der Gemeinderat zufrieden mit dem, was Kurz vorgelegt hat und gab ein einstimmiges Votum für das Zahlenwerk ab.

Der Verwaltungshaushalt umfasst insgesamt knapp 7,8 Millionen, der Vermögenshaushalt 4,4. An Gewerbesteuereinnahmen hat der Kämmerer nun abermals nur 1,5 Millionen eingeplant, mehr verspricht er sich aus der Einkommensteuer abzubekommen, nämlich knapp 2,9 Millionen Euro. Der größte Posten auf der Ausgabenseite sind die Personalkosten. Knapp 2,8 Millionen Euro gibt die Gemeinde für ihre Mitarbeiter aus, fast die Hälfte, nämlich 1,28 Millionen im Bereich Kinderbetreuung. Ein dicker Brocken ist mit fast 2,5 Millionen Euro die Kreisumlage. Sie ist um 250 000 Euro gestiegen, obwohl sich der Hebesatz nicht erhöht hat. Weil die Umlagekraft der Gemeinde gestiegen sei, gingen auch Abgaben an den Kreis nach oben, erläuterte der Kämmerer und erinnert an 2016, als Straßlach-Dingharting noch mit 1,9 Millionen Euro dabei war. Die kleine Gemeinde liegt damit zwar landkreisweit am unteren Ende aller Kommunen. Doch in Bezug auf die Einwohnerzahl steht Straßlach-Dingharting in dieser Auflistung wesentlich besser da. "Wir müssen uns nicht nachsagen lassen, dass wir am wenigsten zahlen", sagte Bürgermeister Hans Sienerth (parteifrei). Gestiegen ist auch der Verwaltungs- und Betriebsaufwand. 1,6 Millionen waren im vergangenen Jahr etwa für ihre Gebäude, für die Haltung der Fahrzeuge und Gastschulbeiträge fällig, diesmal sind fast 1,9 Millionen eingeplant.

Im Vermögenshaushalt schlägt vor allem die Erweiterung des Kindergartens Straßlach um zwei Gruppen zu Buche. 1,65 Millionen Euro wird das die Gemeinde kosten. Die Stauanlage am Deininger Weiher wird 338 000 Euro verschlingen, zudem müssen unter anderem in den Bauhof 224 000 Euro investiert werden. Finanziert werden soll das alles durch eine Entnahme von etwa 1,64 Millionen Euro aus den Rücklagen, einem Grundstücksverkauf, der 767 000 einbringen soll und einer Kreditaufnahme von einer Million Euro. "Wir hoffen allerdings, dass wir die nicht brauchen werden", sagte Kurz. Aus dem Verwaltungshaushalt fließen 122 700 Euro an den Vermögenshaushalt.

Derzeit hat Straßlach-Dingharting noch 5,5 Millionen Euro "Cash auf der Seite", wie der Kämmerer berichtete. Die Rücklagen werden bis Ende des Jahres abschmelzen, sodass die Gemeinde dann voraussichtlich noch knapp 3,7 Millionen auf der hohen Kante haben wird. Doch sieht der Kämmerer die Entwicklung in den kommenden Jahren positiv. Bis zum Jahr 2022 hofft er, die Rücklagen wieder auf 6,1 Millionen aufgestockt zu haben. Die Schulden hingegen sollen bis dahin von 3,0 auf 2,5 Millionen zurückgehen.

© SZ vom 07.02.2019

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