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Skulptur Mae West:Eine Sex-Göttin für München

1,5 Millionen Euro soll die Großskulptur "Mae West" kosten, die in der Nacht zum Sonntag am Effnerplatz zusammengesetzt wird. Zu viel? In München lästern sie schon über den "Eierbecher". Warum Kunst mitunter zu hitzigen Debatten führt.

Mitten in der Nacht von Samstag auf Sonntag bekommt München eine Sex-Göttin. Mae West wird dann auferstehen, als 52 Meter hohe Großskulptur aus karbonummantelten Stahlrohren am Effnerplatz. Nachts um 1.30 Uhr wird der Oberkörper auf den Unterleib gehoben, damit Arbeiter des städtischen Baureferats die beiden Teile miteinander verschrauben können. "Mae West", das Kunstwerk der amerikanischen Bildhauerin Rita McBride, ist damit nach einem guten Vierteljahr Bauzeit endlich fertig.

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Neues Wahrzeichen am Effnerplatz

Mae West

Am kommenden Wochenende, in der Nacht vom 29. auf den 30. Januar 2011, ist es soweit: Das Kunstobjekt "Mae West" am Münchner Effnerplatz wird fertig gestellt. Sie können live dabei sein.

1,54 Millionen Euro hat die Monumentalplastik gekostet, und viele werden sie schon wegen dieser hohen Summe nicht besonders sexy finden. Und überhaupt fühlen sich einige Kunstbetrachter weniger an die üppigen Kurven der berühmten Hollywood-Diva Mary Jane West, "Mae West" genannt, erinnert, sondern an sehr viel profanere Dinge: "Strickliesl" oder "Eierbecher" hat der Volksmund das Werk salopp getauft.

Mae West ist insofern ein nicht untypisches Beispiel für den Umgang mit "Kunst im öffentlichen Raum", wie der Begriff dafür in der Fachsprache lautet. Die Diskussion bewegt sich meist zwischen zwei Polen, die sich griffig in zwei Sätzen ausdrücken lassen: "Für so einen Schmarrn haben sie Geld", sagen die einen, "das ist Kunst, davon versteht Ihr nichts", die anderen. Irgendwo dazwischen bewegen sich die Politiker, meist mehr in Richtung Volkes Stimme.

So wäre auch Mae West beinahe noch an Münchens Oberbürgermeister Christian Ude gescheitert, der die ganze Sache als versierter Populist ziemlich überbezahlt fand und deshalb bei der entscheidenden Sitzung im Stadtrat auch gegen das Projekt gestimmt hat. Anders als in vorausgegangenen Fällen nutzte Ude aber diesmal seinen Einfluss nicht aus, um das Vorhaben ganz zu kippen. Das lag wohl daran, dass er sich zuvor durch ein paar ungeschickte Urteile in Sachen Kunst arg blamiert hatte.

Es passt halt nicht zu seinem ansonsten gern gepflegten Image des Schwabinger Kulturmenschen, dass er sich öffentlich allzu oft als Kunstbanause outet. Und so erlaubt sich Ude inzwischen nur noch gelegentlich ein paar ironische Spitzen. Als es etwa 2009 um eine Lichtinstallation zu Ehren des Hitler-Attentäters Georg Elser an der Türkenschule ging. Hätte eine Jury über das Sigi-Sommer-Denkmal in der Rosenstraße zu entscheiden gehabt, so ätzte Ude damals, dann wäre der Volksschriftsteller wohl nicht durch eine Bronzefigur verewigt worden, "sondern durch einen Laserstrahl".

Der Münchner Oberbürgermeister ist damit ein gutes Beispiel für das Dilemma, mit dem sich zeitgenössische Kunst überall herumschlagen muss, sobald sie in öffentlichem Auftrag entsteht: Das Publikum will am liebsten etwas haben, was es schon kennt. Eine Bronzestatue etwa oder einen schönen Brunnen. Künstler hingegen möchten am liebsten etwas ganz Neues machen, etwas aufzeigen, was man so noch nicht gesehen hat.