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Siemens: Neue Konzernzentrale:"Schaufenster der Nachhaltigkeit"

Viel Glas und Licht: Das Bauprojekt von Siemens stößt bei der Belegschaft auf ein geteiltes Echo - aus gutem Grund.

Mit Transparenz und Weltoffenheit hat der Bürokomplex, der sich zwischen dem Münchner Oskar-von-Miller-Ring und dem Pinakothekenviertel zieht, nicht viel zu tun. Die seit 1949 errichteten 15 Gebäude des Siemens-Konzerns sind extrem verwinkelt, die Gänge lang - und die Mitarbeiter sind in Einzelbüros untergebracht. "Kollegen, die hier noch nicht lange arbeiten, brauchen ein Navigationsgerät", spottet ein Mitarbeiter.

Siemens plant neue Konzernzentrale in München

Siemens plant neue Konzernzentrale in München.

(Foto: dpa)

So recht passt das alles nicht zu dem grünen Öko-Anstrich, den Siemens-Chef Peter Löscher dem Unternehmen verpassen will. Schließlich will das Münchner Unternehmen künftig stärker als Lieferant von Umwelttechnologien wahrgenommen werden, die neuen Schlagworte des Managements heißen Transparenz und Weltoffenheit.

Und diese Strategie soll sich künftig auch in den Immobilien wiederspiegeln: Siemens plant eine neue Konzernzentrale, einen Neubau, der all die Unternehmensleitlinien darstellen soll. Ein "Schaufenster der Nachhaltigkeit" - so formuliert es ein Konzernsprecher blumig.

Wie der neue Gebäudekomplex aussehen soll, ist noch unklar. Ein Architektenwettbewerb soll im Jahr 2011 gestartet werden, bereits im selben Jahr könnte der Bau beginnen. Doch schon jetzt ist von viel Glas ist die Rede, von einem lichten Komplex, von Großraumbüros.Cafés sollen darin Platz finden, in denen nicht nur Siemens-Mitarbeiter, sondern auch Passanten ihren Latte Macchiato trinken können.

Im Jahr 2015, so der ehrgeizige Plan, könnte die neue Zentrale fertig sein. Einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag hat Siemens für das Mammutprojekt veranschlagt, das ein komplettes Stadtviertel zur Großbaustelle werden lässt.

In der Belegschaft lösen die Neubaupläne angesichts dieser Investitionen ein geteiltes Echo aus. In Betriebsratskreisen heißt es, angesichts des jüngst angekündigten Stellenabbaus seien hohe Investitionen in eine neue, repräsentativere Konzernzentrale unpassend. Siemens hatte im März angekündigt, die IT-Sparte SIS abzuspalten und im Zuge dessen weltweit 4200 Stellen zu streichen, 2000 davon in Deutschland.

"Da muss schon etwas passieren"

Doch Arbeitnehmervertreter räumten auch ein, dass die Zentrale am Wittelsbacher Platz nicht mehr zeitgemäß sei. "Die Gänge sind verwinkelt, die Büros klein, da muss schon etwas passieren", sagte ein Gesamtbetriebsratsmitglied. Außerdem hoffe man darauf, dass Siemens den Neubau wie angekündigt nach modernsten ökologischen Standards errichtet.

Euphorischer ist da Münchens Oberbürgermeister Christian Ude. Das Stadtoberhaupt bestätigte der Süddeutschen Zeitung, dass es schon seit geraumer Zeit Gespräche zwischen Siemens und der Verwaltung gebe. "Herr Löscher hat uns in vorbildlicher Weise informiert und uns in die Überlegungen einbezogen". Um die neue Siemens-Zentrale herum könne eine zentraler Fußgängerbereich entstehen.

Nicht von den Umbauten betroffen ist offenbar das denkmalgeschützte Palais Ludwig Ferdinand am Wittelsbacher Platz, in dem die Büros des Vorstands untergebracht sind. Auch das architektonisch anspruchsvolle Siemens-Forum am Oskar-von-Miller-Ring wird erhalten bleiben.

München ist nicht der einzige Standord, an dem Siemens modernisiert. Erst vergangene Woche hatte Konzernchef Peter Löscher die neue österreichische Landeszentrale in Wien eingeweiht. Auch in China, Großbritannien und Belgien wurde neu gebaut. Weltweit besitzt Siemens 17 Millionen Quadratmeter Firmengelände.