Putzbrunn Umstrittenes Geschenk

Kritiker warnen vor Folgen eines Putzbrunner Gymnasiums

Von Stefan Galler, Putzbrunn

Landrat Christoph Göbel (CSU) wird in der Gemeinderatssitzung an diesem Dienstag im Ratssaal des Putzbrunner Bürgerhauses erwartet: Gemeinsam mit Bürgermeister Edwin Klostermeier (SPD) will er genau erläutern, warum der Zweckverband weiterführende Schulen im Südosten des Landkreises München Ende Januar beschlossen hat, Putzbrunn mit einem neuen Gymnasium zu beglücken.

Wenn es nach den Räten der Gemeinschaft pro Putzbrunn (GPP) geht, wird das nicht der einzige Besuch Göbels in nächster Zeit in der knapp 7000 Einwohner großen Gemeinde bleiben. Die Fraktion hat nämlich den Antrag gestellt, dass es zum nächstmöglichen Termin gleich noch eine Sondersitzung zum Thema Schulbauentwicklung in der Gemeinde geben solle, möglichst im Beisein von Göbel und der Höhenkirchen-Siegertsbrunner Bürgermeisterin Ursula Mayer (CSU), die aus ihrer Erfahrung die Folgen eines neuen Gymnasiums darlegen soll.

Als der Gemeinderat Putzbrunn im Dezember eine Grundsatzentscheidung für ein Gymnasium treffen musste, stimmte die GPP-Fraktion dagegen. Ein solch weitreichender Beschluss brauche "die nötige Zeit, Vorberatung und Akribie", sagte GPP-Gemeinderat Walter Hois damals und regte einen Arbeitskreis oder Workshop an, "um Vor- und Nachteile abzuwägen".

Dass man in den Reihen der GPP offenbar weiterhin skeptisch ist, ob Putzbrunn ein eigenes Gymnasium verkraften kann, wird in der jüngsten Ausgabe ihres Informationsblattes deutlich: Darin begründet die Gruppierung ihr negatives Votum aus dem Dezember damit, dass sie "bei einer so weitreichenden Entscheidung keine voreilige Entscheidung treffen" habe wollen. Der Gemeinderat habe eine grundsätzliche Bereitschaft zum Bau der Schule gegeben, "dies aber ohne die entsprechende Klärung der infrastrukturellen Voraussetzungen", heißt es in der Broschüre. Vor allem die Zunahme des Straßenverkehrs und der womöglich deutliche Zuzug, der das im Ortsleitbild festgeschriebene Limit von 1,5 Prozent Wachstum pro Jahr übersteigen könnte, sowie die nicht genau zu kalkulierenden Kosten für die Gemeinde schrecken die GPP vom Bau einer neuen Schule ab.

Explizite Kritik üben die GPP-Gemeinderäte in dem Informationsblatt am Zweiten Bürgermeister Eduard Fritz (CSU). Dieser habe den Bau des Gymnasiums in der Dezembersitzung lapidar mit dem Kauf eines Autos verglichen. Fritz widerspricht diesem Vorwurf vehement: "Ich habe lediglich gesagt, dass man auch im privaten Bereich den Plan fasst, ein Haus zu bauen oder ein Auto zu kaufen. Und dann schaut man, wie man dieses Ziel erreicht. Nichts anderes wäre der Bau eines Gymnasiums", sagt Fritz, der betont, hier "wissentlich falsch zitiert" worden zu sein.

Er habe 40 Jahre im Staatsdienst gearbeitet und dabei gelernt, die Menschen in zwei Gruppen zu teilen, sagt Fritz, "diejenigen, die Pläne positiv angehen und diejenigen, die bei allem und jedem Bedenken haben und pessimistisch sind." Zu jener Gruppe zählt Fritz die GPP-Gemeinderäte. Unterstützung erhält er vom CSU-Fraktionsvorsitzenden Eduard Boger, dieser wirft der GPP vor, "gegen alles zu sein". Ein Gymnasium sei eine Investition in die Zukunft, "wenn wir das jetzt nicht machen, ist es in zehn Jahren nicht mehr zu bezahlen", so Boger.