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Pullach:Skater kämpfen um ihre Halfpipes

Der Skatepark wurde 2015 eröffnet.

(Foto: lks)

Etwa dreißig Jugendliche machen sich im Pullacher Rathaus für den Erhalt der derzeit geschlossenen Anlage stark.

In drei Jahren wird Skateboardfahren olympisch. Ihre ersten Erfahrungen auf dem Brett hat Leilani Ettel in Pullachs Skatepark gemacht. Seit dieser Saison fährt die 15-Jährige im Halfpipe-Weltcup des Internationalen Skiverbandes mit, die Olympischen Winterspiele hat die talentierte Snowboarderin schon fest im Blick. Doch nun muss die Pullacher Skate-Community einen herben Schlag wegstecken: Der Skatepark steht kurz vor dem Aus. Vor dem Sitzungssaal des Gemeinderates versammelten sich deshalb am Dienstagabend rund dreißig Jugendliche, um in der Bürgerfragestunde für ihr Anliegen einzutreten. Einige trugen selbstgestaltete T-Shirts mit der Aufschrift "Rettet den Skatepark".

Als der neugestaltete Skatepark im Juli 2015 eröffnet wurde, war er sofort ein voller Erfolg bei den Skatern. Doch lange hielt die Freude nicht an. Zum Ärger der Anwohner wurde dort nachts gefeiert und laut Musik gehört. Beschwerden beim Landratsamt folgten. Eine Lärmschutzmessung ergab erhöhte Emissionswerte. Und es stellte sich heraus, dass die Gemeinde irrtümlich davon ausgegangen war, dass es sich lediglich um den Ausbau einer bestehenden Anlage handelt. Die Gemeinde muss nun nachträglich eine baurechtliche Genehmigung beim Landratsamt beantragen. Die Öffnungszeiten wurden begrenzt und der Skatepark als Kinder- und Jugendspieleinrichtung ausgewiesen. Nun dürfen nur noch unter 18-Jährige für vier Stunden am Tag mit ihren Brettern auf die Anlage. Dies sei die einzige Möglichkeit, dass überhaupt noch jemand skaten darf, erklärte Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund (Grüne). Denn für eine solche Spielanlage dürfen die Lärmwerte etwas höher sein, und auch die umliegenden Sportanlagen werden in die Berechnung nicht miteinbezogen.

"Wir zermartern uns den Kopf, wie wir den Skatepark retten können", versicherte Tausendfreund den Skatern. Die aussichtsreichste Möglichkeit: eine Lärmschutzwand, möglicherweise in Modulbauweise. Parallel werden alternative Standorte sowie eine Kinder- und Jugendspielanlage mit tiefer gelegten Bahnen (Bowls) geprüft. Doch die sechs Meter hohe Mauer will eigentlich niemand, weder Anwohner noch Skater. "Wir Jugendlichen skaten dort, weil es schön ist, so am Wald", erklärte ein Sprecher der Gruppe. Eine gewisse Signalwirkung habe das außerdem schon, findet ein anderer: "Man will uns Jugendliche nicht so wirklich haben im Pullacher Ortskern. Das ist schade."

Warum werden die Hohlkörper nicht einfach aufgefüllt und mit Matten gedämmt, wollten die Jugendlichen wissen. Bis zu 40 Prozent Emissionseinsparung seien durch solche Maßnahmen möglich, hat einer von ihnen recherchiert. "Das Absurde ist: Derartige Dämmmaßnahmen werden von den Gutachtern in den Berechnungen nicht beachtet", erklärte Tausendfreund.

Kritisiert wurde außerdem die Sperrung der Halfpipe durch Betonringe. Dadurch stehe das Wasser auf der Holzkonstruktion, und die Skater gehen davon aus, dass sie derart beschädigt ist, dass man sie nicht mehr nutzen könne, selbst wenn man wieder dürfe. Außerdem werde die Anlage vom Schließdienst an manchen Tagen gar nicht geöffnet. Und was passiert mit den Rampen, wenn sie wirklich abgebaut werden müssen? Schließlich haben Sportler die Rampen in stundenlanger Arbeit gestaltet. "Das hat schon einen großen emotionalen Wert für uns", sagte einer der Skater. "Ich finde es cool, dass Sie den verschiedenen Möglichkeiten nachgehen", lobte er den Gemeinderat. Denn: "In Pullach gibt es einfach wahnsinnig wenig, wo wir Jugendlichen uns aufhalten und gemeinsam etwas unternehmen können." Er habe seinen 13-jährigen Bruder gefragt, was er im Sommer macht, wenn der Skatepark tatsächlich geschlossen wird. "Dann werde ich wohl wieder vorm Computer sitzen und spielen, hat er gesagt. Bitte bedenken Sie das auch in Ihrer Entscheidung", sagte der Jugendliche und sprach wohl vielen Eltern aus der Seele.

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