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Pullach:Mythos Maistüte

Gemeinde diskutiert erneut über kompostierbare Hundekot-Beutel

"Entscheidend ist, was hinten rauskommt", sagte Helmut Kohl einst als Bundeskanzler. Der Pullacher Gemeinderat debattierte in seiner jüngsten Sitzung nun darüber, wohin mit all dem, was hinten rauskommt. Die SPD-Fraktion hatte angeregt, für die Hinterlassenschaften von Waldi und Konsorten künftig an den öffentlichen Hundetoiletten Beutel aus zu hundert Prozent kompostierbarem Material bereitzustellen. Die Dringlichkeit ihres Antrags belegten die Sozialdemokraten mit Zahlen: Ausgehend von circa 400 Hunden, die im Gemeindegebiet im Schnitt zweimal täglich Gassi gingen, kämen jährlich 292000 Beutel aus High-Density Polyethylen (HDPE) zusammen. Ein nicht unerheblicher Teil an Plastikkmüll lande sogar in Wäldern und Büschen sowie auf Wiesen, hieß es in dem SPD-Antrag. "Im Sinne unser aller Bemühungen um Klima- und Umweltschutz sowie um Nachhaltigkeit", plädierten die Sozialdemokraten daher für einen Umstieg auf kompostierbaren Beutel zum Beispiel aus Maisstärke.

Auf Anhieb überzeugte ihr Ansinnen den Gemeinderat nicht. Man werde noch einmal in die Prüfung von nachhaltigen Materialien gehen, versprach Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund (Grüne). Das ist aber schon 2018 geschehen. In der Folge stellte die Umweltabteilung des Rathauses von Plastik auf recyceltes Plastik um und entschied sich damit bewusst gegen biologisch abbaubares Material. Man gehe davon aus, dass dann noch mehr Hundebeutel in Wald und Flur geworfen würden, weil sie ja abbaubar sind, hieß es damals. Abgesehen von den höheren Kosten für kompostierbare Tüten wären diese nur sinnvoll, wenn sie tatsächlich kompostiert würden. Die Beutel werden aber aus Hygienegründen über die Müllverbrennung entsorgt.

Außerdem spricht die Umweltabteilung den kompostierbaren Tüten die von der SPD postulierte Nachhaltigkeit ab. Bei der Herstellung von Papierkotbeuteln oder Tüten aus nachwachsenden Rohstoffen würden zum Teil fast doppelt so viel Energie und Rohstoffe benötigt. Hinzu kämen die Lieferwege für Zuckerrohr und Mais aus Südamerika. Es bleibt abzuwarten, was bei der anstehenden Prüfung nachhaltiger Materialien hinten rauskommt.

© SZ vom 18.11.2020 / mm
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