Pullach:Isar wird zum eigenen Ökostrom

Pullach: Am Isarkraftwerk bei Baierbrunn will die Pullacher IEP zertifizierten Ökostrom einkaufen.

Am Isarkraftwerk bei Baierbrunn will die Pullacher IEP zertifizierten Ökostrom einkaufen.

(Foto: Claus Schunk)

Die Gemeinde und die Bayernwerk Regio Energie GmbH beschließen eine Kooperation. Dadurch wird auch der Isartaler Tisch unterstützt

Von Michael Morosow, Pullach

Auf dem Weg zur Klimaneutralität haben die Gemeinde Pullach und die Innovative Energie für Pullach GmbH (IEP) einen weiteren Schritt getan. Die Unterschriften unter dem Vertragswerk fehlen zwar noch, aber schon jetzt steht fest, dass die Isartalgemeinde mit der Bayernwerk Regio Energie GmbH als Partner einen regionalen Strommarkt auf die Beine stellen wird. Der soll ausschließlich zertifizierten Ökostrom anbieten, der im Isartal regenerativ erzeugt wird, etwa im Wasserkraftwerk Baierbrunn. Der "IEP-Ökostrom" hat dabei auch einen sozialen Aspekt, für jeden Vertragsabschluss wird die IEP 50 Euro an den Isartaler Tisch spenden.

Bei einem Pressegespräch am Dienstag herrschte eitel Freude über die Kooperation bei Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund (Grüne), IEP-Geschäftsführer Helmut Mangold, Bayernwerkvertreter Thomas Oppelt und dem Vorsitzenden des Isartaler Tisches, Johannes Schuster.

Mit am Tisch saß auch Johannes Burges in Vertretung seiner Schwester Marietta, die als erste Abnehmerin des regionalen Ökostroms den Vertrag unterschrieben hat. "Wir haben uns in Pullach zum Ziel gesetzt, Ökostrom regional zu erzeugen und regional zu verbrauchen", die IEP bringe nun ökologische Stromerzeuger und umweltbewusste Verbraucher aus dem Raum Pullach zusammen - für eine starke Region und für das Klima, sagte Tausendfreund. Die Bürgermeisterin hob in diesem Zusammenhang die Bedeutung des Stromnetzkaufs durch die Gemeinde vor zwei Jahren hervor, der es möglich gemacht habe, dass die Gemeinde jetzt auch als Stromanbieter auftreten könne.

Als erste regionale Stromerzeuger hat die IEP die Wasserkraftwerke in Baierbrunn und die Weidachmühle in Wolfratshausen, gewinnen können. Die IEP kauft die Strommengen exklusiv aus regionalen Wasserkraftwerken der Isar und Loisach. Wie IEP-Geschäftsführer Mangold sagte, sollen bald auch Windkraft- und Photovoltaik-Anlagen hinzukommen. Die Bürgermeisterin verwies dabei auch auf das Vorhaben ihrer Gemeinde, zusammen mit der Gemeinde Neuried bis zu fünf Windräder im Forstenrieder Park zu errichten. Alleine das Baierbrunner Kraftwerk mit einer jährlichen Stromproduktion von etwa 1,7 Millionen Kilowattstunden könnte circa tausend Haushalte mit Strom versorgen.

Für das erste Jahr rechnet Mangold mit lediglich "100, 200, 300, vielleicht auch 500 Kunden", Thomas Oppelt vom Bayernwerk ließ aber wissen, dass sein Unternehmen flexibel sei und "jederzeit nachjustieren" könne. Es biete die Technologie, die zur Umsetzung der lokalen Märkte erforderlich seien.

Der zertifizierte Ökostrom aus dem Isartal habe einen fairen Preis, sagte IEP-Chef Mangold. Der Grundpreis beträgt 11,50 Euro im Monat, der Arbeitspreis 26,90 Cent/Kilowattstunde (flexibel) beziehungsweise 26,20 Cent (fix). Wer will, kann aber gerne auch einen Cent auf jede Kilowattstunde freiwillig drauflegen, zum Wohle des Isartaler Tisches. Dazu genügt ein Zusatzhäkchen auf dem Stromliefervertrag. "Uns ist es wichtig, lokal erzeugten Ökostrom mit einer sozialen Komponente zu kombinieren", erklärte Mangold. Daher sehe die IEP davon ab, Kunden mit einem Bonus zum Wechsel des Stromanbieters zu locken, sondern unterstütze lieber den Isartaler Tisch. So ließen sich in genialer Weise Regionalität und Soziales verbinden, heißt es in einer Pressemitteilung der Pullacher Geothermiegesellschaft. Johannes Schuster, WIP-Gemeinderat und Vorsitzender des Isartaler Tisches, zeigte sich dankbar für diese "innovative Idee", die seinem Klientel zugute kommt. Es sei bereits der achte regionale Strommarkt mit Beteiligung seines Unternehmens, aber der erste mit sozialer Komponente, sagte Bayernwerkvertreter Oppelt.

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