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Pullach:In den Mühlen der Behörden

Der Landkreis hat vor Jahren bereits ein Naturschutzgebiet im Isartal beantragt. Passiert ist bisher nichts

Pullach - Auf dem Weg von ihrer Quelle im Karwendel bis zur Mündung in die Donau fließt die Isar durch drei unterschiedliche Schutzzonen. Am schärfsten bewacht wird sie in den Isarauen zwischen Schäftlarn und Bad Tölz schon seit 1986, als dieser 1660 Hektar große Bereich zum Naturschutzgebiet erklärt wurde, einem rechtlich verbindlichen Raum, in dem unter anderem das Stören wild lebender Tiere und bereits das Blumenpflücken und Pilzesammeln verboten ist. Auf ihrem weiteren Lauf muss die Isar zwei Wächtern mit geringerer Schlagkraft vertrauen, der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union von 1992, die von der Landesgrenze im Karwendelgebirge bis in die Landeshauptstadt greift, sowie den Regeln, die für ein Landschaftsschutzgebiet gelten und selbst eine Bebauung nicht generell untersagen.

Im April 2013 fasste der Kreistag auf Antrag der Grünen den Beschluss, bei der Regierung von Oberbayern die Ausweisung eines Naturschutzgebietes "Südliches Isartal und Hangwälder" zu beantragen. Noch im selben Jahr gewann dieses Ansinnen neue Nahrung durch eine Fällaktion des damaligen Kraftwerksbesitzers Eon bei Höllriegelskreuth, nach der die damalige Landtagsabgeordnete und heutige Pullacher Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund (Grüne) von einer "unverantwortlichen Rodungsaktion" mitten im Landschaftsschutzgebiet sprach, die ein weiteres Argument dafür sei, das Isartal endlich zum Naturschutzgebiet zu erklären. Seither ist viel Wasser die Isar hinunter geflossen.

Laut Landratsamt hat die Regierung von Oberbayern seinerzeit mitgeteilt, dass sie der Ausweisung der beantragten Naturschutzgebiete grundsätzlich positiv gegenüber stehe, dass es jedoch sinnvoll sei, ein förmliches Verfahren zur Ausweisung eines Naturschutzgebietes "Südliches Isartal und Hangwälder" erst dann einzuleiten, wenn verwertbare Ergebnisse des Kooperationsprojekts "Natur-Erholung Isartal im Süden von München" vorlägen. Zum Zeitpunkt der Ausweisung des Naturschutzgebietes "Nördliches Isartal" sei keine Aussage getroffen. Der Landkreis sei zwischenzeitlich erneut auf die Regierung von Oberbayern zugegangen, mit dem Ziel, die Verfahren nunmehr zeitnah in Gang zu bringen. Die Absicht, die Ausweisung des Naturschutzgebietes "Südliches Isartal und Hangwälder" vom Vorliegen verwertbarer Ergebnisse des Kooperationsprojekts "Natur-Erholung Isartal im Süden von München" abhängig zu machen, berücksichtigt nach Meinung des Landkreises nicht die Tatsache, dass der enorme Erholungsdruck, der von einigen nicht naturverträglichen Trendsportarten ausgeht, bei weitem nicht der einzigen Beleg für die Schutzbedürftigkeit des südlichen Isartals ist. Hierzu gehörten auch zahlreiche Veranstaltungen, massive Eingriffe in den Hangwald, Zerschneidung etwa durch weitere Verkehrstrassen, die Bebauung dieses Naturraums sowie die aktuelle Problematik des Bootfahrens auf der Isar.

"Die von diesen Faktoren ausgehenden Beeinträchtigungen der Natur des Isartals erfordern eine zeitnahe Inschutznahme des Isartals als Naturschutzgebiet, um der weiteren Verschlechterung des Erhaltungszustands dieses Naturraums rechtzeitig Einhalt gebieten zu können. Diese Argumente gelten im Wesentlichen auch für das nördliche Isartal", heißt es in der Stellungnahme des Landratsamtes.

© SZ vom 02.03.2021 / mm
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