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Pullach:Digitale Feuerwehrübungen

In der Gemeinde wird künftig im Virtual-Reality-Raum trainiert

Von Michael Morosow, Pullach

Nicht selten legen Feuerwehren selbst Brände, um sie dann nach allen Regeln der Kunst zu löschen. Gerade für die Ausbildung des Nachwuchses ist das Training von elementarer Bedeutung. Umso wichtiger ist es denn auch, dass die Übungsanlagen alle Sicherheitsauflagen erfüllen, was bei der Freiwilligen Feuerwehr in Pullach nicht der Fall ist. Der Gemeinderat hat daher ohne lange Diskussion geschlossen für eine Erneuerung der Atemschutz-Übungsanlage und die Errichtung eines Virtual-Reality-Raumes anstelle des alten Brandraumes gestimmt. Die Kosten für beide Maßnahmen betragen einschließlich eines Reservepolsters für nicht vorhersehbare Reparaturen circa 325 000 Euro.

Die Mängelliste, die ein Sachverständiger auf Betreiben von Feuerwehrkommandant Harald Stoiber erstellt hat, ist lang. Die im Zuge der Erweiterung des Feuerwehrgerätehauses im Jahr 2006 errichtete Atemschutz-Übungsanlage weist demnach ebenso gravierende technische Mängel auf wie der Brandübungsraum im Untergeschoss. So etwa halten nach der Expertise des Sachverständigen die verwendeten Materialien an verschiedenen Stellen wie etwa den Durchstiegsöffnungen einem Übungsbetrieb nicht mehr stand, was zu erheblichen Verletzungsgefahren führen könnte. "Die für den Übungserfolg notwendige realitätsnahe Verrauchung der Übungsstrecke ist im derzeitigen Zustand nicht mehr möglich, da keine Wärmebildkameras vorhanden sind. Auch die vorhandene Effekttechnik, die eine wirklichkeitsnahe Übung durch Geräusch-, Licht- und Wärmeeffekte ermöglichen soll, entspricht nicht mehr dem heutigen Stand der Technik", heißt es in der Expertise.

Da die Feuerwehr den Übungsbetrieb in der Brandsimulationsanlage und den damit verbundenen teuren Unterhalt nicht mehr als zeitgemäß bewertet, soll der Raum nun heutigen Anforderungen angepasst werden. Die Gasanlage und alle Brandsimulationsgeräte sollen zurückgebaut werden. Stattdessen soll der Raum für eine Virtual-Reality-Anlage genutzt werden, in der mit Hilfe leistungsstarker Computer und Kameras vielfältige Einsatzsituationen über Bildschirmbrillen simuliert werden können. Der ehemalige Brandraum soll mit modernster Computertechnik ausgestattet werden und zukünftig vielfältige Einsatzszenarios für die Einsatzkräfte simulieren. Die Unterhaltskosten würden dadurch deutlich geringer und die Übungsmöglichkeiten deutlich flexibler, heißt es.

© SZ vom 12.02.2021
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