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Pfarrheim Hohenbrunn:Neubau statt Sanierung

Rathaus und Pfarrheim befinden sich unter einem Dach. Nur das Pfarrheim wird abgerissen.

(Foto: Claus Schunk)

Nach einem Kosten-Gutachten soll das Pfarrheim St. Stephanus abgerissen werden

Von Christina Hertel, Hohenbrunn

Die Pläne für das Hohenbrunner Pfarrheim St. Stephanus haben sich verändert. Statt saniert soll es nun abgerissen und neugebaut werden. Der Grund: Ein Gutachten kam zu dem Ergebnis, dass die Kosten einer Sanierung nicht überschaubar wären. Außerdem besteht durch einen Neubau die Möglichkeit, den Keller und das Foyer zu vergrößern. Der Gemeinderat stimmte in der jüngsten Sitzung zu, sich anteilig an den Mehrkosten für dieses Vorhaben zu beteiligen.

Dass die Kirche das Projekt nicht alleine stemmt, war schon lange klar. Denn auch die Rathausverwaltung und die Hohenbrunner Bürger profitieren von dem Vorhaben. Es entsteht ein großer Gemeindesaal, den zukünftig nicht nur die Kirche nutzen soll. So sollen dort Gemeinderatssitzungen stattfinden. Momentan werden diese im Feuerwehrhaus abgehalten. Auch für andere Veranstaltungen etwa für Bürgerversammlungen könnte die Gemeinde den Saal mieten. Ein weiterer Vorteil: Weil das Pfarrheim direkt an das Rathaus anschließt, kann die Verwaltung in dem neuen Gebäude Büros mieten und auch den Aufzug mitbenutzen. So würde das gesamte Rathaus barrierefrei und könnte wieder an einen Standort zusammenziehen.

Obwohl die Gemeinde investiert, wird sie an die Kirche Miete zahlen müssen: von 2000 Euro ist die Rede

Ursprünglich war die Gemeinde davon ausgegangen, dass sie sich mit 1,2 Millionen Euro an dem neuen Pfarrheim beteiligen wird. Weil nun durch einen Neubau auch neue Möglichkeiten bestehen, sind Wünsche dazu gekommen - etwa mehr Toiletten, ein größeres Foyer, ein breiteres Vordach und eine Lüftungsanlage. Und deshalb steigen die Kosten.

Der Gemeinderat war sich einig, dass er sich daran anteilig beteiligen möchte, voraussichtlich zu etwa 40 Prozent. Welche Summe die Gemeinde konkret dazu steuern muss, ist heute noch nicht abzusehen. Zu unkonkret seien die Pläne bislang, sagte Architekt Clemens Pollok bei der Gemeinderatssitzung. Fest steht aber schon jetzt: Obwohl die Gemeinde viel Geld investiert, wird sie später einmal trotzdem an die Kirche Miete zahlen müssen. Momentan ist von 2000 Euro im Monat die Rede. Das entspricht laut Geschäftsleiter Thomas Wien einem Quadratmeterpreis von sieben Euro.

Letztlich stimmten die Gemeinderäte aber dennoch zu. "Es ist natürlich viel Geld und wir zahlen dann ja auch noch Miete", sagte Regina Wenzel von der SPD. "Aber es ist eine Win-Win-Situation für beide Seiten." Denn ein komplett barrierefreies Rathaus wäre anders wohl nicht zu bekommen. Und die Mitarbeiter wären sonst wohl für immer auf verschiedene Standorte verteilt. Auch Probleme, die den Brandschutz des Rathauses betreffen, können auf diese Weise gelöst werden.

Ins Rollen gekommen war das Projekt vor etwa eineinhalb Jahren. Damals wurde der Pfarrei eine großzügige Spende in Aussicht gestellt, sollte das Haus saniert und gemeinsam mit der Gemeinde belebt werden. Auch die Diözese München und Freising beteiligt sich an dem Bau finanziell. Momentan ist der Zustand des Pfarrheims schlecht. Die Fassade sei voll mit Asbest, schilderte der Kirchenpfleger Jürgen Blöchinger schon im Oktober 2016. Der Saal im ersten Stock ist nur durch eine enge und steile Treppe zu erreichen. "Der Pfarrsaal ist eigentlich unwürdig", sagte Plöchinger damals.

Bis aber die erste Gemeinderatssitzung im neuen Saal abgehalten werden kann, wird es voraussichtlich noch eine Weile dauern. Weil das Gebäude unter Denkmalschutz steht, müssen die Maßnahmen erst genehmigt werden. Das könne ein halbes Jahr dauern, schätzt Architekt Pollok. Baubeginn sei erst im Frühjahr 2019 realistisch. Die Bauzeit betrage dann etwa zwei Jahre. "Es ist nicht unkompliziert. Wir müssen vorsichtig sein - das Rathaus bleibt ja in Betrieb."

© SZ vom 29.01.2018
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