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Ottobrunn:Zögerlich beim schnellen Internet

Die Telekom erhält auf Angebot für Glasfaseranschlüsse wenig Resonanz. Das Netz in Ottobrunn steht weitgehend

Von  Angela Boschert

Schnelles Internet ist für Unternehmen heutzutage unabdingbar. Jetzt will die Deutsche Telekom das Gewerbegebiet Mitte und Nord von Ottobrunn ans Glasfasernetz anschließen und umwirbt die dort ansässigen Unternehmen. Doch die Begeisterung der Firmen hält sich offenbar in Grenzen, denn die Telekom hat den Aktionszeitraum - ähnlich wie vor zwei Jahren beim Muna-Gewerbegebiet Hohenbrunn/Höhenkirchen-Siegertsbrunn - verlängert - von Ende Januar auf Ende März. Denn Glasfaserkabel liegen dort schon.

Die Telekom preist den neue FTTH-Anschluss (Fiber to the home) an. Highspeed-Internet, Nutzung von Cloud-Anwendungen und Telefonieren mit höchster Sprachqualität gebe es alles gleichzeitig über einen Hausanschluss in drei Anschlussvarianten mit verschiedenen Tarifoptionen. Während der aktuellen Werbeaktion wird die Glasfaserleitung nicht mehr nur bis zum Verteilerkasten auf dem Bürgersteig oder in den Keller des Gebäudes, sondern ohne Aufpreis direkt in die Gewerbeeinheit verlegt. Vorausgesetzt noch im März bestellen insgesamt 30 Prozent der dort ansässigen Unternehmen einen Breitbandglasfaseranschluss. Im Gegenzug erlässt ihnen die Telekom die Kosten für den Hausanschluss, also etwa 680 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer.

Doch haben bis jetzt nicht einmal die Hälfte der erforderlichen Unternehmen einen Anschluss beauftragt, also weniger als 69 der gewünschten 138 Firmen nach Telekom-Zählung, teilte diese laut Angabe der Gemeinde mit. Dabei haben "über 460 Unternehmen die Chance, sich kostenlos ans Gigabit-Hochgeschwindigkeitsnetz der Telekom anschließen", heißt es in der Telekom-Pressemeldung. Wie sie zu dieser Zahl kommt, konnte Telekomsprecher Georg von Wagner nicht herleiten. Die Verlängerung der Hausanschluss-Aktion sei "eine Entscheidung des Unternehmens", sagte er auf telefonische Anfrage. Ottobrunns Wirtschaftsleiter Stefan Buck wollte die Zahl der Unternehmen im Gewerbegebiet nicht beziffern. Er frage sich, ob ein Gewerbetreibender oder eine Ein-Personen-Firma schon als Unternehmen gezählt werde.

Die Zahl der Unternehmen spielt insofern keine Rolle, weil die Gemeinde "ihre Hausaufgaben gemacht hat, denn das Gewerbegebiet ist vollständig mit Glasfasertechnik versorgt", sagt Bürgermeister Thomas Loderer (CSU). Denn in exakt dem Gebiet, in dem die Telekom aktuell für ihr schnelles Netz wirbt, also rechts und links der Straße am Haidgraben unter Einbeziehung der Gewerbeansiedlungen, hat die Deutsche Glasfaser in einer Wholesale-Partnerschaft mit Vodafone vergangenes Jahr FTTH-Anschlüsse verlegt. Hierzu hatte sie mit der Gemeinde bereits Anfang 2020 einen Wegenutzungsvertrag, also eine Kooperationsvereinbarung, abgeschlossen. Die Zusammenarbeit sei sehr angenehm gewesen, erinnert sich Loderer, die Abteilung Bautechnik wusste über jeden Schritt Bescheid. Dennoch begrüße er, dass sich die Telekom für eine Verdichtung des Glasfasernetzes interessiere. "Sowohl Anbietervielfalt als auch jede Erweiterung sind willkommen."

Es gebe noch einige wenige Bereiche, in denen das Kabelnetz ergänzt werden müsse. Man finde sie im Breitbandatlas des Bundesverkehrsministeriums, der die digitale Infrastruktur für jeden Ort detailliert aufzeigt. Ottobrunn habe aus der Zeit des Kabelfernsehens ein sehr gutes Kupferkabelnetz. Somit würden weitere Glasfaserverlegungen aktuell nicht durch Bund und Land gefördert, erklärt Loderer. Das sei ein Nachteil, aber "wir arbeiten daran, dass die wenigen weißen Flecken versorgt werden, denn vor allen private Haushalte müssen eine schnelle Internetanbindung mit ausreichender Bandbreite erhalten. Das ist nicht nur in Zeiten zunehmenden Home-Offices und Home-Schoolings notwendig, es ist heutzutage ein wesentliches Standortkriterium für jedes Unternehmen jedweder Branch", sagt Loderer. Er freue sich, sagt der Bürgermeister, wenn die Telekom zumindest einen Teil der anvisierten sechs Kilometer Glasfaserkabel für die 460 Unternehmen im Gewerbegebiet verlege.

© SZ vom 27.03.2021
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