Ottobrunn:Unterwegs mit 150 Kilo Gepäck

Ottobrunn: Lisa Haarpaintner und Dankmar Müller vom Arbeitskreis Energie und Umwelt präsentieren das Leih-Lastenrad der Awo.

Lisa Haarpaintner und Dankmar Müller vom Arbeitskreis Energie und Umwelt präsentieren das Leih-Lastenrad der Awo.

(Foto: Claus Schunk)

Beim "Tag der erneuerbaren Energien" können sich Gäste ein eigens entwickeltes Lastenrad ansehen - und es gleich testen

Von Christina Jackson, Ottobrunn

Zwei Jahre lang brachte Friedrich Seeger aus Ottobrunn jeden Freitag gehbehinderten Menschen prall gefüllte Tüten mit Lebensmitteln von der Ottobrunner Tafel nach Hause. 15 Kilometer fuhr er dafür jeweils - mit dem Rad, obwohl er ein Auto besitzt. Möglich machte dies das Lastenrad "Awogenda 1", das die Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Kooperation mit den Agenden Neubiberg-Ottobrunn und Hohenbrunn betreibt. Es steht am Seniorentreff Kaiserstiftung in Riemerling, seit Oktober 2014 kann es sich jeder Bürger dort ausleihen. Am Samstag, dem deutschlandweiten "Tag der erneuerbaren Energien", präsentierte die Agenda Ottobrunn-Neubiberg das Rad auf dem Rathausplatz vor dem Wolf-Ferrari-Haus.

Daran, dass "Awogenda 1" ein Damenrad ist, musste Seeger sich erst einmal gewöhnen. Trotzdem schwärmt er von dem wendigen Rad, dessen Anhänger nur etwas größer als eine Kuriertasche ist: "Mit sieben Gängen und ein bisschen Rückenwind war ich schneller als mit dem Auto." Trotz des schweren Gepäcks habe er damit die 15 Kilometer in einer Stunde bewältigen können. Bisher gibt es allerdings wenige Menschen wie Seeger, die Nachfrage nach "Awogenda 1" hält sich in Grenzen. "Die Menschen sind auf das Auto fixiert", sagt Dankmar Müller vom Arbeitskreis Energie und Umwelt. Dabei verbrauchten sie damit gerade bei kurzen Wegen viel Benzin und Zeit: "Meistens geht es mit dem Rad schneller - die Parkplatzsuche entfällt genauso wie die zahlreichen Stopps an Ampeln." Ab Juni wird bei der Awo auch ein skandinavisches "Bakfiets" kostenlos zur Ausleihe bereitstehen, bei dem die Lade- oder Kindersitzfläche vor dem Lenker platziert ist. "Die Stadt Köln war ein absoluter Vorreiter", sagt Müller: "Dort sind die drei ausleihbaren Lastenräder über Monate ausgebucht." Bis zu 150 Kilogramm, schätzt Müller, könne man mit einem Lastenrad transportieren. "Viele Handwerker haben schon komplett auf Räder umgestellt", sagt er. Aber obwohl die Radwege überwiegend gut seien, gebe es in den Gemeinden immer noch viele Hürden und Ärgernisse für Lastenrad-Fahrer. So fehlten etwa Stellplätze mit breiten, kippsicheren Ständern.

Die Präsentation des Lastenrads "Awogenda 1" war nur eine von vielen Veranstaltungen zum "Tag der erneuerbaren Energien". In Unterhaching etwa gab es einen "umweltaktiven Themenparcours" sowie eine große Müllentsorgung. In Hohenbrunn konnten Interessierte ein Privathaus besichtigen, in dem unter anderem durch den Einsatz von Solarthermie, Pelletheizung, Kachelofen und Photovoltaik Energie gespart wird. Der Tag der erneuerbaren Energien wurde erstmals 1996 in der sächsischen Stadt Oederan ausgerufen, die damals zur Besichtigung der 700 Quadratmeter großen Solaranlage des Ortes lud. 27 weitere Anlagenbetreiber in Sachsen schlossen sich an und präsentierten unter dem Motto "Zehn Jahre nach Tschernobyl - es geht auch anders" ihre Anlagen.

Die nächsten Termine für Landkreisbewohner, die an erneuerbaren Energien interessiert sind: Am 7. Mai gibt es in Ottobrunn, am 12. Mai in Neubiberg jeweils eine Informationsveranstaltung zu einem neuen Förderprogramm des Bundes für Solarthermie-Anlagen und Heizungserneuerungen.

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