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Ottobrunn:Der malerische Reiz der Vorortgemeinde

Die Künstlerinnen Annegret Poschlep, Ulrike Ganter und Sabine Zacharski stellen derzeit ihre Arbeiten im Rathaus Ottobrunn aus. Jede hat ein vom Flair des Ortes inspiriertes Bild gemalt, dessen Verkaufserlös an soziale Einrichtungen geht

Von Angela Boschert, Ottobrunn

Das Rathaus Ottobrunn ist nicht nur steter politischer Mittelpunkt der Gemeinde, sondern fungiert ab und an auch als Bühne für Ästhetik und Kreativität, avanciert quasi zur Galerie. Derzeit und noch bis Ende September ist dort eine Ausstellung mit Arbeiten von Sabine Zacharski, Annegret Poschlep und Ulrike Ganter zu sehen. Die drei Künstlerinnen wollen aber nicht nur ihre Bilder präsentieren und im Verkaufsfall davon persönlich profitieren. Jede von ihnen hat ein Bild zu Ottobrunn gemalt, dessen Verkaufserlös an zwei wohltätige Einrichtungen geht.

"Die Idee für eine derartige Spende ist schon vor längerem entstanden", sagt Sabine Zacharski. Jetzt, da in der Corona-Zeit viele Institutionen schwieriger an Geld kämen, hätten sie diese Idee in ihrer Gemeinschaftsausstellung "Farbe - Form - Linie" in die Tat umgesetzt. Da es coronabedingt keine Vernissage und keine Versteigerung geben darf, werden die Bilder zum Zielpreis von je 300 Euro verkauft. Der Erlös der 80 mal 60 Zentimeter großen Werke geht je zur Hälfte an den Caritas Tisch Ottobrunn und an den Hospizkreis Ottobrunn. Darin sind sich die Malerinnen der Ateliergemeinschaft "S18-Ateliers" Ottobrunn einig. Jede hat das Thema Ottobrunn indes auf ganz eigene Weise interpretiert.

Eindrucksvolle Collagen: Das Bild zeigt Annegret Poschleps "Spaziergang in Ottobrunn".

(Foto: Annegret Poschlep)

Ganter hat einen historischen Ansatz gewählt. Unter der Überschrift "Mein Ottobrunn" hat sie Texte aus dem Unterhachinger Heimatbuch des Heimatpflegers Rudolf Felzmann (1915 bis 2011) mit Bildern der Ottobrunner Homepage zu einer informativen und eindringlichen Collage verbunden. "Über Ottobrunn selbst und seine Verbindungen zu Unterhaching gibt es interessante Dinge zu berichten, die ich in Erinnerung rufen möchte", sagt die gelernte Bibliothekarin. Sie wohnt selbst in Unterhaching und benutzt etwa Felzmanns Hinweis auf das Jahr 1955, als Ottobrunn, das bis dahin zu Unterhaching gehörte, eigenständige Gebietskörperschaft wurde. Auch listet sie die stürmische Entwicklung der Einwohnerzahl Ottobrunns von 96 im Jahr 1912 auf 21 500 Personen 2018. Ebenso ist der Namensfindung für den Ort ein Text gewidmet.

Eine gänzlich andere, gemalte Sicht auf die Münchner Vorortgemeinde gibt Sabine Zacharski. Sie hat im Frühjahr bei einer Fototour durch Ottobrunn wenige, aber markante Plätze gefunden, die sie zu einer Collage in Acryltechnik zusammengefasst hat. Unter einem Himmelszelt umgeben eine Ladenzeile, das Wolf-Ferrari-Haus und die Kirche St. Otto einen weiten Platz. Im Vordergrund steht eine Sitzbank in den Ottobrunner Farben Rot, Gelb und Blau. Auf dem Platz herrscht Ruhe und Sicherheit, doch hat die Künstlerin "Da spielt Musik" an den oberen Bildrand geschrieben. Warum? "Durch Abendrot ist in der letzten Zeit häufig eine wunderschöne Stimmung entstanden, die mich gefesselt hat. Im Spiel der Wolken empfinde ich Musik und Leichtigkeit, die ich den Ottobrunnern wünsche", sagt die 56-Jährige.

Sabine Zacharskis "Ottobrunn Impressionen".

(Foto: Sabine Zacharski)

Auch Poschlep hat sich im Frühjahr zu einem "Spaziergang in Ottobrunn" - so ihr Bildtitel - aufgemacht. Sie sei dabei auf den malerischen Reiz der Komplementärfarben des Jugendzentrums Einstein (JUZ) gestoßen und auf den Gegensatz eines Sendeturms zu einem darunter stehenden Auto eines Eisverkäufers. "Der Entwurf entstand in Goldocker, das mit Blau zur Grundfarbe meiner Collage in Acrylmischtechnik wurde", erzählt sie. Nun gruppieren sich Sendemast, Space-Valley, JUZ und Ottosäule mit Impressionen aus einem Vorgarten um eine augenfällige Senkrechte in Goldocker. "Ich wollte mit der Komposition darstellen, wie glücklich ich bin, mein Atelier und damit einen Teil meiner Freizeit in Ottobrunn zu verbringen", sagt Poschlep. Ob sie auch die Person ist, die am linken Rand des Bildes steht?

Das zu entscheiden, bleibt dem Besucher überlassen. Doch findet er die Ottobrunnbilder erst am Ende seines Weges durch die Ausstellung, im obersten Geschoss, der Ebene 5. Der Weg dorthin führt an vorwiegend abstrakten Bildwerken vorbei, deren vorherrschende Gemeinsamkeit ihre stark strukturierte Oberfläche ist. Ulrike Ganter prägt die Strukturen mit Hilfe von Marmormehl, also materiell. Auch bei Poschlep bleibt das Auge an den Erhebungen der Leinwand hängen, selbst wenn sie nur kunstvoll gemalt sind. Ebenso bei ihren farbintensiven Bildern, in denen wie bei "Landscape" ein flammendes Rot oder in "Silver" ein sattes, durchbrochenes Grün dominieren. An einem Treppenaufgang ziehen "Madame Pompadour" und eine "Caribbean Queen" die Aufmerksamkeit auf sich. Die schmalen Malereien, von Poschlep in Aqua-Acryltechnik ausgeführt, erscheinen trotz kräftiger Farben transparent und wirken auf dem schwarzen Bildgrund wie ein vom Wind bewegtes Tuch.

Ganters "Mein Ottobrunn".

(Foto: Ulrike Ganter)

Durch Materialien geprägt sind viele der ins Gegenständliche driftenden Bilder von Zacharski. Kleinere Farbflächen heben sich vom helleren Hintergrund ab. Fabrikgebäude oder Hochhäuser, Werkzeuge oder Mauern verweisen auf die Komplexität der heutigen Welt. Sie kombiniert auch Rost und Gold zum markanten, ungegenständlichen Doppelbild "Alles Gold I und II". Ihre dreiteilige München-Collage im Erdgeschoss des Rathauses ist realistisch angeregt und zugleich ein kunstvoller Auftakt zu einer bemerkenswerten Ausstellung in einem Haus, das auch als Galerie seine Qualitäten hat.

Die Ausstellung "Farbe - Form - Linie" im Rathaus Ottobrunn, Rathausplatz 1, Ottobrunn, dauert bis 30. September und ist geöffnet Montag bis Freitag von 8 bis 12 Uhr, Donnerstag 14 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Am Sonntag, 27. September, sind die Künstlerinnen von 12 bis 16 Uhr anwesend. Weitere Informationen unter www.S18ateliers.de.

© SZ vom 11.09.2020

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