Ottobrunn Der Gegenentwurf zum Reihenhaus

Architektouren führen in Ottobrunn zu zwei extravaganten Gebäuden: einem Zinktank und einem bewohnten Klavier

Von Sara della Malva, Ottobrunn

Das Vogelgezwitscher ist lauter hier oben. Aus jedem Fenster blickt man auf das Geäst eines Baumes - alles ist grün. Man fühlt sich wie in einem Baumhaus. So haben es die Architekten Susanne Weiland und Rolf Berninger vorgesehen, denn so hat es sich Bauherrin Astrid Dobmeier gewünscht. Der Anbau an dem alten Einfamilienhaus in Ottobrunn steht auf Stelzen, verkleidet ist er mit einem Blechmantel. Fremd und doch homogen wirkt er zwischen den Bäumen, die das Haus von Astrid Dobmeier umgeben. Bei den Architektouren der Bayerischen Architektenkammer war das ungewöhnliche Haus an der Beethovenstraße für die Öffentlichkeit zu besichtigen - neben dem Haus für einen Pianisten an der Bürgermeister-Wild-Straße, das von Form und Farbe her auch äußerlich an ein Klavier erinnert.

Licht durchflutet das Innere dieses extravaganten Anbaus. Die sich gegenüberliegenden Fenster wurden jeweils versetzt angebracht, damit das Tageslicht jede Ecke des Raumes ausleuchtet. Die hohen Decken und das helle Holz unterstreichen den freundlichen und offenen Eindruck des Raumes. "Wir waren nach der Fertigstellung überrascht von der sakralen Stimmung hier drin. Das Licht und die Bauweise verleiht allem etwas Kapellenartiges", sagt Architektin Susanne Weiland.

Zinktank nennt sich dieser auf Stelzen stehende Anbau eines Einfamilienhauses in Ottobrunn.

(Foto: Claus Schunk)

Im Zuge der Architektouren öffneten am Samstag und Sonntag mehr als 200 Projekte in ganz Bayern ihre Türen für die Öffentlichkeit. So auch der sogenannte Zinktank in Ottobrunn. Der Anbau besteht aus Fichtenplatten, die wie ein Kartenhaus zusammengesetzt wurden, wie Architekt Berninger erklärt. "Dass man aus einfachen Mitteln etwas Besonderes machen kann, beweist dieses Projekt." An nur einem Tag wurde die Holzkonstruktion, die auf vier Stahlstützen steht, aufgebaut. Mit Isolierung, Dämmung und Verkleidung dauerte der Bau vier Monate.

Ende 2016 konnte Astrid Dobmeier ihr neues Baumhaus beziehen. Derzeit nutzt die systemische Beraterin es für Seminare und Workshops. Die Stimmung, die der Raum ausstrahlt, sei ideal für ihre Arbeit, sagt sie. "Im Japanischen gibt es die Idee des Waldbadens. Eben dieses zur Ruhe Kommen erlauben diese Räume. Die Atmosphäre ist durch den Blick auf die Bäume frei und leicht und dennoch ist es ein geschützter Raum." Auch für sie sei es ein Ruheort zum Gedankensortieren.

Dieses Klavierhaus hat Stephan Rauch für einen Pianisten geplant.

(Foto: Claus Schunk)

Mit eingebautem Bad und einem Vorraum, der mit einer Küche ausgestattet sogar abtrennbar zum eigentlichen Raum ist, bietet der Anbau ein hohes Maß an Wandelbarkeit. Für die Zukunft könnte vielleicht auch eine Einliegerwohnung oder ein Kinderzimmer daraus werden, sagt die Eigentümerin. "Uns ist wichtig, dass das, was wir tun, Spaß macht. Sowohl uns bei der Umsetzung als auch dem Kunden im Ergebnis - genau das tut dieses Projekt", sagt Architekt Berninger.