Ottobrunn:Besonderer Geist

Gymnasium ist in der Endrunde für Deutschen Schulpreis

Von Daniela Bode, Ottobrunn

Mint-freundliche Schule, Umweltschule, Schule ohne Rassismus - das Gymnasium Ottobrunn hebt sich schon durch so einige Attribute von anderen Schulen ab. Nun ist es im Rennen um den Deuschen Schulpreis 2020. Ein Juryteam hat sich diese Woche zwei Tage ein Bild von der Qualität der Bildungseinrichtung gemacht. Zuvor hatte eine Jury aus Praktikern und Bildungswissenschaftlern sie auf Basis einer umfangreichen Bewerbung ausgewählt. Außer dem Ottobrunner Gymnasium konkurrieren noch weitere 19 Schulen um den Preis. Ursprünglich beworben hatten sich etwa 80 Einrichtungen.

In den Gesprächen mit den Jurymitgliedern ging es darum, sich als Schule zu reflektieren und möglichst gut darzustellen. Wie die Chancen des Gymnasiums unter den Wettbewerbern stehen, dazu konnte das Juryteam bei einem Pressegespräch nach dem Besuch noch nichts sagen. Doch entsprechend ihren vielen positiven Beobachtungen dürften sie nicht schlecht sein. Juror und ehemaliger Schulleiter Gerhard Eikenbusch hob die Zusammenarbeit von Eltern und Schule als "ganz starkes Pfund" hervor.

Juror Thomas Oertel, Referent für Schulberatung und Schulleitungscoaching am Institut für Qualitätsentwicklung in Mecklenburg-Vorpommern, betonte die Atmosphäre als besondere Stärke. Die Schüler könnten hier "in einer sehr angstfreien, zugewandten Umgebung" lernen. Hans Anand Pant, der an der Humboldt-Universität in Berlin als Professor angehende Lehrer ausbildet, führt die "vielen hochklassigen Leistungen" auf ein gutes Zusammenspiel der Akteure zurück: "Die Schüler haben Glück mit ihrer Schule und die Schule mit ihren Schülern", sagt er. Juror Wilhelm Windmann hob unter anderem die beispielhaften Leistungen etwa als digitale Schule und die Zusammenarbeit mit Partnern beim Projekt "Business at school" hervor. Bei dem Besuch gab es durchaus auch witzige Situationen. Oertel erzählte, dass in einer Klasse alle Anzug und Krawatte trugen und er sich dachte, das sei ein bisschen viel für den Schulpreis. Bis er später erfuhr, dass die besondere Kleidung einer Aktion der Schülermitverantwortung, dem Mottotag "Lieblingskleidung" geschuldet war. Wieder so eine Besonderheit an dem Gymnasium.

Wie die Schulleitung das Standing des Hauses einschätzt? Direktor Achim Lebert äußerte sich zurückhaltend. "Wir sind unter die ersten 20 gekommen, da hat sich schon Energie aufgebaut", sagte er. Aus seiner Sicht gebe es einen "besonderen Geist" an der Schule, der gerade durch widrige Zeiten wie die Auslagerung in Container vor ein paar Jahren gewachsen sei.

In Ottobrunn und an den anderen Schulen ist noch etwas Geduld angesagt. Die Jury nominiert im März bis zu 15 Schulen für den Schulpreis. Der Gewinner des Hauptpreises erhält 100 000 Euro, die weiteren fünf Preisträger teilen sich mehr als 100 000 Euro. Alle Nominierten ohne Preis bekommen 5000 Euro und profitieren vom Schulentwicklungsprogramm des Schulpreises etwa bei Seminaren.

Der Deutsche Schulpreis wird von der Robert Bosch Stiftung mit der Heidehof Stiftung seit 2006 vergeben. Er ist der bekannteste und höchstdotierte Schulpreis im Land. Die Jury bewertet bei ihrer Entscheidung die sechs Bereiche Leistung, Umgang mit Vielfalt, Unterrichtsqualität, Verantwortung, Schulleben und Schule als lernende Institution. Diese gelten als Merkmale für gute Schulqualität. Gewinnen ist nicht der alleinige Sinn des Wettbewerbs. "Es ist eine gute Möglichkeit, sich hierarchiefrei als Schule zu reflektieren und Hilfe dabei zu bekommen", sagte Oertel. Schon unter die ersten 20 zu kommen, sei eine große Leistung, wie die Juroren der Schule attestierten.

© SZ vom 31.01.2020
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