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Oberschleißheim:Vom Rand in die Ortsmitte

Die katholische Kirche plant den Umzug ihres Kindergartens in Oberschleißheim

Von Klaus Bachhuber

Der älteste Kindergarten Oberschleißheims zieht um. Der Katholische Pfarrverband plant den Neubau einer Kindertagesstätte mitten im Ortskern, neben der Pfarrkirche Maria Patrona Bavariae. Der bisherige Kindergarten der Pfarrei an der Freisinger Straße soll aufgegeben und ebenso wie das vorgelagerte Pfarrer-Kranz-Haus mittelfristig für eine komplett neue Nutzung überplant werden.

1995 war der Kindergarten Maria Patrona Bavariae zuletzt saniert worden, vor einigen Jahren noch einmal das Dach ausgebessert. Jetzt ist schon wieder Renovierungsbedarf, aber eine neuerliche Sanierung ist laut Erzbischöflichem Ordinariat nicht mehr rentabel. Hinsichtlich eines schon länger erwogenen Neubaus habe man "noch mal anders hingeschaut", schildert Pfarrer Uli Kampe. So sei auch die Standortfrage erwogen wurden. Denn der Kindergarten ist weit abgelegen von allen anderen Einrichtungen der Pfarrei. Der Saal des Pfarrheims sei beispielsweise für den Kindergarten nur mit aufwendiger Anreise nutzbar. In der zweiten Pfarrei des Pfarrverbands, in St. Wilhelm, sind Kirche, Pfarrheim und Kindertagesstätte ein Gebäudeensemble, die Wege minimal. Das Ordinariat hat daher eine Studie zu geeigneten Flächen im Eigentum der Kirche erstellen lassen und ist im Herzen der Pfarrei fündig geworden. Westlich von Pfarrkirche und Pfarrheim und nördlich des Pfarrhauses liegt inmitten des Alt-Ortes eine Brachfläche, die bislang als Pfarrgarten dient. Diese sei für die geplante Maßnahme geeignet, heißt es aus dem Ordinariat. Mit einem Kinderhaus wäre eine bisher nicht genutzte und sonst kaum nutzbare Fläche "einer sinnvollen Verwendung zugewiesen".

Mit der Lage unmittelbar am Pfarrheim wären auch Synergieeffekte möglich, so könne etwa der Parkplatz gleich für den Kindergarten mitgenutzt werden. Entstehen soll ein Gebäude mit einem Obergeschoss, das vier Kindergartengruppen aufnimmt, darunter eine integrative und inklusive Gruppe. Im jetzigen Kindergarten an der Freisinger Straße haben drei Gruppen Platz. Der Bauausschuss des Gemeinderats hat bereits einstimmig eine Änderung des Bauleitplans in Auftrag gegeben, um den Neubau zu ermöglichen.

Bis zum Bezug eines Neubaus werde der bestehende Kindergarten weiter genutzt, versichert Pfarrer Kampe, es gebe keinerlei akute Einschränkungen. Anschließend solle der gesamte Komplex an der Freisinger Straße überplant werden. Momentane Vision ist dem Pfarrer zufolge eine "sozialverträgliche Wohnbebauung". Allerdings werde es vor Fertigstellung des neue Kindergartens keine Planungen geben. "Wir machen einen Schritt nach dem anderen."

Damit dürften auch die Tage des Pfarrer-Kranz-Hauses gezählt sein. Das Gebäude gegenüber der Schlossmauer steht nicht unter Denkmalschutz, es hat nur historischen Erinnerungswert: Hier wurde 1902 ein "Kinderhort" für Schleißheim eröffnet. Seit dem Umzug des Kindergartens 1973 in den Garten dahinter wurde das Haus für diverse Zwecke genutzt. 1987 wurde es nach dem einstigen Oberschleißheimer Pfarrer Josef Kranz (1883 bis 1974) benannt, dessen langes Wirken viele Spuren im Ort hinterlassen hat.

© SZ vom 11.01.2021
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