Oberschleißheim:Schluss mit dem Flickwerk

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Bahnhofsvorplatz Oberschleißheim

Der Brunnen - im Bild mit Winterabdeckung - soll erhalten werden. Möglicherweise wird er allerdings verschoben.

(Foto: Florian Peljak)

Die kürzlich nach Max Mannheimer benannte Fläche vor dem S-Bahnhof soll ein Platz werden, der diesen Namen verdient. Dazu lobt die Gemeinde einen Wettbewerb aus

Von Klaus Bachhuber, Oberschleißheim

Zum 100. Geburtstag von Max Mannheimer im Februar wurde der Platz vor dem Oberschleißheimer S-Bahnhof zu Ehren des Holocaust-Überlebenden benannt, der lebenslang für Erinnerung und Aussöhnung warb. Die Namensgebung war formal deshalb unproblematisch, weil es eine Postadresse für diesen Platz zuvor nicht gab, oder, wie es in der seinerzeitigen Debatte sarkastisch pointiert wurde: weil es auch den Platz nicht gibt. Der Oberschleißheimer Bahnhofsvorplatz ist die Fläche, die nach der überhasteten Errichtung des Bahnhofs 1972 übrig blieb und auf der seither mehrfach als Flickwerk nachgebessert wurde.

Knapp 50 Jahre nach der Verlegung des Bahnhaltepunkts an diese Stelle peilt die Gemeinde im Zuge des Städtebauförderprojekt "Soziale Stadt" nun den großen Wurf an. Ein internationaler Architektenwettbewerb soll eine grundlegend überarbeitete Platzgestaltung liefern. Neu geregelt werden sollen damit Eckpunkte wie die Anordnung der Bushaltestellen und die innere Erschließung zwischen S-Bahn und weiterführenden Verkehrsmitteln inklusive durchgängiger Barrierefreiheit, ebenso die Straßen- und Wegeführung für Fußgänger, Radfahrer, Autos und Busse. Es soll mehr und modernere Fahrradständer geben, aktuelle Anforderungen wie Leihradstation, Car-Sharing-Stellplätze oder E-Ladestellen sollen integriert werden. Zudem soll der Platz optisch aufgehübscht werden und Aufenthaltsqualität erhalten.

Die Rahmenvorgaben für den Wettbewerb hat der Gemeinderat jetzt einstimmig durchgewinkt. Dem Bahnhofsvorplatz waren schon bei der Einstiegsanalyse ins Städtebaufördergramm "funktionale und gestalterische Mängel" attestiert worden. Mit dem Wettbewerb soll nun erreicht werden, "dass das Bahnhofsumfeld seinen technischen Anforderungen und der gestalterischen Rolle wieder gerecht wird", hieß es im Grundsatzbeschluss. Erwartet werden Gesamtkosten von rund 2,5 Millionen Euro, von denen etwa 60 Prozent über das Förderprogramm finanziert werden.

Neben den technischen und inhaltlichen Anforderungen an die Ausstattung gibt der Wettbewerbstext auch vor, dass "ein repräsentativer Bahnhofsvorplatz entstehen soll, der als solcher wahrnehmbar ist und als Ankommenspunkt für Oberschleißheim dient". Gewünscht werde "ein begrünter Bahnhofsvorplatz hinsichtlich Verschattung, Mikroklima und Vermeidung von sommerlicher Überhitzung" mit "einheitlicher attraktiver Gestaltung mit verschiedenen Nutzungsbereichen: Warten, Treffen, Ausruhen".

Im Gemeinderat regten Peter Benthues (CSU) und Casimir Katz (FDP) an, ausdrücklich auch die Option vorzusehen, einzelne Funktionen oder Ausstattungsteile in den Untergrund zu verlegen. Die Anregung an die Planer wird nun in den Vorgaben ergänzt, allerdings mit der Anforderung, die zwangsweise entstehenden Mehrkosten auch durch einen Mehrwert in der Planung zu rechtfertigen.

Nicht verzichten will der Gemeinderat auch auf den Flötenspieler-Brunnen. Der Wettbewerb sollte den Teilnehmern völlig freie Hand lassen und bezeichnete den Brunnen wie auch das Mosaik des Gemeindewappens jenseits der Mittenheimer Straße als Verfügungsmasse, die eingeplant oder entfernt werden könnten. Benthues monierte, dass sich mindestens der Brunnen "gut eingebürgert" habe, er werde "von der Bevölkerung liebevoll angenommen". Die Ausschreibung wird nun dahingehend korrigiert, dass der Brunnen erhalten werden muss, allerdings könnte er verschoben werden.

Anfang 2021 soll der Wettbewerb gestartet werden, an dem sich europaweit 15 Büros beteiligen können. Das Preisgericht wird mit sieben Stadtplanern und Landschaftsarchitekten bestückt sowie dem Bürgermeister und sechs Gemeinderäten. Die Wettbewerbsentwürfe sollen Anfang Juni eingereicht werden, Anfang Juli tagt das Preisgericht. Ende 2021 könnte der fertige Planentwurf stehen.

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