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Oberschleißheim:Beilscharfe Bühnentiere

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Berührend und komisch zugleich: die Gewinnerin des Scharfrichterbeils 2019 Lucy van Kuhl.

(Foto: Veranstalter)

Brettlkünstler prägen Oberschleißheimer Spielzeit

Als Kleinkunstbühne und Hort der scharfzüngigen, antiklerikalen Gegenkultur ist das Scharfrichterhaus in Passau in den späten Siebzigern und Achtzigern berühmt geworden. Heutige Größen des Genres wie Sigi Zimmerschied, Bruno Jonas und auch der junge Otti Fischer gehörten damals zu den Protagonisten. Das Scharfrichterbeil ist ein dort verliehener Kabarettpreis, der seit 1983 an Nachwuchskünstler vergeben wird: Hape Kerkeling war der erste Sieger, andere Künstler wie Andreas Giebel, Michi Altinger, Jess Jochimsen oder Hagen Rether folgten. Auch Luise Kinseher hat ihn 1999 zu Beginn ihrer Karriere gewonnen und danach hat es 20 Jahre gedauert, bis 2019 in Corinna Fuhrmann alias Lucy van Kuhl wieder eine Frau in Passau ausgezeichnet wurde.

Die beiden "beilscharf" prämierten Künstlerinnen sind auch Protagonistinnen der kommenden Oberschleißheimer Kulturspielzeit. Luise Kinseher präsentiert am 19. November ihr Programm "Mamma Mia Bavaria". Darin geht sie der Behauptung auf den Grund, ob derjenige, der Bayern kann auch Europa kann und konstatiert: "Heimat ist da, wo es besonders weh tut". Während die Niederbayerin Kinseher die ihre Magisterarbeit über Sigi Zimmerschied geschrieben hat, noch als klassische Kabarettistin gelten darf, ist Lucy van Kuhl, die am Donnerstag, 28. Januar, in Oberschleißheim auftritt, eine aus der Klassik kommende Klavierkabarettistin, die in ihren Chansons berührend und komisch, frech und poetisch zugleich ist: "Ich will fliegen mit dir, die Welt umkreisen, bis die Gedanken verreisen", singt sie.

Martin Frank wiederum hat das Scharfrichterbeil zwar nie gewonnen, dafür aber andere wichtige Kleinkunstauszeichnungen wie den Bayerischen Kabarettpreis 2018 (Senkrechtstarter) und hat gleichsam qua Gnade der niederbayerischen Geburt (Hutthurm im Landkreis Passau!) exzellente Voraussetzungen als Kabarettist. Er präsentiert sein Programm "Einer für alle - alle für keinen" am 20. Oktober im Bürgerzentrum und zwar - wie auch Kinseher - gleich zweimal an einem Abend.

Aufgrund der besonderen Umstände - Hygienemaßnahmen, Abstandsregeln, Zuschauerreduzierung inklusive neue Bestuhlung - bittet das Oberschleißheimer Kulturteam um Gaby Hohenberger die Kartenbesitzer der bereits zu Beginn von Corona ausverkauften Veranstaltung von Martin Frank um organisatorische Mithilfe: Die bereits gekauften Karten behalten ihre Gültigkeit, aber die Besucher müssen sich bis 1. Oktober neu registrieren. Es wird wegen der limitierten Personenanzahl im Innenbereich zwei Auftritte des 28-jährigen Kabarettisten, der als hintersinnig-charmantes Bühnentier bekannt ist, an diesem Tag geben. Die erste Veranstaltung findet um 18 Uhr und die zweite um 21 Uhr statt, ohne Pause und auf 70 Minuten gekürzt. Die Registrierung erfolgt per Mail an Kultur@oberschleissheim.de oder in den Vorverkaufsstellen bei Schreibwaren Heckenstaller und Schreibwaren am Schloss. Hohenberger freut sich, trotz der Umstände, wieder ein "hochwertiges Programm anzubieten". Aufgrund der Vorgaben der Staatsregierung zu Corona sind zu kulturellen Veranstaltungen in geschlossenen Räumen derzeit nur 200 Besucher zugelassen, was für Oberschleißheim bedeutet, dass im Bürgerzentrum nur 170 Besucher möglich sind - wenn sie zu zweit sitzen.

Neben Kabarett bietet das Programm diverse andere Veranstaltungen, teils solche die vom Frühjahr auf den Herbst verschoben wurden - der "Beethoven and more"-Abend mit den beiden jungen, preisgekrönten Pianisten Peter Chukhnov und Chia Lun Hsu am 28. November etwa - oder das Weihnachtskonzert mit Rudi Zapf & Freunde am 6. Dezember. Die Saison eröffnen wird der Autor Andreas Schröfl am 10. Oktober mit der Krimilesung "Weißbier Requiem". Dabei demonstriert er, dass nicht nur ein scharfes Beil, sondern auch Biersud gefährlich sein kann. Weitere Infos unter www.oberschleißheim.de.

© SZ vom 18.09.2020 / wat
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