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Bankautomat:Keine Aufzeichnung, kein Geld

Statt Münzen hat Roland Blöchl Geldscheine in einen Bankautomaten gesteckt. Video-Aufnahmen existieren davon nicht.

(Foto: Imago)

Ein Sparkassen-Kunde aus Oberschleißheim legt versehentlich Scheine in ein Fach für Münzen. Die 480 Euro sind seitdem verschwunden.

Ein kleiner Fehler, der Beginn eines undankbaren Abenteuers und bisher kein Happy End. Der Versicherungsangestellte Roland Blöchl aus Oberschleißheim war gerade aus einem Urlaub am Gardasee zurückgekommen, als er an einem Freitagabend Ende Juni 480 Euro in Scheinen bei der örtlichen Kreissparkasse an der Haselsbergerstraße einzahlen wollte.

Pech nur, dass er die Banknoten versehentlich in einen Automaten für Münzen legte. Blöchl bemerkte seinen Fehler sofort, doch es war schon zu spät. Das Fach ging flugs wieder zu. "Keine Einzahlung getätigt", zeigte das Display, der Automat ließ seine EC-Karte wieder heraus, das Geld war weg. In der Hoffnung, dass das Gerät die Banknoten wieder ausspucken würde, zahlte ein anderer Bankkunde Münzen ein, doch es tat sich nichts. Also wählte Blöchl den Notruf der Sparkasse. Ein Techniker würde am darauffolgenden Montag den Automaten kontrollieren, das Geld werde auf sein Konto umgeschrieben, habe man ihm versichert, erklärt Blöchl.

Von hier an wird die Geschichte mysteriös, denn von den Scheinen fehlt bis heute jede Spur. "An dem Montag sagte mir eine Mitarbeiterin der Filiale, das Geld sei wahrscheinlich weg", erzählt Blöchl. Der Automat habe es womöglich zu einem späteren Zeitpunkt wieder ausgespuckt. "Ich war fassungslos", sagt der enttäuschte Kunde. Nach einem Besuch und weiteren Anrufen, habe das Bankpersonal ihn auf die spätere Automatenleerung vertröstet, sagt Blöchl.

Eine Sprecherin der Sparkasse widerspricht: Der Automat sei direkt am Montag überprüft worden. Jedenfalls bekam Blöchl Ende der Woche die Bestätigung, dass im Automaten keine Scheine zu finden waren. Es folgten mühsame Gespräche, Telefonate und Briefe. Blöchl beschwerte sich beim Vorstand der Kreissparkasse, sogar bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Alles vergeblich. In der Antwort des Vorstands, die der Redaktion vorliegt, wird Blöchl um Verständnis gebeten, "dass wir bei der vorliegenden Sachlage keine Erstattung vornehmen können".

Auf Empfehlung des Filialleiters erstattete Blöchl dann Anzeige gegen unbekannt, doch die mittlerweile eingestellten Ermittlungen geben womöglich noch mehr Rätsel auf. Wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft München I der Süddeutschen Zeitung erklärt, hat die zuständige Staatsanwältin die Herausgabe der Videoaufzeichnungen durch die Kreissparkasse gefordert. Dies sei aber nicht möglich gewesen, "da technisch bedingt keine Aufnahmen des Automaten vorliegen". Die Bänder vom Tag seien zwar vorhanden, dennoch gebe es "keine Aufzeichnungen vom maßgeblichen Tatzeitraum."

Deshalb stellte die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen "mangels Tatnachweises" ein. Über die Gründe für diesen Missstand wollte sich die Kreissparkasse nicht äußern: "Die Sicherung und Überwachung unserer Geschäftsräume ist ein sensibles Thema, welches wir nicht erörtern", erklärte eine Sprecherin.

Blöchl selbst, seit 30 Jahren Kunde bei der Kreissparkasse, ist außer sich: "Es ist beschämend. Irgendwas ist faul an der Geschichte." Er fühle sich von seiner Bank im Stich gelassen. Es könne nicht sein, dass ein Fehler solche Konsequenzen hat. Er prüfe gerade eine Anzeige gegen die Kreissparkasse. Sicher ist, dass er sich eine neue Bank suchen wird.