Oberhaching:Mit bekannten Inhalten gegen eine "hübsche Verpackung"

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Der Kandidat: Wolfgang Lex will für die Kreis-SPD nach Berlin. (Foto: Angelika Bardehle)

Wolfgang Lex bringt sich auf seiner Ochsentour durch die SPD-Ortsvereine als Herausforderer von Bela Bach um die Bundestagskandidatur in Position

Von Martin Mühlfenzl, Oberhaching

Über seine Leberknödelsuppe gebeugt sagt Wolfgang Lex einen erstaunlichen Satz: "Die SPD im Landkreis hat so viel Potenzial. Das müssen wir nutzen. Aber wir führen keine echten Debatten mehr. Und genau das will ich ändern."

Der Sozialdemokrat Lex hat einen abgetrennten Raum im Deisenhofener Weißbräu gewählt, um Aufbruchstimmung zu verbreiten - vor allem in eigener Sache. Er will der SPD-Kreisvorsitzenden Bela Bach die sicher geglaubte Bundestagskandidatur im Wahlkreis München-Land streitig machen. Nicht einmal mehr zwei Wochen lang hat der 54-jährige Oberhachinger Zeit, um die Mitglieder im Landkreis zu überzeugen und als Einzelkämpfer die von der Parteiführung unterstützte Bewerberin bei der Bundeswahlkreiskonferenz vom Kandidaten-Sockel zu stoßen.

Jetzt also der Weißbräu in Deisenhofen. Ein Helles auf dem Tisch und 14 Genossen auf den Stühlen vor sich. Hier in dem dunkel vertäfelten Raum, der den Charme der Siebziger ausstrahlt und der Oberhachinger SPD als Stammtisch-Refugium dient, kennt jeder "den Wolfgang". Verstellen muss er sich in seinem Ortsverein nicht; aber vorstellen will er sich trotzdem. Bis vor wenigen Tagen wussten ja die wenigsten, dass der Ingenieur für den Bundestag kandidieren will. Die SPD im Landkreis hat es gut verstanden, die Ambitionen von Lex zu verschweigen. Ganz so, als hätte sich ein Familienmitglied bei der letzten Zusammenkunft furchtbar daneben benommen. Aber irgendwann kommt halt doch raus, dass es Knatsch gibt.

Bereits im Vorjahr hatte Lex intern durchblicken lassen, er könne sich eine Kandidatur vorstellen. Im Juli informierte er schließlich die Parteiführung und reichte ganz offiziell seine Kandidatur ein. Und dann? "Dann habe ich erst mal eine Woche lang überhaupt nichts gehört und mal vorsichtig nachgefragt, ob mit den Unterlagen alles in Ordnung ist", sagt er und lacht. Das war der Fall, und seither geht er in eigener Sache auf Wahlkampftour durch die Ortsvereine. "Ochsentour" sagt Lex. "Also zu denen, die zurückgeschrieben haben. Das waren aber nicht alle."

Sein eigener Ortsverein in Oberhaching ist seine zwölfte Station. Lex will erklären, warum er den Plan, Bach zum zweiten Mal nach 2013 ins Rennen zu schicken, durcheinander wirbelt. Und schickt gleich voraus, dass es rein um Inhalte gehen soll - und er mit jenen der Kreisvorsitzenden, die seit dem Frühjahr 2015 im Amt ist, nicht immer einverstanden ist. Und doch kommt Lex an der Verpackung nicht vorbei: "Es reicht nicht, ein hübsches junges Gesicht nach vorne zu schieben und auf Plakate zu drucken." Da ist schon zustimmendes Murmeln der Oberhachinger Genossen zu vernehmen.

Dann aber soll es doch um Inhalte gehen - und um Werte. "Und beides hängt doch eng zusammen", sagt Lex. "Wir müssen unsere sozialdemokratischen Werte ganz offensiv nach außen vertreten, dann können wir auch im Landkreis Erfolg haben." Als bodenständiger, im Ort verwurzelter, gläubiger Katholik könne er persönlich punkten, sagt der Oberhachinger. In Kombination mit seinem Fachwissen als Ingenieur würde dies der Partei gut tun. Und dann kommt doch noch ein Seitenhieb auf seine Konkurrentin: "Ich habe ein bisschen mehr mitgekriegt von der Welt, ich kann technisch punkten und verstehe Zusammenhänge." So sei die Energiepolitik sein Steckenpferd: "Wir brauchen eine echte Energiewende, wir müssen Brennstoffzellen endlich entwickeln." In der Gesundheitspolitik müsse endlich die Bürgerversicherung in einen Koalitionsvertrag rein. Der Mindestlohn sei "eine feine Sache", aber er müsse ausgebaut und gestärkt werden, wie Arbeitnehmerrechte an sich. Fluchtursachen müssten stärker bekämpft werden; der Westen, der für die wirtschaftliche und politische Lage in Afrika verantwortlich sei, müsse Verantwortung übernehmen: "Das heißt auch, dass es keine Waffenlieferungen mehr geben darf." Und es bedarf unbedingt eines Einwanderungsgesetzes.

Es ist die Art von Wolfgang Lex, die Bögen manchmal zu weit zu spannen. "Wenn du bei der Nominierung Erfolg haben willst, darfst du nicht so weit ausholen", sagt eine Parteifreundin. "Du musst ganz klar auf den Punkt bringen, warum du der bessere Kandidat bist." Bei zwei eher linken Sozialdemokraten, das weiß auch Lex, ist das keine einfache Aufgabe. Und so will er neben seiner Erfahrung mit einem Themenbereich punkten, den seine Konkurrentin selbst gesetzt hat: die Entkriminalisierung von Cannabis. Mit seiner klaren Ablehnung trifft er in seinem Ortsverein auf Zustimmung. Der spiegelt an diesem Abend freilich auch die Mitgliederstruktur der Partei wider: Der Großteil der Sozialdemokraten ist jenseits der 60. Und die hören solche Sätze natürlich gern: "Mit dem Thema Kiffen gewinnt man sicher keine Wahlen."

Der Stammtisch in Oberhaching ist für Wolfgang Lex ein Heimspiel. Wie er in den anderen Ortsvereinen ankommt, ist schwer zu beurteilen. Dort liefen die Vorstellungen bisher stets hinter verschlossenen Türen ab. "Ich habe aber wirklich ein gutes Gefühl", sagt der Kandidat. Viel wichtiger aber sei, dass die Partei aus diesem Prozess gestärkt hervorgehe, sagt Lex: "Und egal wer am Ende gewinnt, die Kandidatin oder Kandidat hat sicher an Profil und Format zugelegt." Das, sagt er, könne der SPD im Landkreis wirklich nicht schaden: "Denn ich erkenne noch nicht genau, wofür eigentlich Bela steht. Außer in einem Punkt."

© SZ vom 24.09.2016 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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