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Oberhaching:Auch Senioren überweisen ihr Geld jetzt online

Mobile TAN - Online-Banking

Aus Angst vor dem Virus haben viele ältere Kunden ihre Scheu vor dem Onlinebanking überwunden.

(Foto: Lino Mirgeler/dpa)

Die Pandemie hat nach Angaben der VR Bank München Land das Verhalten ihrer Kunden verändert

Von Iris Hilberth, Oberhaching

Oma hat jetzt Whatsapp und Opa macht seit einem halben Jahr Online-Banking. Trotz guten Zuredens haben Enkel und Bankberater es oft nicht geschafft, Senioren die Möglichkeiten der digitalen Technik näherzubringen. Zu groß waren die Bedenken oder die Ansicht überwog: Das brauchen wir nicht. Doch dann kam Corona. Und damit die Großeltern-Generation zu Smartphone, Tan und Pin.

"Wir haben einen deutlichen Anstieg von Online-Banking registriert, die Generation 60 plus macht das nun wie selbstverständlich", berichtet Andreas Müller, Vorstand der Volks- und Raiffeisenbank (VR-Bank) München Land. In der Corona-Krise sei ein starker Trend zum bargeldlosen Zahlungsverkehr zu beobachten. "Wir haben 40 Prozent weniger Verfügungen an unseren Geldautomaten", sagt Müller. Auch seien die Besuche in den Geschäftsstellen zurückgegangen.

Allerdings hatte die VR-Bank in ihren 20 Zweigstellen im Münchner Süden und Osten während des Lockdowns auch den "unkontrollierten Besuch", wie Müller ein spontanes Betreten der Bank bezeichnet, eingeschränkt. Wer kommen wollte, brauchte einen Termin. Davon sei rege Gebrauch gemacht worden, wie auch von der telefonischen Beratung. Vor allem trieb die Kunden die Frage um: Wie lege ich aktuell mein Geld an? "Wir haben so viele Wertpapierdepot-Eröffnungen wie in den letzten zehn Jahren nicht mehr", so Müller. Er spricht etwa von einer Verdopplung im Vergleich zum Vorjahr, hauptsächlich im Aktienbereich. Auch seien viele Kunden von anderen Geldinstituten zur VR-Bank gewechselt, "weil wir eben noch kein generelles Verwahrentgeld verlangten", so Müller. Allerdings räumt der Vorstand ein, dass bei großen Guthaben inzwischen auch die Genossenschaftsbank über Negativzinsen nachdenken müsse, "der Druck wird größer", sagt er. Im Gespräch seien Guthaben ab einer Höhe von einer Million Euro.

Bislang habe die Pandemie "moderat" auf die Geschäftsentwicklung der VR Bank München Land durchgeschlagen, berichtet Müller und verweist auf die Solidarität des Genossenschaftlichen Finanzverbundes. Vor allem habe es viele Anfragen zu Liquiditätshilfen gegeben. Insgesamt zählte er 235 Anträge, davon 56 bis 50 000 Euro, die online erfolgten. Die größte Summe einer solchen Finanzspritze betrug vier Millionen Euro. Tilgung und Zinszahlen seien auf Wunsch ausgesetzt worden, bisher habe die VR-Bank keine Kreditausfälle zu verzeichnen. Unter den Anfragen nach Liquiditätshilfen waren nach Angaben der Bank überwiegend Dienstleistungsbetriebe, darunter viel Gastronomie, Hotels und Firmen aus der Tourismus und Messebranche. "Vom Reisebüro bis zum Stadtführer", sagt Müller. Manche gastronomische Betriebe seien im Sommer mit Freischankflächen noch ganz gut gefahren. Man müssen nun sehen, wie sich das weiter entwickele.

Der Blick zurück aufs das abgelaufene Geschäftsjahr 2019 stimmt den Vorstand zufrieden, er spricht von "ruhigem Fahrwasser" und "überdurchschnittlichem Betriebsergebnis". "Wir haben die Kosten im Griff, unsere Cost-Income-Ratio liegt bei 61,5 Prozent. Das ist eine sehr hervorragende Zahl", betont Müller und verweist darauf, dass die Kundengelder komplett in Form vom Krediten in der Region vergeben seien, "darauf sind wir stolz, das ist unsere Aufgabe".

Die Öffnungszeiten in den Filialen hat die VR-Bank allerdings in der Corona-Pandemie reduziert, oder wie Müller sagt, "dem Kundenverhalten angepasst". Nachmittage wurden gestrichen und auf ganz frühe Zeiten hat man verzichtet. Dafür habe man die Beratung erweitert und seit dem 1. Oktober auch Spezialisten für Gewerbekundenbetreuung, Baufinanzierung und landwirtschaftliche Fachberatung. "Unser Fokus wird immer mehr auf der Beratung liegen", ist er überzeugt. Die 20 Filialen sollen hierfür erhalten bleiben, in Haar und in Münsing werden sie in den kommenden drei Jahren in Neubauten umziehen. Der Vorstand macht sich derzeit auch Gedanken darüber, ob weiterhin in jeder Filiale, wie es heißt, das "Vollsortiment" angeboten wird oder die Zweigstellen sich spezialisieren sollten. "Wir werden aber keine Mitarbeiter abbauen", verspricht Müller.

© SZ vom 13.10.2020

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