Neubiberg:Selbstbewusste Sängerinnen

Neubiberg, Montessorischule, Unternehmerinnenchor von Claudia Römer, Sopranistin und Pianistin, Foto: Angelika Bardehle

Claudia Römer (am E-Piano) bringt Unternehmerinnen zum Singen.

(Foto: Angelika Bardehle)

In der Neubiberger Montessorischule probt Deutschlands erster Unternehmerinnen-Chor

Von Angela Boschert, Neubiberg

Anfangs waren es drei, heute sind es gut 30 Frauen, die sich dienstags in der Montessorischule in Neubiberg einfinden. Direkt aus ihrem Büro, Geschäft oder ihrer Praxis kommen sie abends zur Probe des ersten und einzigen Unternehmerinnen-Chors in Deutschland. Claudia Römer hat ihn 2013 ins Leben gerufen: "Freiberuflichkeit reizt mich, dahinter stehen Frauen, die ihr Ding machen. Das macht auf der Kehlkopf-Chakra-Ebene einen Unterschied", sagt die Gesangspädagogin.

Im Kehlkopf sitzt nach indischer Lehre eines der sieben Zentren spiritueller Kraft im menschlichen Körper. Kraft erwecken und zurückgeben will Römer. Sie leitet vom E-Piano aus die Probe, bei der sie von den Frauen viel fordert. Etwa, wenn auf Jacques Offenbachs berühmte "Barcarole" ein Liebesduett von Antonín Dvořak folgt, das gemäß tschechischer Tradition im Chor gesungen wird.

Dann müssen sich die Sängerinnen schnell auf den neuen Musikstil einlassen, und Römer hilft mit kurzen Hinweisen zur Musikepoche: "Bei Musik aus der Romantik muss die Spannung von Beginn an bis zum Ende gehen, auch im Piano", erklärt Römer. "Dann muss es zwar leiser, aber umso intensiver werden." Man merkt, wie die Opernsängerin selbst in das Stück sinkt. "Lasst das Herz sprechen", fordert sie die anderen Frauen auf. Ihr engagiertes Wesen fesselt die Aufmerksamkeit der Sängerinnen, die hier schnell ihren anstrengenden Alltag hinter sich lassen.

Die Sängerinnen hängen sich hörbar rein. Sie kommen aus dem ganzen Landkreis zur Probe. Noten lesen müssen sie nicht können, einigen reicht ein Textblatt, aber ihre Interpretationsideen erklärt Römer anhand des Notentextes. Römer zeigt mit ihrem Gesicht, was der Notentext verlangt. Das ist für die gelernte Sängerin und Kirchenmusikerin, die ihre Dirigierausbildung mit Auszeichnung abschloss, eine Selbstverständlichkeit: "Das bin ich den Damen schuldig, die kommen, um zu singen." Waren es anfangs ein- und zweistimmige Stücke, liegen jetzt vierstimmige Sätze obenauf in den Notenmappen. Das Repertoire geht von Schlagern, Popsongs, Volks- und Opernliedern in fremden Sprachen bis zu Filmmusik, Musical- oder Operettenhits.

Durchaus wird eine Gesangsszene auch gespielt. Sei es beim "Jägerchor" aus Carl-Maria von Webers Oper "Freischütz", den die Frauen mit Lodenjacken und Jägerhüten ausstaffiert bei 35 Grad Außentemperatur aufführten oder beim "Spinnerlied" aus Richard Wagners Oper "Der Fliegende Holländer", bei dem zumindest einige Stricknadeln schnell zu klappern begannen.

"Singen macht glücklich, es ist gut für die Seele", sagt die Architektin Julia Paust und alle Umstehenden nicken sofort. "Ich gehe vom Singen nach Hause und schlafe so gut wie sonst nie", hat Barbara Devani Uder, die Inhaberin eines Büros für Ayurveda-Reisen für sich festgestellt. Der Chor ist auch eine Kontaktbörse, hier treffen sich Fachfrauen aus Psychiatrie, Ergotherapie, Jura, Medizin, Floristik und Goldschmiedekunst mit welchen aus Gastronomie, Reise- und Lebenskunst, Hausverwaltung oder Steuerberatung.

Wer zur Probe kommt, hat die Teilnahme für ein halbes Jahr als Kurs gebucht und den Termin im Kalender stehen. Für die Sängerinnen zählt die Freude, der Kontakt und die Aktivität. Traten sie bislang vor allem bei privaten Geburtstagsfeiern auf und nahmen schon mehrfach an der Haarer Chornacht teil, steht diesen Sommer das erste eigene Konzert auf dem Programm.

Unter dem Motto "Sing mal mit!" lädt Römer für diesen Sonntag, 10. Februar, von 10 bis 13 Uhr interessierte Frauen zum Kennenlernen in die Montessorischule in der Arastraße 2 in Neubiberg. Gestartet wird mit Kanons, die jede mitsingen kann. In der Pause gibt es Frühstück und Zeit zum Gedankenaustausch. Nähere Informationen unter www.unternehmerinnenchor.de

© SZ vom 08.02.2019
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