Neubiberg:Roboter für eintönige Arbeiten oder als Freund

Neubiberg: Professorin Verena Nitsch und Doktorand Benedikt Leichtmann mit Pepper.

Professorin Verena Nitsch und Doktorand Benedikt Leichtmann mit Pepper.

(Foto: Claus Schunk)

Verena Nitsch und ihre Mitarbeiter forschen daran, wie Roboter teamfähig werden können - Pepper kann schon Emotionen an der Mimik erkennen

Von Daniela Bode, Neubiberg

"Wie geht es Dir?", fragt Pepper mit seinen großen, freundlichen Augen und seiner netten, hellen Stimme. "Gut", antwortet Verena Nitsch, kommissarische Leiterin des Instituts für Arbeitswissenschaft an der Universität der Bundeswehr in Neubiberg. Die Professorin beschäftigt sich mit Robotik und Fahrerassistenzsystemen. "Das freut mich, dass es Dir gut geht", erwidert Pepper. Man empfindet fast so etwas wie Sympathie für die kleine, weiße Plastikfigur auf Rädern. Pepper ist ein menschenähnlicher Roboter der japanischen Firma Softbank, den Nitsch und ihre Mitarbeiter in verschiedenen Studien nutzen. Er spielt auch eine Rolle in dem Projekt "forobotics", bei dem Nitsch und weitere Verbundpartner erforschen, wie selbst Industrieroboter teamfähig werden können.

Wie Pepper darf man sich Industrieroboter allerdings nicht vorstellen. Sie sind eher eine große fahrende Plattform, die mit einem Tablet und einem Roboterarm ausgestattet sind. Während die Maschinen früher an einem Ort standen, von dort ihr Programm abspulten und vom Menschen per Konsole gesteuert wurden, sind Roboter heute mobil. So untersuchen Nitsch und ihr Team, wie die Maschinen sich sicher bewegen. Eine weitere wichtige Frage, die es zu beantworten gilt, ist: "Wie soll der Roboter mit dem Menschen kommunizieren und umgekehrt?", sagt Nitsch. Es wird unter anderem überprüft, wo die Stärken und Schwächen der Maschine und wo die des Menschen liegen. So soll nicht der Roboter das Menschliche annehmen, sondern die eintönigen, schweren Arbeiten übernehmen. "Sinn und Zweck ist es, die Menschen wie durch ein neues Werkzeug zu entlasten", sagt Nitsch. "Es geht darum, die Menschen zu unterstützen, nicht sie zu ersetzen", sagt die Professorin.

Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, schickt Nitsch Psychologen aus ihrem Team wie ihren Doktoranden Benedikt Leichtmann in am Forschungsprojekt teilnehmende Industrieunternehmen und lässt sie analysieren, wie Roboter gebraucht werden und welche Fähigkeiten sie dafür benötigen. Sie haben sich angesehen wie Mensch und Roboter am besten kommunizieren. Eine Erkenntnis: Wegen des Lärms im Produktionsbetrieb macht es Sinn, wenn Menschen und Maschine sich nicht per Sprach- sondern per Handsignale verständigen. "Wir haben auch mit den Mitarbeitern und dem Betriebsrat gesprochen", sagt Nitsch. Denn mindestens genauso wichtig wie die bedarfsgerechten Fähigkeiten des Roboters ist es, dass er von der Belegschaft überhaupt akzeptiert und genutzt wird. "Manche haben Angst um ihren Arbeitsplatz", sagt Nitsch. Manche hätten auch einfach keine Erfahrungen mit den mechanischen Helfern. "Wir erforschen, was diese Ängste begründet und das Ziel ist, den Leuten diese Angst zu nehmen", sagt die Professorin.

In einem guten Team geht es freilich auch darum, sich gegenseitig zu informieren. Daher erforschen Nitsch und ihre Mitarbeiter auch, welche Informationen der Roboter dem Menschen geben soll und wie das technisch umzusetzen ist. "Es ist zum Beispiel wichtig, dass er angibt, in welche Richtung er fährt, sonst könnte das für den Menschen unberechenbar sein", sagt die Professorin. Diese Informationen könnte der Roboter beispielsweise per Beamer geben, indem ein Blinker erscheint. Genauso überprüfen die Forscher, welcher der richtige Abstand von Roboter und Mensch ist. Dabei kommt Pepper zum Einsatz. In dem Versuchsraum sind gelbe Markierungen auf dem Boden aufgeklebt für unterschiedliche Abstände. "Die Abstände beeinflussen, wie man den Roboter einschätzt", erläutert Doktorand Leichtmann.

Auch wenn es ambitioniert ist, in drei Jahren teamfähige Roboter zu entwickeln - so lange ist das Projekt angelegt - hört es sich vielversprechend an. Industrie und Forschung arbeiten Hand in Hand, es sind neben der Bundeswehruniversität sechs weitere Forschungseinrichtungen beteiligt sowie 19 Industrieunternehmen, darunter MAN und Yaskawa. Das Vorhaben wird mit zwei Millionen Euro von der Bayerischen Forschungsstiftung gefördert.

Übermütig ist Nitsch dennoch keineswegs. "Wir stehen da ganz am Anfang", sagt sie. Doch ihre Begeisterung für die Materie an sich ist nicht zu überhören. Es sei ein sehr spannendes Feld. Insbesondere, weil Roboter in so vielen Bereichen angewendet werden könnten und so viele verschiedene Fähigkeiten haben könnten. Pepper zum Beispiel wird eher im sozialen Umfeld eingesetzt werden. Er würde sich in der Pflege für den einen oder anderen Dienst nutzen lassen oder im Supermarkt über die neuesten Angebote informieren können. Wer weiß, vielleicht trifft man ihn eines Tages.

Wer dagegen nicht auf einen Zufall warten möchte, kann Pepper schon jetzt mieten. "Integrieren Sie Pepper in Ihr Seminar oder Ihre Schulung und erleben Sie echte Roboter-Gastfreundschaft" heißt es etwa auf der Homepage roboterverleih.eu. Pepper werde ein "Freund und Moderator" sein, wird versprochen.

© SZ vom 04.06.2018
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