Neubiberg:Pflanzenschutz einmal anders

Bundeswehr-Uni testet Nutzen von Sträuchern bei Explosionen

Wissenschaftler der Universität der Bundeswehr in Neubiberg haben bei Sprengversuchen herausgefunden, dass Pflanzen eine Explosionswirkung deutlich reduzieren können. So könnte etwa die Schutzwirkung vor Terroranschlägen auf großen Plätzen von Innenstädten erhöht werden, heißt es in einer Pressemitteilung der Bundeswehr-Uni. Bei ihren Sprengversuchen untersuchten die Wissenschaftler um Professor Norbert Gebbeken, wie Stoßwellen einer Explosion von Pflanzen abgeschwächt werden können. Die Ergebnisse seien mit bis zu 45 Prozent Druckreduktion beachtlich.

Die Sprengungen wurden Mitte September auf einem Testgelände der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung in der Nähe von Berlin vorgenommen. Projektverantwortlicher ist der Bauingenieur Paul Warnstedt, der sich an der Bundeswehr-Universität seit längerem mit diesem Thema beschäftigt. Die Pflanzen wurden in einer Entfernung von fünf Metern zu einer fünf Kilogramm schweren Ladung des Sprengstoffs TNT angeordnet. Dabei kamen unterschiedliche Pflanzenarten wie Bambus, Berberitze, Thuja und Eibe zum Einsatz. Die Wirkung der Explosionswelle wurde mit Sensoren gemessen, die hinter den Pflanzen standen. Die Referenzwerte kamen von Sensoren, die in der gleichen Entfernung zur Sprengladung standen und keinen Pflanzenschutz hatten.

Den besten Wert erzielte laut Uni-Pressesprecher Michael Brauns die Eibe mit 45 Prozent. Dahinter lagen die Thuja mit 40 Prozent und die Berberitze und der Bambus mit jeweils rund 30 Prozent.

Doch wo und wie könnten die Pflanzen eingesetzt werden? "Überall dort, wo wir an Orten mit vielen Menschen keinen Schutz vor möglichen Anschlägen mit Explosivstoffen haben. Das könnten etwa große Plätze in den Innenstädten sein", so Versuchsleiter Warnstedt. Mehr Pflanzen in den Städten hätten laut Warnstedt auch einen positiven Einfluss auf die Stadtökologie und das Stadtklima.

© SZ vom 19.11.2018 / SZ
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