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Neuanfang im Rathaus:Der Zielstrebige

Jung und dynamisch: Der neue Neubiberger Bürgermeister Thomas Pardeller von der CSU.

(Foto: Claus Schunk)

Der neue Neubiberger Bürgermeister Thomas Pardeller ist mit 32 Jahren der jüngste Rathauschef im Landkreis. Unerfahren ist er nicht

Zum Treffen im Zukunftswald im Landschaftspark Ende April kommt der künftige Neubiberger Bürgermeister Thomas Pardeller mit dem Fahrrad. Trotz der zehrenden Wochen des Wahlkampfs und der anspruchsvollen Vorbereitung für den neuen Posten in Zeiten der Corona-Pandemie sieht der 32-Jährige äußerst erholt aus. "Habe ich keine Augenringe? Obwohl ich gerade nur Gemüsebrühe esse", sagt er und lacht. Pardeller ist da noch am Heilfasten, auch um fit fürs neue Amt zu sein.

Dass man ihm die anstrengende Zeit im Vorfeld nicht ansieht, verwundert nicht. Gerade im vergangenen Jahr hat der CSU-Politiker bewiesen, dass er einiges wegschaffen kann. Keine schlechte Voraussetzung für einen Rathauschef. Pardeller hat mit seinem Team einen professionellen, stringenten Wahlkampf geführt und bei der Stichwahl gegen Kilian Körner (Grüne) 55,8 Prozent der Wählerstimmen eingeheimst. Auch die Umstellung auf einen Online-Wahlkampf nach dem ersten Wahlgang war schnell mit diversen Videos auf der Facebook-Seite der CSU gemeistert. "Nur wer etwas ausprobiert, kann erfahren, wie es ist", sagt Pardeller. Mitten im Wahlkampf hat er außerdem sein zweites juristisches Staatsexamen mit einer recht guten Note abgelegt. Schon das allein ist eine anspruchsvolle Leistung. Es scheint ganz so: Wenn Pardeller sich etwas ernsthaft vornimmt, dann klappt das auch.

Klar, mit seinen 32 Jahren ist Pardeller jung. Genauer gesagt der jüngste Bürgermeister im Landkreis. Was aber nicht heißt, dass es ihm an wichtigen Erfahrungen mangelt, wie im Wahlkampf von Gegenkandidaten gelegentlich angedeutet wurde. Auch wenn er noch nicht viele Jahre in der freien Wirtschaft tätig war, weiß der Jurist nach eigener Aussage, wie ein kleines Unternehmen funktioniert. So half er in der Vergangenheit immer wieder im Malerbetrieb seines Vaters in der Verwaltung aus. Nach dem ersten Staatsexamen an der Ludwig-Maximilians-Universität München arbeitete er bis 2018 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Staats- und Verwaltungsrecht, Europarecht sowie Gesetzgebungslehre von Professor Matthias Rossi an der Universität Augsburg und unterrichtete Studenten. Zum Referendariat kehrte er nach München zurück und arbeitete nebenbei in einer Kanzlei.

Viel wichtiger aber noch als die berufliche Erfahrung: In der Kommunalpolitik ist Pardeller fast schon ein alter Hase. 2007 trat er in die Junge Union ein, 2008 wurde er Mitglied der CSU und sitzt seitdem im Gemeinderat. Seit sechs Jahren bringt er sich auch im Kreistag ein und ist nun wieder in das Gremium gewählt worden. Und eben zum Bürgermeister. "Ich habe meine Leidenschaft zum Beruf gemacht", sagt er. Denn die Politik, besonders im Kommunalen, sei es, die ihn begeistert. "Ich bin jemand, der gern mit Menschen arbeitet", sagt der 32-Jährige. "Gemeinsam Ideen haben, aufs Gleis bringen und die Auswirkungen sehen. Das fasziniert mich jedes Mal wieder."

Bei all dem kommt ihm seine gewinnende Art zugute, die ihm der eine oder andere Weggefährte gerne immer wieder attestiert. "Thomas kann Leute zusammenbringen und unterschiedliche Interessen ausgleichen", beschrieb ihn Hartmut Lilge, langjähriger CSU-Gemeinderat und Förderer Pardellers kürzlich. Außerdem kann der 32-Jährige aus den vielen Jahren in der Kommunalpolitik auf ein großes Netzwerk zurückgreifen. So hat er beispielsweise "einen engen Draht", wie er sagt, "zu Flori Hahn und Kerstin Schreyer", dem Bundestagsabgeordneten aus Putzbrunn und der bayerischen Verkehrsministerin aus Unterhaching. Den Kontakt zur Ministerin will Pardeller in nächster Zeit auch einmal nutzen. "Mal sehen, ob er etwas bringt", sagt er. Beim Thema S-Bahn-Unterführung etwa, die die Neubiberger CSU vor einer Weile wieder aufs Tableau gebracht hat.

Von seinem jungen lässigen Äußeren - zum Termin trägt Pardeller Jeans, Turnschuhe und eine Fliegersonnenbrille - darf man sich also keineswegs täuschen lassen. Er weiß, was er will. Und vertritt das ziemlich souverän, wenn es sein muss hartnäckig. Bei der Podiumsdiskussion mit den drei anderen Bürgermeisterkandidaten vor ein paar Monaten gab er seine Statements so klar und unaufgeregt ab, als täte er das jeden Tag. Im Gemeinderat zeigte er oft, wie er trotz starken Gegenwinds auf seinen Argumenten beharrt. "Man muss die Dinge benennen und nicht aussitzen", sagt er. "Das ist nicht immer der angenehmste Weg, aber sonst kommt es nur noch dicker", sagt er.

Im Grundsatz gefällt es ihm aber am besten, gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. Dazu passt auch, dass er sich für einen neuen Stil im Rathaus einsetzen will. Gerade im vergangenen Jahr hatte es im Gemeinderat viele Auseinandersetzungen gegeben. Er fände es etwa gut, Themen vor den Sitzungen mehr zu besprechen. "Ich habe auch angeboten, zu den anderen Fraktionen zu kommen", sagt er. Im Hinblick auf die Bürger möchte er diese "noch mehr beteiligen", kündigt er an. Gerade die Menschen in Unterbiberg, so habe er es im Wahlkampf festgestellt, fühlten sich bei einigen Themen nicht mitgenommen.

Freilich stehen in nächster Zeit viele große Projekte auf dem Programm, die Erweiterung des Rathauses beispielsweise. "Das Thema bleibt", sagt Pardeller. Weil die Corona-Krise aber auch Neubibergs Haushalt hart trifft - es stehen hohe Gewerbesteuerrückzahlungen an - wird Pardeller "einen Kassensturz machen" müssen und sehen, was "Pflicht ist und was Kür", wie er sagt. "Ich würde aber gerne keine Projekte aufgeben, sondern eher verschieben", sagt er. Trotz der widrigen Umstände freut sich Pardeller auf seine neue Aufgabe. "Wir haben ein gutes, eingespieltes Team im Rathaus. Es wird sicher für alle eine Umstellung, aber ich bin ganz guter Dinge, dass es hinhaut." Im Hinblick auf den Gemeinderat kündigt er an, dass sich die Fraktionen bei den Ämtern entsprechend ihren Wahlergebnissen wiederfinden sollen.

Eigentlich wollte Pardeller vor seinem Amtsantritt zur Erholung noch ein paar Tage am Gardasee verbringen, wo seine Eltern ein Häuschen haben. Denn er genießt das Leben auch gern, wie er sagt. Mediterranes Essen, ein Glas Wein, Freunde treffen. Das geht nun wegen der Corona-Krise nicht. Auch Energie tanken im Fitnessstudio wie sonst ist nicht drin. Aber Pardeller hadert nicht. Er fährt jetzt eben viel mit dem Fahrrad. Oder setzt sich mal auf eine Bank im Zukunftswald. Für ihn gerade ein passendes Symbol, ein Zeichen für Zukunft und Aufbruch. Darum hat er den Platz auch für das Interview vorgeschlagen.

© SZ vom 05.05.2020

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