Straßennamen Verstärkung für die Doktorbäuerin

Das künftige Baugebiet in Oberhaching zwischen Forstweg und Franz-Josef-Strauß-Straße bekommt eine neue Straße. Über deren Namen wird weiterhin diskutiert.

(Foto: Claus Schunk)

In Oberhaching ist nur eine einzige Straße nach einer Frau benannt. Das soll sich ändern.

Von Iris Hilberth, Oberhaching

Wie weiblich ist eigentlich Oberhaching? Eine vielleicht seltsame Frage, mit der sich der Gemeinderat derzeit aber auseinandersetzt, wenn es darum geht, neue Straßen und Wege auch so zu benennen, dass alle langfristig gut damit leben können. Und während Grüne und SPD Frauennamen für das Oberhachinger Straßennetz als dringlich einstufen, weil die weibliche Seite Oberhachings in der Namensgebung der Infrastruktur nämlich völlig unterrepräsentiert ist, wollen andere lieber noch einmal ganz in Ruhe darüber nachdenken.

Betrachtet man die Bevölkerung der Gemeinde, so lässt sich nicht verleugnen, dass hier tatsächlich mehr Frauen als Männer wohnen, und das schon seit Jahrzehnten. 1987 standen 4538 Oberhachingerinnen 4252 Oberhachingern gegenüber, 2015 waren mit 6546 zu 6353 noch immer die Frauen in der Überzahl. Der Erste Bürgermeister ist ein Mann, der Zweite auch, auf Rang drei amtiert in Anja Wille eine Gemeinderätin. In den Schulen hingegen haben die Frauen insgesamt das Sagen, drei Schulleiterinnen und ein Schulleiter sind in Oberhaching für die Bildung zuständig.

Nach der Radiojournalistin Ilse Weitsch wollen SPD und Grüne eine Straße benennen.

(Foto: BR/Historisches Archiv)

Und bei den Straßennamen? Gibt es nur den Doktorbäuerinweg. Ansonsten wird das Verzeichnis von Edmund, Erich, Fritz und Josef, von König, Kronprinz und Franz Josef dominiert. Nun ist es nicht so, dass Oberhaching in der Namensgebung besonders chauvinistisch ist und andere Gemeinden längst viel mehr Frauennamen auf die Straßenschilder gehoben hätten. Unterhaching ist mit ihrer Anna-, der Edith-Stein- und der Lena-Christ-Straße sowie dem Elisabeth-Flierl-Weg auch nicht wesentlich weiblicher.

In Oberhaching geht es nun im speziellen um den Namen der Erschließungsstraße im Baugebiet am Neuen Weg, direkt neben dem Forstweg. Zunächst hatte der Gemeinderat "irgendwas mit Wald" gesucht. Reh- und Hirschwinkel waren genauso wie Wildacker im Rennen. Bis nun SPD und Grünen beantragten, die Straße nach Ilse Weitsch zu benennen. Die Frauenrechtlerin und Radio-Journalistin lebte mit ihrer Familie am Äußeren Stockweg. Sie baute nach dem Zweiten Weltkrieg den Frauenfunk des BR auf, ihre Sendung zu Fragen des Rechts und der Verankerung der Gleichberechtigung von Mann und Frau soll dazu beigetragen haben, dass 1957 das Familienrecht angepasst wurde.

Die CSU konnte sich mit dem Vorschlag nicht so recht anfreunden. Zumal Gemeinderat Josef Ertl den Namen "noch nie gehört" hatte. Der Widerstandskämpfer Ruprecht Gerngross wäre ihm lieber, "der hatte ja auch seine Verdienste am Ende des Zweiten Weltkriegs", sagte Ertl. Wobei man natürlich wieder bei einem Mann wäre. Margit Markl von der SPD hätte schon gerne einen Frauennamen. Und weil das ja nicht die letzte neue Straße sein werde, sei es ja möglich "dass der Dr. Gerngross auch eine Straße bekommt", sagte sie. Die Gemeinderäte wollen nun noch einmal das Heimatbuch wälzen und ein paar Namen herausschreiben, die zu dem Gebiet passen könnten. Der Name der bereits existierenden Querstraße allerdings hat weder etwas mit Wald noch speziell mit Oberhaching zu tun, gefällt aber der CSU: Franz-Josef-Strauß-Straße.