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Öffentlicher Nahverkehr:Der Landkreis will komplett in die M-Zone

Bahnhof Unterschleißheim

In Unterschleißheim wünschen sich die Fahrgäste eine Aufnahme in die M-Zone.

(Foto: Florian Peljak)

Am Dienstag beschäftigt sich der Mobilitätsausschuss des Kreistags wieder mal mit der MVV-Tarifreform. Die Grünen sind skeptisch und fordern den Ausbau des Angebots.

Von Martin Mühlfenzl

Kaum ein Projekt war in den vergangenen Jahren im Landkreis München derart umstritten - und auch emotional aufgeheizt - wie die MVV-Tarifreform. Am 15. Dezember trat die Neustrukturierung der Ticketpreise und Zonen offiziell in Kraft, die insbesondere im Kreistag, aber auch innerhalb der Gesellschafterversammlung des Münchner Verkehrs- und Tarifverbundes zu Auseinandersetzungen geführt hatte. Die könnten wieder aufbrechen, steht doch eine nach zwei Jahren planmäßige Evaluierung der Reform an - und der Landkreis könnte mit weiteichenden Begehrlichkeiten ins Rennen gehen.

An diesem Dienstag, 13. April, wird sich der Mobilitätsausschuss des Kreistags mit der Neuauflage der MVV-Tarifreform beschäftigen, die Verwaltung von Landrat Christoph Göbel (CSU) empfiehlt in der Beschlussvorlage, der Landkreis möge sich mit folgender Forderung an die Verbundgesellschaft wenden: "Komplett in die M-Zone".

Dieses Ansinnen, den Landkreis in den neuen Innenraum des MVV zu integrieren, hatte Göbel bereits in den Verhandlungen vor zwei Jahren mit breiter Unterstützung des Kreistags vertreten, konnte sich aber nicht durchsetzen, da es in der Gesellschafterversammlung Widerstand seitens des Freistaats, der Landeshauptstadt und auch der anderen Landkreise gegeben hatte. Vor allem dass es der bevölkerungsreiche Norden mit den wichtigen Städten Garching und Unterschleißheim nicht in den Innenraum geschafft hatte, rief im Landkreis heftige Kritik seitens der Politik hervor. In der Folge einigte sich der Kreistag darauf, diese "Ungerechtigkeit" zu beseitigen und aus Landkreis-Mitteln - befristet auf zwei Jahre - Besitzer von Jahreskarten die Differenz von Tickets der Zone M zu den Zonen M+1 und M+2 zu erstatten.

Nun also soll ein neuer Versuch gestartet werden, den Landkreis München komplett in die Zone M zu bekommen. Gegen diese Pläne hatten sich schon vor zwei Jahren die Grünen im Kreistag gewandt. "Was nutzt mir ein billiger Bus, wenn er nicht kommt", zitiert der Fraktionschef der Ökopartei im Kreistag Christoph Nadler seinen Parteikollegen Anton Hofreiter. An der Position seiner Fraktion habe sich nichts geändert. Der Schwerpunkt müsse viel mehr auf dem Ausbau des Angebots liegen, sagt Nadler; hinzu komme, dass die Corona-Pandemie mit ihren Auswirkungen dazu führen werde, dass der Landkreis sparen muss. "Vergünstigungen sollte es daher nur für die geben, die es auch brauchen, für Studenten und schwächer Verdienende etwa", sagt Nadler. Ein "Landkreis-Ticket" in Form der Integration in den Innenraum sei "nice to have", so der Grüne, "und wenn wir es bekommen würden, würde ich nicht Nein sagen, aber ich glaube nicht daran".

Klar für die komplette Aufnahme des Landkreises in die Zone M spricht sich SPD-Fraktionssprecher Florian Schardt aus. "Im Grunde genommen war das von Anfang an unsere Forderung", sagt er, "und es ist absolut wünschenswert". Seine Partei wünsche sich aber beides: den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs und des Angebotes sowie eine Ausdehnung des Innenraums. "Unsere Vision ist die Stadt Wien", sagt Schardt mit Blick auf die österreichische Hauptstadt und ihre billigen Tarife sowie das 365-Euro-Jahresticket.

Als Unterschleißheimerin ist CSU-Kreisrätin Brigitte Weinzierl direkt von der MVV-Tarifreform betroffen. Daher sagt sie, für ihre Stadt wäre die Aufnahme in den Innenraum "wünschenswert". Passiere dies, befürchtet Weinzierl aber, könnte dies zur Folge haben, dass Pendler außerhalb der Zone M, etwa aus den Landkreisen Dachau und Freising, die Bahnhöfe im nördlichen Landkreis München wegen des günstigeren Tarifs zuparken. "Außerdem müssen wir harte Tarifsprünge an den Grenzen vermeiden", sagt Weinzierl. "Hier dürfen keine Ungerechtigkeiten entstehen. Deshalb muss das mit den Partnern, den Nachbarlandkreisen intensiv besprochen werden."

Wie auch die Forderung aus dem Landratsamt nach einer "einfachen Flat-Tarif-Lösung" für den gesamten MVV-Raum, die Landrat Göbel schon lange erhebt, auch wenn er ungern vom 365-Euro-Ticket spricht.

© SZ vom 12.04.2021/hilb
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