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Moderne Bibliothek:Das öffentliche Wohnzimmer

Mitten im Lockdown präsentiert sich die umgebaute Gemeindebücherei in Unterhaching als einladender Ort. Sie soll bald die Menschen wieder zusammenbringen. Der Bürgermeister sieht eine Aufwertung des Zentrums

Von Iris Hilberth, Unterhaching

Eine Eröffnung mitten im pandemiebedingten Lockdown kann nie so sein, wie man sich das nach einer langen Umbauphase vorgestellt hat. Elf Monate lang wurde die Gemeindebücherei in Unterhaching saniert und modern gestaltet. Fast ein Jahr lang warteten die Nutzer auf neuen Lesestoff. Und nun musste Leiterin Tanja Keller, nachdem der Bürgermeister am Dienstag mit dem Durchschneiden eines Bandes die Bibliothek symbolisch wiedereröffnet hatte, einer Mutter, die mit ihrem Kind vor der Tür stand, sagen: Rein darf man leider noch nicht. Immerhin kann man wieder Medien bestellen und abholen. Click and Collect, wie das neuerdings heißt.

Dabei sind die neuen Räume im alten Gebäude gegenüber dem Rathaus so einladend, dass man sich gerne gleich in einen der Ohrensessel im Erdgeschoss plumpsen lassen würde oder die Kinder in den hinteren Bereich zum Schmökern und Toben schicken könnte. Alles ist hell, in strahlendem Weiß und sattem Lindgrün gehalten, freundlich und übersichtlich gestaltet, so dass man sich glatt auch vorstellen kann, im oberen Geschoss seinen Laptop an einem der zehn neuen Schreibtischplätze einzustöpseln und einfach mal dort zu arbeiten, wo die Bücher zu Hause sind.

Reinschauen - aber nicht reingehen: An der Gemeindebücherei in Unterhaching könnte nach elf Monaten Umbauzeit in strahlend neuen Räumen wieder der reguläre Betrieb aufgenommen werden. Wenn nur Corona und der Lockdown nicht wäre.

(Foto: Sebastian Gabriel)

Es gibt in der Bibliothek von heute natürlich nicht nur Bücher. Leiterin Keller spricht von 40 000 Medien - und da sind Zeitschriften, Zeitungen, Hörbücher, E-Books und Videos, Spiele und Tonies für Kinder dabei. Einige Lücken klaffen noch in den weißen Regalen, 10 000 Medien sind seit einem Jahr an die Unterhachinger verliehen und kommen nun nach und nach an den alten Ort im neuen Gewand zurück.

Auffallend sind aber nicht nur die neuen, rollbaren Regale, die eine flotte Umgestaltung zum Veranstaltungsraum ermöglichen. Die neue Bücherei bietet mit diversen Sofas, Sesseln, Hockern und sogar einer gemütlichen Couch auf einer Empore viel mehr Sitzplätze als die alte. Für Jugendliche wurde eine Gaming-Lounge geschaffen, mit Spielekonsolen, VR-Brille und flauschiger Chill-Area in gemütlichem Lila.

Leiterin Keller nennt ihre neue Bücherei, die sie gemeinsam mit Architekt Rüdiger Jordan gestaltet hat, "unser öffentliches Wohnzimmer". Sie will, dass die Besucher sich wohlfühlen. "Dieses Haus soll ein Ort der Kommunikation, des Treffens und der Lernexperimente sein", sagte sie bei der Eröffnung. Wichtig sei dabei, dass der Mensch im Mittelpunkt stehe, dass er nicht nur Bücher oder andere Medien mit nach Hause nehme, sondern auch neue Gedanken. Die Garantie dafür, dass die Leute sich in dem neuen Unterhachinger Wohnzimmer wohlfühlten, sei ihr Team, die Basis für erfolgreiche Bibliotheksarbeit sei dessen Freundlichkeit und Kompetenz. So gibt es für jeden Bereich eine Expertin: für die Gaming-Ecke genauso wie für den Senioren- und den Kinderbereich.

Symbolischer Akt: Büchereileiterin Tanja Keller und Bürgermeister Wolfgang Panzer durchschneiden am Eingang ein Band.

(Foto: Sebastian Gabriel)

Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD) zeigte sich über das neue Erscheinungsbild ganz begeistert. "Das ist eine hundertprozentige Aufwertung", schwärmte er, "was wir daraus gemacht haben, ist zum Niederknien." Mit der Bücherei gebe die Gemeinde dem Bereich um den Rathausplatz sein Herzstück zurück. "Immer schon war unsere Bücherei ein Ort der Begegnung vieler Menschen und Generationen", sagte er. Unter der Leitung von Tanja Keller habe sich die Bibliothek zu einem bunten Treffpunkt mitten in Unterhaching entwickelt. Dies trage zur Belebung des gesamten Zentrums bei. Keller leitet seit 2007 die Einrichtung, die es seit 36 Jahren gibt.

Allerdings war Panzer zunächst nicht von der Sanierung überzeugt und wollte wie auch Keller die Bücherei im neuen Kinderhaus plus am Oberweg unterbringen, weil dort mehr Platz gewesen wäre. Doch entschied sich der Gemeinderat damals mit großer Mehrheit dafür, die Bücherei im Ortszentrum zu belassen, innen aber komplett umzubauen. "Die Kunst war es, die Gebäudehülle stehen zu lassen und darin aber einen ganz neuen Innenraum zu schaffen", sagte Panzer bei der Eröffnung. Die Gemeinde hat sich den Umbau knapp 1,2 Millionen Euro kosten lassen und ist damit noch etwas unter dem bewilligten Budget von 1,28 Millionen geblieben. Von staatlicher Seite wurde die Baumaßnahme mit 207 000 Euro gefördert.

© SZ vom 03.03.2021
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