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Mobilität:Plötzlich hört der Busfahrer etwas

Elektromobilität im Landkreis Ebersberg, 2019

Im Landkreis ist in Unterföhring der erste Elektrobus im Probebetrieb unterwegs, von Dezember an wird er in den normalen Fahrplan integriert.

(Foto: Christian Endt)

Beim E-Mobilitätstag des Landkreises in Unterföhring dreht sich alles um moderne Antriebe, Nachhaltigkeit und Klimaschutz

An diesem Samstagnachmittag liegt ein Surren in der Luft vor dem roten Bürgerhaus an der Münchner Straße in Unterföhring. Vier Jungs flitzen mit Silber glänzenden "Moovern" durch einen Parcours aus bunten Plastikhütchen. Denn so heißen die E-Scooter, die neben Segways beim E-Mobilitätstag ausprobiert werden können.

"Ich muss auch gleich auch mal eine Runde fahren", sagt Elisabeth Haberthaler, während sie ein vom Wind umgeblasenes Werbebanner vom Boden aufhebt. Die Münchnerin ist Beraterin für E-Mobilität und Energieprojekte. Seit drei Jahren hilft sie im Namen der Energieagentur Ebersberg-München Menschen dabei, das richtige Elektro-Auto zu finden, alles für die Installation einer Fotovoltaik-Anlage vorzubereiten oder einfach nur das eigene Zuhause energiesparender zu gestalten.

Dieser Samstag ist der zweite E-Mobilitätstag, den Haberthaler mitorganisiert hat. Neben der Energieberatung und dem E-Roller-Parcours gibt es einen Fahrrad-Reparatur-Stand, fünf Vorträge im kleinen Saal des Bürgerhauses und die Möglichkeit, in den E-Versionen von Toyota, Tesla, Mercedes und anderen Probe zu sitzen. Ob diese Art von Veranstaltung von den Bürgern gut angenommen wird? Haberthaler zuckt mit den Schultern: "Na ja, schauen Sie sich doch um. Es könnten schon viel mehr sein, und die meisten bleiben nur so zehn bis 15 Minuten. Das ist schon schade", sagt sie.

Dass heute nicht mehr Unterföhringer gekommen sind, das kann auch Michael Ettenhuber nicht verstehen. Gemeinsam mit seinen beiden Brüdern leitet er das gleichnamige Busunternehmen und gewann die Ausschreibung des Münchner Verkehrs- und Tarifverbunds (MVV), im Landkreis München die ersten E-Busse einzusetzen. Am 1. September startete in Unterföhring die Pilotphase ohne Passagiere, von 15. Dezember an fahren die elektrisch betriebene Busse dann im täglichen Betrieb mit. Ettenhuber ist stolz auf diesen Schritt des Familienunternehmens: "Ich wollte das unbedingt machen. Und bin überzeugt, dass wir es trotz der Ladepausen zwischendurch hinbekommen werden", sagt er und deutet in Richtung des grün-weiß-blauen Busses, der mit geöffneter Motorhaube am anderen Ende des Platzes steht. Er ist einer von drei Bussen, die zukünftig als Ortsbusline 232 von der Unterföhringer Fichtenstraße bis zur Trambahn nach St. Emmeram fahren werden.

Auch für Energieexpertin Haberthaler ist dieses Projekt nicht alltäglich. "Was sagen die Busfahrer zu dem neuen Fahrgefühl und den Ladepausen? Und wie viel Verbrauch habt ihr in den Wintermonaten eingeplant, wenn die Batterien nicht so viel aufnehmen können?", fragt sie Ettenhuber und sortiert die auf dem Stehtisch ausgelegten Flyer.

Der Unternehmer ist optimistisch bezüglich der kommenden kalten Monate. Die neuen Busse würden bei energiesparender Fahrweise ein Kilowatt pro Kilometer verbrauchen, bei verschwenderischem Fahrstil zwei Kilowatt. Aber auch mit laufender Heizung bei kalten Temperaturen sei man bisher immer problemlos eine ganze Schicht durchgefahren, bevor für knapp zwei Stunden in den eigens für die Busse gebaute Ladesäulen der Gemeinde eine Pause einlegt werden musste. "Und bezüglich des Fahrgefühls sind die meisten unserer Busfahrer begeistert. Man geht halt vom Gas runter und er rollt einfach weiter, so dass man dadurch so viel Reichweite rauskitzeln kann. Außerdem ist es so leise, ein Fahrer war ganz überrascht, was man auf einmal alles so hört während einer Schicht", sagt Ettenhuber und lacht.

Die Vorstellung der E-Bus-Linie des MVV von Landrat Christoph Göbel (CSU), das Abschneiden unterschiedlicher Antriebstypen im Vergleich und der Alltag mit eigenem PV-Strom im Alltag: Darum geht es im Vortragsraum im ersten Stock. "Ich werde sehr oft gefragt, ob sich eine Fotovoltaik-Anlage lohnt. Und ich antworte immer dasselbe: Eine Anlage kostet 8000 Euro und man hat Strom vom eigenen Markt. Das ist keine Geldanlage, dafür ist es zu günstig. Aber es ist eine Sparanlage, von der auch noch die eigenen Kinder später profitieren können", sagt Hans Urban und klickt auf die nächste Folie seiner Power-Point-Präsentation. Seit mehr als 30 Jahren beschäftigt sich der studierte Elektrotechniker mit erneuerbaren Energien, bei seinem Vortag in Unterföhring beantwortet er vor allem Fragen von Bürgern, die ihre bisherige Fotovoltaik-Anlage modernisieren oder eine ganz neue auf ihr Dach bauen möchten: Wie kann ich auch als Mieter auf nachhaltigen Strom umsteigen? Komme ich mit einer PV-Anlage im Eigenverbrauch über den Winter? Wie viel kWh sollte mein Speicher haben?

Auch Peter Christ denkt darüber nach, Solarzellen auf seinem Dach in Unterföhring zu installieren: "Unser Reihenhauses ist nur leider etwas zu klein, um den Abstand zu den Nachbardächern einhalten zu können", erzählt er und deutet in Richtung der in der Sonne glänzenden E-Autos vor dem Bürgerhaus. Eines aber ist sicher: "Wenn das jetzige Auto den Geist aufgibt, kommt ein E-Auto her".